Die Geschichten sind zum Teil vertraut, was wohl genrebedingt ist, aber die Umsetzungen sind handwerklich solide und erzählerisch frisch, so dass selbst erfahrene Horrorkonsumenten sich auf Überraschungen freuen dürfen. Zum Beispiel in der einleitende Geschichte, Best New Horror, die die Gefahren im Leben eines Horrormagazinherausgebers beschreibt. Hier bekommt man sogar drei Geschichten für den Preis von einer. "20th Century Ghosts" - der Originaltitel der Sammlung - ist eine romantischere Umsetzung von dem, was in Clive Barkers Celluloid Monsters schlaflose Nächte bereitete. Pop Art ist überhaupt keine Horrorgeschichte, sondern eine Allegorie auf Mobbing in der Schule. Der Gesang der Heuschrecken gibt uns eine B-Movie-Fassung ab 21 von Kafkas Die Verwandlung, was ziemlich eklig ist. In Abrahams Söhne begegnen wir Dr. van Helsing und seinen Nachkommen. Besser als zu Hause ist eher eine Geschichte über Kindheit und auch Endspurt ist eher eine klassische Kurzgeschichte mit leichten Thrillerelementen. Das Cape zeigt uns eine Art von Superheld für jeden der Heroes mag. In Totholz und Witwenfrühstück geht es um geradezu poetisch-nachdenkliche Momente, während Das schwarze Telefon wieder eine ziemlich gruselige Geschichte ist.
Beim Dreh eines Horrorfilms in Pittsburgh stellt man fest Bobby Conroy kommt von den Toten zurück, was aber eher überraschend als erschreckend ist. Die Maske meines Vaters lässt die Motive der Grimmschen Märchenwelt auf moderne Familienhistorien treffen, während man in Die Geretteten die Titel gebenden Charaktere vergeblich sucht. In Black Box schließlich gerät der Ich-Erzähler in die innere Welt seines an Asperger Syndrom leidenden Bruders.
Wie man sieht, sind nicht alle Geschichten Horrorgeschichten, aber alle sind handwerklich und narrativ hervorragende Kurzgeschichten und jede Einzelne von ihnen rechtfertigt den Preis dieses Taschenbuchs.