Die Geschichte der Monks handelt von einem einzigartigen Phänomen der Popkultur. Viele Jahre lag sie im Verborgenen, erst zur Mitte der neunziger Jahre wurde sie von Dietmar Post und Lucia Palacios im Zuge der Recherche zum Dokumentarfilm "monks - the transatlantic feedback" ans Licht gebracht. Die Monks haben nur ein einziges Album eingespielt, es heißt "Black Monk Time" und entstand im Jahre 1967. Nun ist dieses beispiellose und wichtige Werk als CD und LP mit dem Original-Artwork wiederveröffentlicht worden - inklusive schöner Bebilderung und erhellender Liner Notes.
Alles begann im West-Deutschland der frühen sechziger Jahre: Fünf amerikanische GIs lernen sich in der Garnisonsstadt Gelnhausen kennen und formieren sich zu einer Band namens The Five Torquays. Sie covern vornehmlich die aktuellen Chart-Hits und spielen simpel gehaltene Live-Beatmusik. Nach ihrer Entlassung im Jahr 1964 reisen sie ein Jahr lang durch West-Deutschland, tingeln von Club zu Club und tragen mit ihrer bis dato ausschließlich live dargebotenen Musik dazu bei, dass im erzkonservativen Adenauer- und Ehrhard-Deutschland eine Szene für Beatmusik entstehen kann. Im Folgejahr trifft die Band auf zwei deutsche Absolventen der Designhochschulen in Ulm und Essen, Walther Niemann und Karl-Heinz Remy, die alsbald zu ihren Kreativmanagern werden. Sie überzeugen die fünf Musiker fortan, ausschließlich Mönchskutten zu tragen, sich Tonsuren schneiden zu lassen und mit ihrer Musik gegen den "Großmutterstil" der Beatles anzurocken. Die Monks waren geboren.
Gary Burger, Larry Clark, Dave Day, Roger Johnston und Eddie Shaw, wie die Protagonisten heißen, begannen in ihrem Proberaum die aktuelle Popmusik zu zerlegen, sie fokussierten sich nur noch auf einen zentralen, nie abreißenden Rhythmus. Eddie Shaw verzerrte seinen Bass und stimmte ihn so tief es nur ging, Roger Johnston reduzierte sein Schlagzeug auf das Nötigste und trieb die ausufernden Monks-Stücke vornehmlich mit den Toms voran, dazu kam Dave Days elektrifiziertes Banjo und Garry Burgers wütender Schrei- und Sprechgesang. Das Ergebnis war eine psychedelisch anmutende Jam-Musik, die zu jener Zeit ihren Zuhörern oft zu viel abverlangte. Etliche Konzerte der Monks in den mittleren Sechzigern stoßen beim Gros des Publikums auf Ablehnung, die Musik verstehen nur einige Beat-Fans. Allen voran begeistert sich Jimmy Bowien, der damalige Produzent der Plattenfirma Polydor, für den neuen Sound. Gegen alle Einwände der Chefetage nimmt er die Monks unter Vertrag. Im März 1966 fanden im Kölner Studio von Polydor die Aufnahmen zum einzigen Album statt, das die Monks je hervorbringen sollten: "Black Monk Time". Schon zwei Monate später erscheint die Platte. Sie wird im Juli 1966 in der Radiosendung "Beat-Club" vorgestellt, die als erste Radiosendung für Jugendliche die Beatmusik als neuen Soundtrack zur aufkeimenden Jugend- und Popkultur institutionalisiert. Der Produzent der Show, Mike Leckebusch, bezeichnet "Black Monk Time" als sein "Album des Jahres", trotzdem bleibt der große Erfolg aus. Nach langen Tourneen durch West-Deutschland, immer wiederkehrenden Querelen mit ihrer Plattenfirma und Differenzen innerhalb der Band lösen sich die Monks im September 1967 schließlich auf.
Doch gerieten sie keineswegs in Vergessenheit. Zwar kehrten die Musiker alle nach und nach in ihre Heimat zurück und verschwiegen ihre gemeinsame Vergangenheit als avantgardistische Mönche der Popmusik. Was sie aber nicht wussten: Deutsche Krautrocker und Elektronikbands wie Can, Kraftwerk, Faust oder Neu! ließen sich von ihren manischen Jams inspirieren und verstanden sich als ihre direkten Nachfahren. Weil das Phänomen "Monks" nicht totzukriegen war und immer wieder im Bewusststein des deutschen und auch internationalen Undergrounds aufkeimte, kam es im Jahre 1979 zur ersten Wiederveröffentlichung von "Black Monk Time" - ein gut gewählter Zeitpunkt, denn die damals aktive Postpunk-Bewegung war an nichts so sehr interessiert wie an kompromisslosen Sound-Entwürfen. Über zwanzig Jahre später, 1997 genau, erschien das Album auch in den USA, und zwar auf Initiative von Rick Rubin und Henry Rollins, dem Sänger der einflussreichen US-Punkband Black Flag. Vermutlich beflügelt durch den Erfolg, ließen sich die Bandmitglieder zu einer Reunion zu bewegen. Im Jahr 1999 spielten die Monks in New York ihr erstes Konzert seit über drei Jahrzehnten, weitere Shows in den USA, England, in der Schweiz und in Deutschland folgten. Als Höhepunkt ihrer Reunion-Karriere gilt das Konzert im Herbst 2006 in der Berliner Volksbühne, bei dem unter anderem Mark E. Smith (The Fall), Schorsch Kamerun (Die Goldenen Zitronen) und Peter Hein (Fehlfarben) als Gastssänger auftraten. Die Zeitungen berichteten damals von Besuchern, die sich - ganz der Coorporate Identity der Monks entsprechend - komplett schwarz eingekleidet oder gleich die Mönchskutten übergeworfen hatten. Vereinzelt wurden sogar Fans gesichtet, die sich Tonsuren rasiert hatten - ein weiterer Hinweis darauf, wie tief sich der einzigartige Sound der Monks ins Bewusstsein ihrer Fans gegraben hatte.
Wenn dieses Jahr "Black Monk Time" eine weitere Wiederveröffentlichung erfährt, fragt man sich also erneut, weshalb den Musikern damals der Erfolg verwehrt geblieben ist. Die Antwort könnte lauten: Sie waren ihrer Zeit zu weit voraus.