Nachdem ich mir voller Begeisterung das dritte Werk erschlossen –und es auch rezensiert habe-, sehe ich nun auch beim Zweitling klarer.
Es präsentiert sich ein wenig unentschlossen. Nachdem man ja jetzt weiß, wo sie sich hin entwickelt haben, muss man feststellen, dass dieses zweite Werk auch tatsächlich den Charakter eines „Zwischenschritts“ hat.
Sicher war es schwer, nur 1 Jahr nach dem Erstling wieder mit neuen Songs ins Studio zu gehen. Und in der Tat ist das Songwriting hier nicht immer auf dem Spitzenniveau, das die Truppe ansonsten zu erreichen vermag. Die ersten vier Stücke finde ich allesamt etwas – na ja – beliebig. Eingängige Melodien zwar, aber sie fesseln nicht wirklich. Mit „Marie“ ändert sich das; ab hier sind alles fantastische Songs.
Nun aber zum zweiten Kritikpunkt: Auch einige der besten Stücke leiden teilweise an der merkwürdig verwaschenen, irgendwie „auf Noise getrimmten“ Produktion. Davon gänzlich unbelastet sind für mich die Perlen „Black Air“, „Truth“ und „Simmering“ sowie das anrührende „Fever“ zum Abschluss. „Tears“ könnte ebenfalls gigantisch sein – hätte man den Track besser arrangiert und produziert; ein wenig mehr „Luft zum atmen“, halt „Transparenz“ – das wär's gewesen. Auf „Tideland“ haben sie bei „Rules of Engagement“ etwas ähnliches meiner Meinung nach in Perfektion hinbekommen.
Neben dem Soundmatsch finde ich auch, dass die Singstimme von Stephan Stanzel hier irgendwie etwas lieblos behandelt wurde – auch eine Frage der Produktion.
Da ich mittlerweile -nachdem ich mich in das dritte Album regelrecht „verliebt“ habe- immerhin 5 Stücke von „Black Air“ großartig finde und den Rest bei 3 Sternen sehe, ergibt dies im Schnitt 4.
Es freut mich ungemein, dass die Band dann 2012 -da sieht man, dass Gutes manchmal einfach Zeit braucht!- mit „Tideland“ ein absolut perfektes Album vorgelegt hat.
Für Neueinsteiger: „Fresh Kills Landfill“ zuerst, dann „Tideland“, und diese hier zuletzt anschaffen – letztlich will man sie eh alle...