"Black Moon" ist ein Film der Eigenartigkeiten. Nach einer Reise, von der indischen Tierwelt und Mythologie inspiriert, brachte der, damals längst etablierte Regisseur ("Fahrstuhl zum Schafott", "Atlantic City"), ein riesiges Arsenal von tierischen Darstellern in sein bizarres, sich zwischen Science Fiction und Märchen bewegendes Werk ein. Die Produktion verwendet nicht viele Dialoge und wenn, dann versteht man sie in punkto Sinngehalt höchstens so gut wie die Dialoge in "Alice's Adventures in Wonderland". Durchaus erinnert die junge Cathryn Harrison (die übrigens die Enkelin von Rex Harrison ist), sowohl äußerlich als auch von dem her, was sie erlebt, an die caroll'schen Alice und auch die alte Frau, in der wir die Brechtschauspielerin Therese Giese erkennen, trägt deutliche Züge der Herzkönigin aus dem Wunderland. Das surrealistische Geschehen des Filmes besteht vornehmlich daraus, dass Lily (im Film heißen alle Personen Lily) um das große Haus, welches übrigens Louis Malles eigenes Haus war, umher irrt und beobachtet, wie nackte Kinder mit Schweinen herum turnen, eine Katze Klavier spielt, ein Einhorn durch den Garten trabt, sich ein Ferkel in der Küche zu schaffen macht oder die alte Frau mit einem seltsamen Radioempfänger oder ihrer Ratte spricht. Zwischendurch hört man Schüsse oder sieht Militär in Gasmasken durch die Gegend patrouillieren. Dass der Film als "misslungen" gilt, verwundert einerseits sehr, andererseits kann man aber auch verstehen, dass der größte Teil des Publikums mit diesem zusammenhanglosen Traumspektakel nichts anfangen konnte. Man muss Malle lassen, dass er es wunderbar beherrscht, seine Zuschauer zu irritieren, wenn nicht sogar zu verstören. Unter eben diesem Aspekt sollte man auch „Black Moon“ betrachten, denn Malle machte keinen Hehl daraus, dass er mit seinem Werk experimentierte. Er drehte den Film ganz bewusst ohne von vorneherein zu wissen, was er damit wollte oder was passieren würde. Der zurückbleibende Eindruck besteht daraus, dass es der Produktion durchaus gelungen ist, Unbewusstes frei zu setzen. Ob dies nur für den Regisseur oder auch für seinen Zuschauer dienlich ist, muss dieser selbst entscheiden. Fazit Malles seltsamstes Werk: Eine phantasmagorischer Wundertrip!
Moviemans Kommentar zur DVD: Sanfte, natürliche Farbstimmungen und gute Schärfe- und Kontrastwerte kennzeichnen das Bild, das geradezu alterlos scheint. Lediglich anhand der, bräunliche Töne in den Vordergrund stellenden, Farbstimmungen lässt sich das Alter des Filmes erahnen. Akustisch kommt die deutsche Fassung fast schon ein wenig überplastisch an, kann aber aufgrund der märchenhaften Lautmalerei, die der Film betreibt, in ihrer Art gut gefallen, was das Original sowieso tut. Die Extras sind vor allem aufgrund der Interviews mit Volker Schlöndorff und Vincent Malle sehenswert.
Bild: Das auf Himmelsflächen oder hellen Innenraumwänden (Wand um das Gemälde, 00:18:08) nur leicht von mildem Grieseln (welches man dem Alter des Filmes anrechnen kann) beeinträchtigte Bild bietet einen breiten Umfang an natürlichen Farbnuancen, die aber kaum strahlen, sondern eher matt erscheinen. Angenehm facettenreich präsentieren sich die Schärfewerte des Materials von 1975, denn nicht nur in den Detailaufnahmen der Insekten, sondern auch in Totalen über die Landschaft oder Malles Haus, wird stets Präzision geboten. Der Kontrastumfang gibt sich dabei auch in düsteren Einstellungen (Mädchenrücken in Küche, 00:18:47) recht breit.
Ton: Die deutschen Stimmen klingen ein wenig heller, als es die gesättigteren, dabei aber doch sehr spitz in den Raum tretenden, englischen Sprachsignale tun, die auch etwas sinnvoller in der Umgebung verhaftet scheinen. Im Falle von schrillen Effekten gefällt die Originalfassung etwas besser, da sie nicht ganz so grell ausfällt Weckerbimmeln, 00:29:56). Sowohl die unzähligen Tiergeräusche als auch die Soundeffekte werden mit größtmöglicher Potenz umgesetzt. Keinem Signal fehlt es an Präsenz, ganz im Gegenteil springt einen die lautmalerische Atmosphäre des Filmes geradezu an. Da sich sämtliche Signale so gut gesättigt in den Raum einbringen, übermittelt sich eine so saftige Räumlichkeit, dass man den Einsatz der hinteren Kanäle kaum vermisst.
Extras: Das Bonusprogramm der DVD setzt sich aus sehr interessanten Interviews mit Vincent Malle (5:02 Min.) und Volker Schlöndorff (9:24 Min.), einer Fotogalerie und dem Trailer (1:40 Min.) zum Film zusammen. --movieman.de