Meine Enttäuschung war jedenfalls groß, dass die schneeweisse (zum Schluss allerdings schwarze) "Black Rose" auf 317 Seiten überhaupt nicht auftauchen wollte. Dabei wirbt der Klappentext des Buches doch gerade mit ihr: "...die Black Rose ist mehr als ein majestätisches Schiff; sie ist ein Luxustraum aus Glas, Teak und weissem Lack." Und: "...werden die luxuriösen Salons und Schlafgemächer der Black Rose Schauplatz von Liebesspielen und Ehebruch."
Wer diese Schauplätze allerdings sehen, einen Eindruck von dieser Yacht bekommen möchte, ist hier fehl am Platze, auch wenn das Buch ausgerechnt im Mareverlag mit dem Logo "Leben mit dem Meer" erschienen ist. Die Black Rose bleibt ein Phantom, eine Anleihe beim Fliegenden Holländer.
Nun wiederholt die Inhaltsangabe der Redaktion zwar nicht die Versprechungen des Klappentextes, aber sie lässt doch einen in sich schlüssigen Handlungsablauf erwarten, ja sie weckt mit einem überzogenen Vergleich mit Grisham sogar besondere Erwartungen. Wir haben solche Prozessberichte aber schon oft und meistens viel überzeugender und spannender gelesen und gesehen. Buffa will da wohl nur einem Trend hinterher laufen.
Bleibt noch ein Blick auf die Sprache. Da finde ich es von dem Übersetzer sehr mutig, dass er sich, was ja ziemlich ungewöhnlich ist, auf dem Buchumschlag nennen lässt. Auch wenn ihn der Verlag zeitlich zu sehr gedrängt haben mag, sollte er den Leser nicht immer wieder über Unebenheiten stolpern lassen. Wer versteht schon die Frage: "Glaubst Du, er weiß nicht, dass du alle von ihnen bist?" Oder, wer wundert sich nicht, wenn er kurz nacheinander lesen muss: "Danielle wirbelte herum" oder "Danielle wirbelte auf dem Absatz herum", und dann "stürmte" sie auch noch vorbei, wobei sie aber offenbar ungehindert weitersprach.
Oder, das "laute, dröhnende Lachen" von St. James, "das wie ein Echo von den Hügeln zurückgeworfen wurde". Dabei befanden sie sich im Hafen, nur im Hintergrund gab es niedrige Hügel, was aber Verfasser und Übersetzer schon nach zwei Seiten wohl schon vergessen hatten.
Ich habe das Buch in einem Zuge durchgelesen, weil ich gespannt war, ob der maritime Hintergrund doch noch lebendig, der Prozessablauf noch überzeugend und das Ganze noch richtig schlüssig werden würde. Aber, all das passierte nicht, und ich habe danach so richtig gut geschlafen.