Die Geschichte des John Howard Griffin. Die Geschichte eines Mannes, der seine Haut schwarz färben lässt, um erfahren zu können 'what it is like to be a Negro in a land where we keep the Negro down'. Eine Idee zwischen naiver Unerschrockenheit und gefährlichem (moralischen) Leichtsinn. Eine Geschichte über Vorurteile und eine Geschichte voller Vorurteile. Über Rassentrennung und Diskriminierung und die angeblich 'universelle' Geschichte der Unterdrückung von Menschen durch andere.
Eine Geschichte die es, so beschlossen wohl eines Tages Mitarbeiter des niedersächsischen Kultusministeriums beschlossen, wert ist gehört und gelesen zu werden. Ungeachtet der, mit einigem Abstand betrachtet geradezu schmerzlich willkürlichen und oberflächen Behandlung des wie immer viel zu großen Themas 'The African-American Experience', bleibt das Buch selbst als Zeuge und Gefangener seiner Zeit zurück. Seine Zeit, das sind die späten 50er und frühen 60er Jahre in den Südstaaten. Sein Autor und Protagonist ist ein Journalist, der die Ruhelosigkeit eines Pioniers und die Unbekümmertheit, ja Naivität eines Kindes in sich vereint. Ein Mann, der ' das fällt mir auf, gerade weil ich derzeit Barack Obamas 'Ein Amerikanischer Traum' lese ' sehr stark der Gegenwart verhaftet ist, selten weiter in die Zukunft blickt oder der Vergangenheit nachjagt. Gerade der Vergleich mit Obama lässt ihn in meinen Augen im Nachhinein seinem Vorhaben kaum entsprechend blauäugig erscheinen. Griffin reflektiert nur wenig über die Grenzen seines Horizonts hinaus, ist mehr ein Macher als ein Denker. Darin liegen die Stärke und die Schwäche seines Erfahrungsberichts.
Denn genau das ist 'Black Like Me' - ein im Tagebuch-Stil verfasster Blick in die Erfahrungen eines zum Scheitern Verurteilten. Die Einblicke in sein Innenleben, die Angst und die Verrohung, die Suche nach einer Identität, die nicht die seine ist und seine Anekdoten von heruntergekommenen Unterschlüpfen, von 'schwarzer' Solidarität und Selbsttäuschung, von 'weißer' Gleichgültigkeit und Grausamkeit haben ihren Wert ' als subjektive Eindrücke. Sie sind nicht sonderlich intellektuell, bieten keine Lösungen an und können, das muss wohl auch Griffin letztlich erkennen, zu keinem Zeitpunkt wirklich die eines Schwarzen sein. Aber sie lassen es erahnen, verdeutlichen immerhin aus sich selbst heraus die Kluft der Rassentrennung (die nicht im Gesetz steht). So sind sie greifbar und lassen erfreulich viel Interpretationsspielraum.
Inwieweit sich die Situation in welchen geografischen und sozialen Bereichen seit dem verändert hat vermag ich nicht zu sagen ' eines aber kann ich sagen: es ist recht selten, dass eine Lehrerin ein Buch für langweilig und beliebig erklärt. Ich aber empfand die rund 300 Seiten des Buches nicht als 'langweilig', höchstens als sprachlich etwas anstrengend (die Erklärungen des Verlags sind hier nur teilweise hilfreich). Das Fazit: keine differenzierte Problembetrachtung, keine hohe Literatur, sondern einfach ein Tagesbuchausschnitt mit eingeschränkter Aussagekraft und uneingeschränkter Kraft als solcher.