Nietzsche nannte Carmen die "Oper der Opern". Wenn man diese live-Aufnahme aus dem Jahre 1978 sieht und vor allem hört, ist man geneigt, ihm zuzustimmen. Die Sänger sind sensationell, die Inszenierung ist prall, bunt und voller Leben und die Musik schwelgt in feuriger Dramatik.
Doch der Reihe nach: Am Pult steht einer der ganz großen Dirigenten - Carlos Kleiber. Die Werke, die er in seiner 40jährigen Karriere dirigiert hat, sind schnell aufgezählt. Dass "Carmen" dazu gehört, ist ein echter Glücksfall. Ein weiterer Glücksfall ist, dass Kleiber und das großartige Orchester nicht im Graben verschwinden , sondern einbezogen sind in die Inszenierung. Im Licht der Scheinwerfer zelebriert Carlos Kleiber seine Dirigierkunst und es ist ein Vergnügen, ihm dabei zuzusehen.
Elena Obraztsova als Carmen braucht eine Weile, um zur feurigen Zigeunerin zu werden. Ihr voluminöser Alt gibt der eigentlich für Mezzosopran geschriebenen Rolle eine dunkle Färbung, die am eindringlichsten im berühmten Karten-Terzett wirkt, wenn Carmen ihren Tod vorhersagt.
Einen brillianten Don José gibt Placido Domingo, ohne dass man ihm eine Anstrengung anmerken würde. Für die Blumen-Arie gibt es vom Wiener Publikum verdienten und lang anhaltenden Applaus.
Besonders hervorzuheben ist Isobel Buchanan als Micaela. Ihre wunderschöne klare Sopranstimme erzeugt vor allem im 1. Akt, im Duett "Parle-moi de ma mère" Gänsehaut.
Die Inszenierung ist an Aufwand kaum mehr zu überbieten. Franco Zeffirelli füllt die wahrlich nicht kleine Bühne der Wieder Staatsoper bis zum letzten Platz mit farbenfroh gekleidetem Volk, Stierkämpfern, Flamenco-Tänzern und einigen Pferden. Waren das noch Zeiten, als Opern sich so etwas leisten konnten und wollten!
Für Opernliebhaber und alle, die es werden wollen, ist diese DVD uneingeschränkt zu empfehlen.