Zugegeben, Richters "Blühende Landschaften" könnte einige Hamburger vor den Kopf stossen - insbesondere, wenn sie sich in einer jener Wohngemeinschaften zuhause fühlen, deren manieriertes Aufnahmeprozedur Richter so trefflich beschreibt, dass man Mühe hat, nicht vor Lachen zusammenzubrechen. Wenn man zudem noch stolzer Besitzer eines linksautomomen Plakats ist, das mit der neuerlichen Bombardierung Dresdens liebäugelt, oder etwa Hamburg wegen seiner architektonischen Errungenschaften schätzt, sei einem von Richters Buch dringend abgeraten - so man nicht über ein gebührendes Mass an Selbstironie verfügt.
Eine Eigenschaft, die auch Bewohnern anderer Städte und Anhängern anderer Weltanschauungen beim Lesen dringend anzuraten ist. Denn Richter prügelt sich in losen Essays durch die Wirren der Bundesrepublik, wenige Jahre nach der Wiedervereinigung. Dabei kommt kaum jemand ungeschoren hinweg: Dresdner, Berliner, Alt- und Neunazis, die New Economy... - vor allem aber Ost- und Westdeutsche, die sich in einem grossen absurden Missverständnis verständnislos gegenüberzustehen scheinen.
Dabei reitet "Blühende Landschaften" jedoch nicht, wie zu befürchten, auf der abflauenden Ostalgiewelle, sondern setzt da an, wo für Ostalgie kein Platz mehr ist: bei der Frage nach der Identität in einem zusammenwachsenden Land.