Die vier Jungspunde von LAZARUS A.D. waren eine der größten Punktsieger des derzeitigen Thrash-Metal-Revivals. Das 2009er Debüt "The onslaught" schlug in Szenekreisen ein wie eine Bombe, und hatte wirklich alle (!!!) Vorteile, die eine richtig geile Oldschool-Scheibe im Idealfalls haben musste. Geiles Schädelspalter-Riffing, pumpende Bassläufe und frische, unverbrauchte Ideen, wohin das Ohr auch hörte. Punkt aus!
Die spielerische Unbekümmertheit ist dem Amiland-Vierer auf ihrem nagelneuen Zweitwerk "Black rivers flow" leider ziemlich verlorengegangen, was vor allem an der modernen Ausrichtung liegt, die dem Songmaterial insgesamt nicht sooo gut zu Gesicht steht. Soll heißen: Stilistisch orientieren sich LAZARUS A.D. auf dem 42-Minüter seltener an großen Vorbildern wie METALLICA , VIO-LENCE oder TESTAMENT. Dafür grooven sich die 9 Songs mittlerweile vornehmlich in Gefilde, die ansonsten eher von Neo-Thrash-Acts wie LAMB OF GOD , MACHINE HEAD oder PANTERA bespielt werden. Als größter gemeinsamer Nenner zwischen "The onslaught" und "Black rivers flow" ist sicherlich der Einfluss von EXODUS spürbar, die den Haudrauf-Sound der alten Schule ohnehin eindrucksvoll in die Neuzeit retten konnten.
Mit der stilistischen Kurskorrektur hat sich auf "Black rivers flow" auch eine gewisse Behäbigkeit eingeschlichen. Der spröde Volldampf-Charakter alter Granaten wie "Last breath" , "Every word unheard" oder "Absolute power" wird an (fast!) allen Ecken und Enden vermisst, zumal sich Großteil des Songmaterials mittlerweile nur noch im geregelten Mid-Tempo abspielt. Das kann natürlich auch definitiv seine Reize haben, keine Frage...doch leider erzielen nette, aber leider recht unspektakuläre Groove-Nümmerchen wie "The ultimate sacrifice" , "Through your eyes" oder der arg durchschnittliche Opener "American dreams" nicht das erwünschte Ziel. LAZARUS A.D. klingen hier leider wie jede x-beliebige Nu-Thrash-Kapelle der Neuzeit, die nur mit Mühe und Not die Klippen des Metalcore umschippert. Gleiches gilt übrigens auch für den Album-Tiefpunkt "Beneath the waves of hatred", dessen übertriebene Gutlaunigkeit auf Dauer total deplaziert wirkt, und welcher sich musikalisch beinahe schon an neuere SOILWORK-Belanglosigkeiten ("Sworn to a great divide", "The panic broadcast") annähert. Aua! Das hat's alles schonmal gegeben - und wo zum Henker ist die kompromislose Attitüde geblieben, die "The onslaught" damals sooo ausgezeichnet hat ?!
Zur Ehrenrettung von LAZARUS A.D. sollte nun aber mal gesagt werden, dass "Black rivers flow" auch einige bärenstarke Momente hat, die für vieles versöhnen. So orientieren sich die beiden Kracher "The strong prevail" und "Casting forward" zwar auch eher am modernen Mainstream-Sound, entfachen aber ingesamt mal so richtig Druck unterm Kessel. An dieser Stelle muss man zudem auch die Gitarrenarbeit erwähnen, deren Melodien an so mancher Stelle unerwartet punkten können. Richtig klasse sind hingegen die Refrain-Monster "Black rivers flow" und "Light a city up in smoke" (effektiv wie Hölle!), die sich in jeder Metal-Disco dieser Republik demnächst zum festen Reportoire mausern dürften. Und das LAZARUS A.D. das mit Abstand geilste Riff des Albums ganz ans Ende gesetzt haben - besser kann der mehrschichtige 7-Minüter "Eternal vengeance" einfach nicht ausklingen! - bestätigt letztlich die Klasse dieser Band.
Fazit: In einem Interview hat die Band kürzlich sinngemäß gesagt, dass "Black rivers flow" gern extreme Reaktionen hervorrufen dürfe. Schließlich gäbe es nichts langweiligeres, die Scheibe "einfach nur gut" zu finden. Eine Schnittmenge dürfe es nicht geben. Nun ja, ich kann dem Statement nicht ganz zustimmen...demokratisch platziere ich mich hierbei irgendwo in der Mitte. Denn bei aller Enttäuschung muss ich gestehen, dass man sich den 9-Tracker auch verdammt gut "schön hören" kann. Unterm Strich fallen die 4 Sterne aber knapper aus, als es vielleicht den Anschein hat. Insgesamt ein nettes Album - beim nächsten mal dürfen LAZARUS A.D. aber gern wieder etwas mehr auftischen.