Direkt und laut kommen viele der 10 Titel des Albums rüber. Das verträumte und schwermütige des Debutalbums ist zum Großteil verflogen. Was mir sofort auffällt, ist der pure zum Teil minimalistische Synthiesound, der an allen Ecken und Enden trönt, teilweise mutet dies auch etwas seltsam an. Doch nach einigen Durchläufen hatten sich meine Ohren an die etwas unkonventionelle Musik gewöhnt, und ich finde das Album jetzt richtig Klasse. Natürlich ist auch der ein oder andere ruhige Titel auf der CD, doch insgesamt wirkt das Werk doch sehr ruppig und rüpelhaft (im positiven Sinne).
Crystalline green - Synthieklänge in ihrer reinsten Form, der Bass wird von einem schrägen Trönen gebildet. Über der abstrusen Soundkulisse schwebt die Stimme von Alison Goldfrapp und singt eine bezaubernde Melodie.
Train - Hier geht's richtig flott und laut zur Sache. Der Elektroniksound steht in ständiger Konkurrenz zu Alisons Stimme und übertönt sie teilweise. Besonders der Refrain hat regelrechte Ohrwurmqualitäten und setzt sich gleich im Kopf fest.
Black cherry - Der Titelsong kommt vergleichsweise ruhig daher, ein getragener und ruhiger Sound lädt zum Träumen ein. Dazu gibt's die schöne Stimme von Alison und eine tolle Melodie. Doch Vorsicht nach dieser Ballade ist schnell Schluss mit der Träumerei.
Tiptoe - Computersound wie in der Spielhalle, Synthieklänge und ein aufdringlicher Bass - dann im Refrain das krasse Gegenteil: ruhige, sphärische fast schwebende Klänge mit Streichern verfeinert. So wechselt der Sound ständig. Anfangs ein sehr schwieriger Titel, der den Hörer etwas ratlos zurücklässt, wächst der Song mit jedem Hören.
Deep honey - Ansich ist dies eine schöne Ballade mit erstklassiger Melodie. Doch mich stört ein wenig das ständig präsente Synthielement, das von Anfang an da ist und erst nach und nach etwas in den Hintergrund rückt. Sehr technischer Sound für eine Ballade, der erst am Ende mit einigen Streicherelementen versöhnlicher wird.
Hairy trees - Noch ein ruhiger Titel, der durch einen sphärischen fast außerirdisch wirkenden Sound besticht. Wunderschön und verträumt.
Twist - Der Titel ist ähnlich wie "Train" angelegt. Der Sound laut und rumpelig, wobei hier Alisons Stimme immer die Oberhand behält. Geiler Gesang und eine geniale Melodie. Der Titel mutet etwas verrucht an. Toll.
Strict machine - Flotter Song den ich jetzt mal in die Sparte Dance einordne. Perfekt zum Abtanzen und Party machen, allerdings auch ein wenig unspektakulär.
Forever - Das können Goldfrapp nach wie vor gut: Eine schöne Ballade aus dem Hut zaubern mit verträumtem Synthiesound im Hintergrund über dem die Stimme von Alison schwebt.
Slippage - Dieses Instrumental am Ende des Albums würde wohl perfekt als Soundtrack zur Marslandung oder Ähnlichem passen. Alison steuert lediglich ein paar Stöhn- und Schreilaute zum Computersound bei. Außerirdisch aber irgendwie auch schön und gut.
In der Summe halten sich die schnellen und langsamen Titel eigentlich ziemlich die Waage. Trotzdem bleibt für mich der Eindruck eines lauten und leicht konfus wirkendem Gesamtwerks. Was wohl daran liegt, dass einige Titel sehr offensiv durch das Album rumpeln. Leicht konfus wirkt auch das Artwork, die Bilder wie aus mehreren Schnipseln zusammengebastelt und geklebt. Das Booklet wirkt zwar auf den ersten Blick etwas mager, enthält aber alle Songtexte und Produktionsangaben und beim Auseinanderfalten ergibt sich im Inneren ein schönes Poster von Alison Goldfrapp.
Sehr empfehlenswerte CD, die allerdings nicht nach dem ersten Hören gefällt sondern etwas mehr Zeit braucht.