Was ist das Besondere an '"Black Books"'; was ist es, das diese Serie weit aus anderen TV-Serien herausragen lässt?
Es ist in erster Linie Dylan Moran als Bernard Black. Diesem gehört eine Buchhandlung in Bloomsbury, und im Gegensatz zu der Behauptung vieler Zusammenfassungen liebt Bernard seine Bücher ebenso wenig wie seine Kunden ' -- dazu behandelt er sie zu schlecht. Überhaupt behandelt Bernard alles und jeden schlecht, auch sich selbst: Sein Geschäft mit angrenzender Wohnung gleicht in manchen Folgen der Serie mehr einem (Rot)Weinflaschengrab oder einer riesigen Zigarettenkippe als einem Verkaufsraum; seinen einzigen beiden Freunden Fran und Mannie erzählt er am liebsten, wozu sie nicht zu gebrauchen sind; er ist nihilistisch, zynisch, misanthropisch, ungepflegt und kindisch ' -- und als Zuschauerin kann ich einfach nicht genug bekommen. Nicht von seiner so verständlichen Wut auf die Welt. Nicht von seinen Bemerkungen, die sich niemals wiederholen, sondern immer aufs Neue völlig überraschend sind. Denn trotzdem ist er sympathisch. Zum einen spürt man, dass es irgendwo eine verschüttete Ecke der Gutmütigkeit in seinem Innern geben muss (die immer nur andeutungsweise hervorblinkt, ohne sich jemals wirklich zu manifestieren). Zum anderen ist er unglaublich geistreich, und seine Art, andere zu beschimpfen ist niemals banal, sondern immer voller Wortwitz. Deshalb strahlt er einen morbiden Charme aus, den Liebreiz eines, den die Welt ebenso wenig versteht wie er seinerseits die Welt versteht, was ihn eben so wütend, nihilistisch, zynisch, misanthrophisch agieren lässt (eine Frau mit einer Schwäche für unpraktische, nicht lebenstüchtige, aber kluge Eigenbrötler wird diesem Charme rasch erliegen). Und, was vielleicht das Wichtigste ist: Allzu oft sagt oder tut Bernard genau das, was man selbst sich niemals wagen würde zu tun oder zu sagen (z.B. schon in der ersten Folge, wenn er die Kunden mitten am Nachmittag mit einem Besen aus dem Laden fegt und auf ihren Protest bemerkt: '"Yes, but it's my shop."'), weil man es sich nicht mit jedem anderen verderben möchte. Bernard Blacks grantige Ehrlichkeit ist beneidenswert. Sie ist überraschend und entwaffnend. Und nicht zuletzt ist da dieser hilflose Blick aus graubraunen Augen. Und natürlich der bestechende irische Akzent.
Aber Bernard wäre nichts ohne seine Mit-/Gegenspieler Mannie und Fran. Der ehemalige Buchhalter Mannie arbeitet ab der zweiten Folge in Bernard's Buchhandlung, und ist von einer Treue und Gutmütigkeit, die ihn für Bernard schließlich unverzichtbar werden lässt. Die Serie entwickelt sich auf eine Weise, dass die beiden völlig aufeinander eingespielt und voneinander abhängig sind, da Mannie glaubt, dass Bernard ohne ihn (der u.a. für ihn kocht und putzt) nicht lebensfähig wäre, während Bernard in Mannie den einzigen Menschen gefunden hat, der bereit ist, Bernard's Launen und Tyrannei über sich ergehen zu lassen. Und Fran benötigt Bernard und Mannie mindestens so sehr, wie die beiden einander brauchen: orientierungs- und (nach einigen Folgen) arbeitslos verbringt sie ihre Tage in Bernard's Geschäft, wo sie sich u.a. als Streitschlichterin betätigt. Ihre Rolle wird im Laufe der Serie größer und interessanter, und einer der Höhepunkte ihrer Rolle ist das Treffen mit dreien ihrer Schulfreundinnen auf einem Landsitz, wo sich die vier Frauen letzten Endes völlig betrunken zerstreiten, und man erfährt, dass Fran offenbar schon immer eine Neigung zur Eigenbrötlerin hatte ' -- genau wie Bernard und Mannie. Schon in der Schule wurde sie von ihren Freundinnen "Auntie Millicent" genannt: "Auntie Millicent who lived in the crooked house. With many cats. And she had sex with all of them."
Keiner der drei Darsteller ist sich zu schade, albern zu werden ' -- teilweise bis zur Selbstentblößung.
Und schließlich lebt die Serie von den aberwitzigen Einfällen, die tatsächlich jede neue Folge zu bieten hat. Ob Bernard und Mannie gemeinsam ein Kinderbuch zu schreiben versuchen, Fran vor ihrem blinden, russischen Klavierlehrer so zittert, dass Mannie, der selbst zuvor nie gespielt hat, (wohlgemerkt:) IM Flügel liegt und an ihrer Stelle die wunderbarsten Interpretationen jeglicher Musikrichtung liefert, Bernard seinen neuen Vermieter, eine Katze, umzubringen versucht, Mannie in der Buchhandlung nebenan "fremdgeht" oder Frans Vermieter heimlich die Wände ihrer Wohnung verrückt, um daraus zwei Wohnungen zu machen, die er vermieten kann -- der Zuschauer wird immer wieder aufs Neue überrascht.
Oft fällt es den dreien, allen voran Bernard, schwer, den Laden zu verlassen, denn was hat die Welt da draußen schon zu bieten? Aber Mannie und Fran bemühen sich unermüdlich Bernard zu überzeugen:
"'Mannie: Tonight we go out.
Bernard: Why?
Mannie: Because it's Friday night.
Bernard: It was Friday night last week and it will be Friday night next week and every week untill we' are dead and even then the whole rotten business will go on and on and on."
Genau!