Bohren & der Club of Gore - Black Earth:
Black Earth ist ein Album der Meisterklasse. Ein Soundtrack für den Film im Kopf, der beim Hören entsteht. Doch was ist das für ein Film... In vielen Kritiken wird der Name des Regisseurs David Lynch erwähnt, doch die Musik von Bohren dafür viel zu langsam. Mir kam die Endszene von Rosemarys Baby in den Kopf.
Doch am besten passt wohl das Bild einer Stadt in der Nacht. Man fährt langsam durch die Strassen und schaut sich die Bars, die Menschen und die Häuserfassaden an. Es sind surrealistische Bilder die im Kopf entstehen. Bilder, in welchen sich die Protagonisten über die Gefahr klar sind, so klar und kalt wie die schneidende Nachtluft im Winter, jedoch nichts unternehmen. Die Gefahr ist immer vorhanden, unterstützt durch das Schlagzeug und das Mellotron. Und so beginnt die Platte mit einem Klang der an die Filme der 30er Jahre erinnert (Golem, Nosferatu, etc.).
Der fünfte Titel mit dem Namen „Destroying Angels" ist wahrscheinlich den Filmen von David Lynch am nächsten. Eine gewisse Coolness geht vom Saxophon aus, unterstützt durch den gemächlichen Bass. Es kommen im Kopf Bilder von einer heruntergekommenen Bar auf, in der, der Antiheld vor einem Glas Bourbon sitzt und versucht sich seine Angst wegzutrinken. Vor ihm eine kaputte Bardame mit verrauchter Stimme und über allem ertönt der kühle und zynische Jazz der Hausband.
Im achten Lied, mit dem prägnanten Titel „Skeletal Remains", kann man in den Klängen von Christopher Clösers Saxophon Anleihen auf das Spiel von John Coltrane hören. Der Titel erscheint als Vorbote auf das Ende, hier wird der Horror-Jazz, wie Bohren &der Club of Gore ihre Musik selber benennen, in sehr starker Form dargeboten. Doch alles was bisher aus den Lautsprechern der Stereoanlage erklang, ist noch nichts gegen den grandiosen letzten Titel der Platte, „The Art of Coffins". Ein Titel, der wie kein anderer den Horror-Jazz so klar darstellt. Bei diesem Lied kommen eigene Bilder im Kopf auf, die mit keinem Film vergleichbar sind.
Der Song baut sich langsam auf, der Bass, dann das Mellotron, dann das Schlagzeug, usw.
Langsam, nachdem eine gewisse Stimmung, eben die Kunst der Särge entstanden ist, baut der Song sich wieder langsam ab, bis am Ende nur noch das Mellotron und ein gespenstisches Geräusch, ein Läuten einer Kirchenglocke ertönen. Danach stoppt der CD-Player, die CD ist zuende. Doch der Zuhörer ist mit Fragen zurückgelassen worden.
„Black Earth" ist ein Meisterwerk der Dunkelheit, eine perfekte Horror-Jazz Platte, die bei jedem Zuhörer individuell wirkt.