Black Lagoon hat sich in der deutschen Animeszene, zumindest unter den (fast) erwachsenen Fans, einen Namen gemacht. Dieser Anime hat das Potenzial, das Bild, welches im Westen von Animes vorherrscht (nämlich jenes von Kinderfilmen) mit einem Mal zu zerschlagen. In Black Lagoon hagelt es gradezu Vulgärsprache, Gewalt, Schießereien und coole Sprüche. Doch eins nach dem anderen.
Zunächst etwas zur Story: der japanische Büroangestellte Rokuro Okajima bekommt von seiner Firma den Auftrag, einen Koffer von A nach B zu befördern. Das Boot, welches ihn an seinen Zielort bringen soll, wird jedoch von niemand geringerem als der Lagoon Company, bestehen aus dem afroamerikanischen Boss Dutch, dem US-amerikanischen Techniker Benny und der schießwütigen Revy mit dem Spitznamen "Two Hands", die halb US-Amerikanerin und halb Chinesin ist, geentert. Diese sollen den Koffer besorgen und nehmen Rokuro gleich mit. Dessen Firma setzt nun ihre Leute auf die Lagoon Company an. Das Schicksal ihres Angestellten interessiert sie nicht mehr. In Japan erklären sie ihn offziell für tot. Die Gruppe wird aus der Luft attackiert und schließlich in die Enge getrieben. Rokuro hat jedoch die rettende Lösung und es gelingt der Company, mit einem blauen Auge davonzukommen. Den Koffer übergeben sie Balalaika, der Chefin der russischen Mafia-Organisation "Hotel Moskau" und Rokuro, dessen Spitzname fortan "Rock" ist, bleibt bei der Lagoon Company. Im weiteren Verlauf der Serie erledigt die Company mit ihrem Torpedoboot, der Titelgebenden "Black Lagoon", Aufträge für verschiedene Ganoven, meist hohe Tiere in bekannten Verbrecherorganisationen. Die Handlung trägt sich größtenteils in der fiktiven Hafenstadt Roanapur in Thailand zu. Die stadt wird ausschließlich von Verbrechern bewohnt, Mafia-Organisationen sorgen für die Ordnung, die Polizei arbeitet schlampig und hat keine rechte Lust, ihre Aufgabe zu erledigen, selbst die Nonnen in der Kirche tragen stets eine Waffe unter der Kutte und sind bereit, jederzeit jemanden umzulegen.
Rock wird immer wieder mit einer Welt konfrontiert, die seinem ganzen bisherigen Lebensbild widerspricht. Gewalt ist nahezu immer das erste Mittel, Moral hat keinerlei Wert mehr. Die ganze Serie hindurch gerät er in innere Konflikte mit sich selbst und wehrt sich dagegen, den neuen Lebensstil völlig anzunehmen, klammert sich also an sein altes, sicheres Leben, in dem Recht, Ordnung und Anstand noch nicht durch Waffengewalt ersetzt waren. Vor allem zu Beginn stößt er hierbei immer wieder an Revy, die mit großem Ärger auf Rocks Gewissensbisse reagiert. Sie selbst kannte nie etwas anderes als das Leben, das Rock nun langsam kennenlernt, und ist (unwissentlich?) eifersüchtig auf ihn.
Was die weitere Handlung angeht, steht Black Lagoon einem Actionfil mit echten Schauspielern in nichts nach (die letzten James Bond Filme übertrifft die Serie gar um Längen). Es gibt keine Folge, in der es nicht wenigstens ein kleines Duell gibt, meist gibt es jedoch Handfeste Schießereien, auch Autoverfolgungsjagden gibt es immer wieder. Später kommen auch Waffen wie Flammenwerfer und Katanas vor. Für ausreichend Abwechslung während der Action-Szenen ist also gesorgt. Die Themen, welche der Handlung zu Grunde liegen, sind in Black Lagoon stets sehr ernste. So kommt es gleich zu Beginn zu einem Zusammentreffen mit Neo-Nazis, später geht es dann beispielsweise um 2 Kinder, die ihren Verstand verloren und zu Mordlüsternen Irren mutierten (da diese Folgen zu den für mich spannendsten gehören, verrate ich nichts weiter). Meinem Vorredner möchte ich übrigens an dieser Stelle einmal widersprechen: Die behandelten Themen und die Gewalt werden nicht mehr verherrlicht, als in bekannten Actionfilmen. Dies mag so erscheinen, da Emotionen und Moral in Black Lagoon, im Gegensatz zu besagten Filmen, niemals die Oberhand gewinnen. Trotz allem sind sie, grade durch ihre Abwesenheit, zentrale Elemente der Serie und werden oft Hinterfragt. Das ganze ist jedoch nur realistisch: man mag als Zuschauer anfangen, Revy zu mögen, doch ihre Geschichte ändert nichts an der Tatsache, dass sie eine abgebrühte Killerin ist, die vielleicht sogar Kinder töten könnte, ohne mit der Wimper zu zucken. Ebenso verhält es sich mit den anderen Charakteren. Dadurch wird Gewalt jedoch nicht verherrlicht, sondern einfach realistisch dargestellt: kalt und grausam.
Während der geneigte Zuschauer teilweise stark mit den Charakteren mitfühlt, Freud und Leid mit ihnen teilt, holen ihn die Charaktere selbst schnell wieder aus dieser Position: die sind nämlich allesamt total abgebrüht und haben in der Regel kein Problem damit, jemanden umzulegen, ob es nun ein Mann oder ein kleines Kind ist. Wer stört, muss weg. Natürlich hat ein solches Verhalten siene Wurzeln in der Vergangenheit. Leider erfährt man über keinen der Charaktere wirklich viel, sondern lediglich Bruchstücke der Vergangenheit. Doch gerade das macht die Charaktere in Black Lagoon so interessant: man weiß, dass etwas war, aber nicht WAS es war. Lediglich das Leben von Rock kann man sich relativ genau vorstellen, da er ein durchschnittliches Tokioter Leben führte.
Auf der technischen Seite kann sich Black Lagoon wahrlich sehen lassen. Tolle Farbgebung und gelunge Animationen lassen den Anime flüssig und dynamisch wirken. Noch dazu sind auch die Hintergründe in aller Regel nicht nur steife Bilder, sondern stets lebendig, was viele Anime nicht von sich behaupten können (in denen "vorbeigehende" Passanten mit einem ausgestrecten Bein in der Luft stehen). Die Hintergrundmusik unterstreicht das Geschehen stets wundervoll. Auch Opening und Ending sind nicht zu verachten. Das Opening sorgt mit flotten Rock- und Technoklängen dafür, dass man Lust auf ein paar Schüsse mit aus diesen resultierendem Blut bekommt, während das Ending fließend von der Episode in die Endsequenz übergeht und durch ruhige Klänge eine fast melancholische Stimmung hervorruft. Auch die deutsche Synchronisation findet meinen Gefallen (und das können die meisten deutschen Anime-Synchros, abgesehen von dem genialen Dragonball Z) nicht von sich behaupten. Die Sprecher aus Black Lagoon gefielen mir jedoch allesamt sehr gut.
Fazit: Ich habe mir Black Lagoon sowie die 2. Staffel, "The Second Barrage", im Internet auf Deutsch zu Gemüte geführt und war von der ersten Folge an begeistert. Durch die DVD Boxen bekomme ich nun die Gelegenheit, mir die beiden Staffeln für einen erschwinglichen Preis in guter Qualität nach Hause zu holen. Bedenkt man, dass jede DVD einzeln etwa 30 Euro kostet, bekommt man theoretisch sogar eine DVD geschenkt, es lohnt sich also. An alle Liebhaber von Actionfilmen und anspruchsvoller, erwachsener Zeichentrickunterhaltung richte ich eine Kaufempfehlung. 5 Sterne für einen Anime, welcher, zumindest in Deutschen Breitengraden, seinesgleichen sucht.