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Die schwarze Narzisse (Black Narcissus). United Kingdom, 1947
Mit: Deborah Kerr, Sabu, David Farrar, Flora Robson, Esmond Knight, Jean Simmons, Kathleen Byron, Jenny Laird, Judith Furse, May Hallatt u. A.
Regie: Michael Powell und Emeric Pressburger
Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Margaret Rumer Godden ("The River" - "Der Strom" verfilmt von Jean Renoir)
Musik: Brian Easdale mit dem London Symphonic Orchestra
Kamera: Jack Cardiff (Oscar)
Szenenbild: Alfred Junge (Oscar)
Genre: Drama > Religionsdrama > Literaturverfilmung
Auszeichnungen: 2 Oscars für beste Kamera und bestes Szenenbild eines Farbfilms; Golden Globe für beste Kamera eines Farbfilms
Indien, Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Der aufgelassene Palast von Mopu bei Darjeeling im Himalaya wird ausersehen, um als anglikanisches Nonnenkloster zu dienen. Das Gebäude diente einst als Unterkunft für die Nebenfrauen eines Generals. Die alten Wände des Palastes sind gesäumt mit Zeichnungen von buddhistischen Gottheiten, glücklichen Menschen, darunter halbnackten Frauen, der dortigen Kultur entsprechend. Das Konvent wird St. Faith genannt. Schwester Clodagh (Kerr) wird mit ca. 25 Jahren die jüngste Oberin der kleinen Gemeinschaft von fünf Schwestern. Das Kloster befindet sich am Rande eines hohen Felsens, wo die eisigen Winde ihre unruhigen Melodien summen. Unten im tropischen Tal leben die Menschen glücklich und unbeschwert.
Bevor die Nonnen eintreffen, ist die entzückend närrische und resolute Haushälterin Angu Ayah (May Hallatt) die einzige Person in dem leerstehenden Gebäude und huscht ständig durch die Räume, die Szenen ihrer bewegten Vergangenheit unentwegt pantomimisch nachspielend.
Offen thematisiert der Film das Problem einer instrumentalisierten Hingabe. Alles ist da: sozialer Einsatz für die arme Bevölkerung (Spital, Schule), Fleiß und Arbeit (Blasen an den Händen), Aufopferung und Verzicht (Kälte, Krankheiten), und schließlich der schwere Kampf gegen die natürlichen Versuchungen - aber alles in einem Geist fanatischer Verkrampfung und Freudlosigkeit.
Sämtliche Schauspieler agieren sehr gut. Deborah Kerr als Nonne vollkommen glaubwürdig und getragen von innerer Überzeugung. Jean Simmons als 17-jähriges Eingeborenenmädchen talentiert und verführerisch wie eine Zigeunerin. Vor Allem aber Kathleen Byron als in ihrem pathologischen Wahn getriebene Ordensfrau - erschreckend phänomenal.
Viel Hauptgewicht in der filmischen Darstellung wird aufgewendet auf das Offenlegen unausgesprochener Gefühle der Nonnen mithilfe visueller Mittel durch Mimik, Gestik, Bewegung, Reaktion. Die Feinfühligkeit für diese Form von Visualisierung darf den beiden Regisseuren, wie auch dem Kameramann zugestanden werden.
So ist gesamtgesehen der Film ein echtes visuelles Kunstwerk, wenn er auch bestimmter erzählerischer und dramaturgischer Tiefen entbehrt.
Schwarze Narzisse ist der betörende Duft eines Parfüms, welches vom Prinzen während seines Unterrichtes in der Klosterschule absichtslos verwendet wird und im Nu die Sinne der Nonnen unvorbereitet anrührt. Darin symbolisiert sich der Geist der emotionalen Versuchung der Nonnen, deren Leben ständig angefochten wird in der Zerreissprobe zwischen freiwilliger Enthaltsamkeit und der natürlichen Triebhaftigkeit.
Somit ist der Film strengbetrachtet kein Zeugnis über den christlichen Glauben schlechthin, sondern eher eine Studie über die allgemeine Schwierigkeit religiös bestimmter Enthaltsamkeit und Aufopferung. Christus und seine Idee kommen nicht viel vor - eher die Spiritualität eingeübter Ordenstradition, losgelöst von der christlichen Grundform im Sinne des Neuen Testamentes.
Lehrreich ist dieser filmische Beitrag allemal, um sich kritisch auseinanderzusetzen mit dem Sinn des ehelosen Lebensmodells. Wenn der Sinn nämlich um den Preis einer automatischen Instrumentalisierung in den Hintergrund gedrängt wird, dann kann es sich wohl dabei auch um keine echte Berufung handeln und das Projekt ist zum Scheitern verurteilt.
Im Grunde also geht es nicht um die betörenden Versuchungen von Außen, sondern die unbewältigten Persönlichkeitsstrukturen von Innen. Die äußeren Versuchungen haben keine Gewalt, wenn die innere Reife vorhanden ist.
Die Macht- und Hilflosigkeit eines auf solch sandigem Grund gebauten Gebäude ist augenscheinlich und offenbart ein Dilemma der Frage nach echter und täuschender Berufung des Ordenslebens. Das alles zeigt der Film sehr transparent.
Der unvereinbare Gegensatz bekundet sich auch durch die Tatsache zweier klimatischer Zonen: oben im Kloster die kalt strenge, unten im Tal die warm tropische.
Aufgrund der Tatsache, dass der Film ausschließlich in England gedreht wurde, eine beeindruckende Leistung der Ausstattung, Tricktechnik und Szenenbilder, welche einen exotisch-faszinierenden Eindruck der filmischen Originallandschaft vermitteln.
Die Oscars für die Kamera und das Szenenbild sind vollkommen verdient.
Im ersten Monsunregen verlassen die Schwestern ihre Missionsstation für immer.