Hans Christoph Buchs Essayband „Black Box Afrika. Ein Kontinent driftet ab“ ist eine drastische Schilderung der Ereignisse auf dem afrikanischen Kontinent. Die Essays sind durchweg gut verfasst und erinnern, auch wenn dies der Autor wohl negieren würde, an die Erzählweise von Scholl-Latours „Afrikanischer Totenklage“. Doch der Stil von Buch ist ein anderer, nur selten tritt der Autor hier als Akteur auf, sondern fungiert zumeist eher als stiller Beobachter der vielen Gräuel.
Die Lektüre ist eindringlich und verstörend, was mitunter auch am Sujet Afrika liegt, wie es Buch konzediert. Doch hier erweist es sich als großer Fauxpas, dass der gewiefte Essayist und Reporter Buch sich zu Beginn des Buches mit einer ausladenden Geste von Schreibern wie Kapuczinski und Scholl-Latour distanziert. Diese gingen an den Kontinent zu schriftstellerisch und voreingenommen heran; ihre Schilderungen seien oftmals zu üppig, drastisch, gar fantasiebestückt. Dumm nur, dass der Autor in seinen, zum Teil über zehn Jahre alten Essays, die für dieses Buch unverändert übernommen wurden, genau die gleichen, vermeintlichen Fehler begeht: Von Fliegen, die besonders wohlgenährt erscheinen ist hier ebenso die Rede wie von Säuglingsärmchen, die an „japanische Essstäbe“ erinnern. Ebenso ärgerlich ist, dass Buch zwar die westlichen Versäumnisse nennt, an denen der afrikanische Kontinent noch gegenwärtig zu nagen habe, aber keinerlei Lösungsvorschläge aufzeigt. Das mutet fadenscheinig an: Er prangert die durch ominöse Poetik und pure Unwissenheit geprägten Publikationen zum Thema Afrika immer wieder an, vergisst aber sein durch zahlreiche Afrika-Auftenthalte vorhandenes Wissen für (wenn auch nur grobe) Lösungsvorschläge zu nutzen. Die formulierten Ansprüche und das fertige Essay-Produkt ergeben somit kein Ganzes. Ärgerlich ist zudem der hohe Preis, der für ein knapp 160seitiges Büchlein, das en gros aus nicht nachgebesserten Essays besteht, zu überteuert ist.
Fazit: Wer sich für den afrikanischen Kontinent interessiert und ob der all zu negativen und apokalyptischen Beschreibungen in Scholl-Latours „Afrikanischer Totenklage“ ein anderes, gleichartiges Buch sucht, wird hier fündig. Buchs Essays sind nicht so griffig, inhaltlich aber durchaus nährreich. Dennoch: Wer noch „tiefgründiger“ und komplexer bedient werden möchte, sollte in jedem Fall zu Grills „Ach, Afrika“ greifen!