Ist es ein Zufall, dass sich im Rückblick gerade die Beziehungen zwischen den Männern und Frauen des Buches als stabil erweisen, in denen die Paare nicht oder nicht mehr miteinander schlafen?
Im Zentrum des Buches steht ein Polizist und Exboxer. Er wird in die Mordkommission befördert, nicht aufgrund seiner Arbeit, sondern eher aufgrund der Öffentlichkeitswirkung, die ein Schaukampf im Boxen gegen einen anderen Polizisten und Exboxer hat. Ein ehrgeiziger Staatsanwalt nutzt die Gelegenheit, macht aus den beiden dann noch ein Ermittlungsteam und setzt die beiden auf einen ebenso öffentlichkeitswirksamen Fall an. Es geht um die Ermordung und Verstümmelung einer jungen Nachwuchs- oder Möchtegernschauspielerin. Paralell dazu beginnt der junge Polizist, sich in die Frau des älteren zu verlieben. Langsam geraten sowohl die Polizeiarbeit als auch das Privatleben in immer größere Probleme, wobei sich auch die Vergangenheit der Protagonisten immer mehr bemerkbar macht.
Das Buch dreht sich eigentlich um das Thema Obsession, es handelt von der Besessenheit von anderen Menschen und Ideen, die die Protagonisten des Buches dazu bringt, sich zu entfremden, vom Job, vom Sport, von geliebten Menschen oder der Welt an sich. Es wird beschrieben, wie sich Männer und Frauen in einer Sache verlieren, und wie sie dann sehenden Auges in die Katastrophe ihres Lebens laufen und doch nichts dagegen tun können. Und immer wieder sind diese Obsessionen Quelle von Lügen und Gewalt, mehrfach von Mord, und am Ende kann man die vielen kleinen und großen Untaten kaum noch zählen. Und das tragische einer Obsession ist ja auch noch, dass sie sich nie erfüllen kann, ohne sich selbst zu zerstören...
Das Buch ist selbst aus einer solchen Obsession entstanden. Wie das Nachwort des Autors berichtet, ist dessen Mutter selbst Opfer eines Sexualverbrechens geworden, als er neun oder zehn Jahre alt war. Der Mord wurde nie aufgeklärt - genausowenig wie der berühmte, historische Mord an Elizabeth Short, der wohl zu einer Art von Projektionsfläche für den jungen Autor wurde. Liest man das Nachwort, die Beschreibung über den Einfluss des Mordopfers auf den Autor, so fühlt man sich oft an die Besessenheit der Charaktäre im gerade gelesenen Buch erinert. Der Autor meint, die Short zu kennen, und das, obwohl sie Jahre vor seiner Geburt getötet worden ist.
Die besten Romane der schwarzen Serie, der berühmten Bücher von Chandler, Hammet und weiteren Autoren aus der Mitte des 20. Jahrhunderts drehen sich nicht nur um eine Krimihandlung und die Darstellung des lebenshungrigen und korrupten Millieus der Westküste derselben Zeit, sondern auch um die Frage, warum sich Menschen so vieles Böses antun, warum Gewalt entsteht, Menschen lügen und andere umbringen. Ellroy nimmt dieses Thema auf. Und das für mich neue, wirklich kreative ist für mich die Tatsache, dass gerade die eigentlich sympatischen Menschen hier einige der schlimmsten Taten begehen. Und es wird verständlich, wieso sie das tun. Womit wir wieder beim Thema Obsession wären...
Geschrieben finde ich das Buch gut, aber nicht herausragend. Die Sprache reicht definitiv nicht an einen Chandler heran. Es gibt einige, wenn auch wenige Längen. Man muss einige Stellen sehr aufmerksam lesen und nach dem Sinn hinter den Worten forschen, um aus dem Buch schlau zu werden. Insgesamt ist es aber deutlich genauer als der Film in der Beschreibung seiner Geschichte. Das Ende ist etwas anders als im Film, aus meiner Sicht auch plausibler. Ich habe das Buch nach dem Film gelesen, und es war eine gute Ergänzung. Es ist sehr "dichte" Literatur, die wir hier vor uns haben. Nachdem ich es gelesen habe, muss ich wohl sagen: Wie beim jedem, wirklich guten Buch wäre mein Leben ärmer, wenn ich es nicht gelesen hätte.
Viel Spass. Wer auf den Geschmack gekommen ist, dem stehen noch weitere Bände desselben Autors zur Verfügung, die in derselben Welt spielen und teilweise auf identische Nebenpersonen zurückgreifen. L.A. Confidential ist ein weiterer Film, der auf Basis dieser Serie von Büchern entstanden ist.