Nein, das ist es nicht; das ist nicht das Album, das man durchaus von einer Besetzung wie dieser erwarten durfte. Ich bin ein wenig überrascht über die doch nicht wenigen 5-Sterne-Rezensionen zu dieser Platte, denn "BCC" fehlt einiges zu einem Album, dem man ruhigen Gewissens die Best-Note geben kann.
Es beginnt gut, es beginnt schnell. Der Opener "Black Country" erinnert, vor allem im Gitarren-Riffing, aber auch im Sound, ein wenig an die guten alten "Burn"-Zeiten. Aber Deep Purples "Burn" liegt über dreißig Jahre zurück, und ganz ehrlich, ich möchte 2010 keine Platte hören, die man in die 70er verorten könnte. Und dies ist eines der großen Probleme der Platte: Man erwartet ja nicht, dass der Rock neu erfunden wird, aber ein wenig mehr Innovationskraft könnte schon gezeigt werden, und dies gilt in vielfältiger Weise, also nicht nur für den Sound, sondern auch für das Textliche: Glenn Hughes liefert, ganz anders als auf seinem berührenden Bekenntnis-Album "Addiction", eine Rockplatitüde nach der anderen. Dem passt sich dann auch das Instrumentale an. Man höre sich nur einmal Song Nr. 4 an, "Down again". Da bekommt man das Gefühl, dass man Gesangslinie und Text schon einige Male von Herrn Hughes geliefert bekommen hat. Ähnliches gilt für die vielleicht schwächste Nummer des Albums "I stand (at the burning tree)".
Neben diesen ideenlosen Songs gibt es aber auch einige Höhepunkte auf der Scheibe, so zum Beispiel das sehr rockige "Sista Jane" oder der "Song of Yesterday", der vor allem von Bonamassa's virtuosem Gitarrenspiel lebt.
Aber brillante Momente wie bei "Song of Yesterday" muss man unerwarteterweise auf der Platte suchen, was sicherlich auch daran liegt, dass das Zusammenspiel der vier Musiker nicht ausgewogen ist. Wie schon in anderen Rezensionen angeklungen, übertreibt es Hughes auf "BCC" mit dem Gekreische und Geheule doch arg. Es klingt fast so, als wolle er der Welt beweisen, dass er trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch die "voice of rock" ist. Diese Attitüde bekommt dem Album überhaupt nicht. Der Mann hat ein fantastisches Organ, man höre ihn nur auf Iommis letztem Solo-utput "Fused", aber falsch eingesetzt, wie hier, nervt es nur. Bonamassa's Spiel ist ideenreich und wertet die Platte auf, dagegen wirkt Derek Sherinians Tastenspiel sehr zurückhaltend, ja fast zaghaft. Jason Bonham trommelt mehr als solide, aber ihn deswegen mit seinem Vater gleichzusetzen, ist der Lobesbekundung dann doch ein wenig zu viel.
"BCC" ist eine anhörbare, aber durchaus verzichtbare Rockscheibe, die all jene zufrieden stellen wird, die der irrigen Meinung anhängen, dass seit "Machine Head" kein gutes Hard-Rock Album mehr produziert wurde. Entgegen einiger anderer Rezensenten bin ich mir sicher, dass man dieses Album schnell vergessen wird. Es bietet nichts neues, sondern versammelt, zugegebenermaßen gekonnt, nur Vertrautes und allzu Bekanntes. UNd dafür kann es nicht mehr als drei Punkte geben.