Von den etwa 12 Romanen von Macdonald, die ich gelesen habe, ist dies das schwarze Schaf, was Spannung und Atmosphäre anbetrifft. Der Roman tritt ca. 100 Seiten lang auf der Stelle und kommt auch danach nicht wirklich in die Schuhe. Ein Frage-Antwort-Dialog folgt dem nächsten, und bis überhaupt ein Fall im engeren Sinne vorliegt, dauert es ewig. Verborgen in diesem vermurksten Krimi stecken stattdessen mehrere Liebesromane um etwa drei Beziehungen, die sich gegenseitig spiegeln. Als Modern American Fiction statt Crime Fiction gelesen, könnte der Roman funktionieren und es dann vielleicht mit den Werken John Updikes oder Saul Bellows aufnehmen. Vielleicht hätte Macdonald Lew Archer einfach mal rauslassen und die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen sollen. Er wirkt hier ein wenig wie ein Fremdkörper und wird an keiner Stelle so (brutal) tief hinein gezogen wie in seinen anderen Fällen. Einsteiger sollten mit einem anderen Archer-Roman anfangen und dürften eigentlich immer einen besseren erwischen. Wegen ein paar sehr starker Szenen trotzdem noch drei Punkte.