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Die Handlung gliedert sich in vier Akten, in denen nach einer mitreißend schmissigen und sehr melodischen Ouvertüre folgendes passiert:
1. Akt
Sevilla und Umgebung, um 1820...
Das Waisenmädchen vom Lande, Micaela, und der brave Soldat Don José sind zusammen bei Josés Mutter aufgewachsen; sie lieben sich. Sie besucht ihn in der Stadt , aber José ist noch nicht zum Dienst erschienen. Daher will sie später noch einmal vorbeisehen. Unterdessen erscheint José mit dem neuen Offizier Zuniga, der sich für die Tabakarbeiterinnen interessiert, die in der Arbeitspause gern mit Männern herumflirten. Die Zigeunerin Carmen ist eine von ihnen, und sie verdreht José gründlich den Kopf. Als Micaela wiederkommt, überbringt sie José den Wunsch seiner Mutter: Micaela und er mögen doch heiraten. Von Carmen noch verwirrt, scheint José zunächst erleichtert. Aber es ist bereits zu spät; Carmen hat in der Fabrik eine Schlägerei angezettelt, und José muss sie verhaften. Carmen umgarnt erneut den faszinierten José und verleitet ihn mit Liebesversprechungen zur Fluchthilfe.
2. Akt
In der Kneipe von Lillas Pastia unterhält Carmen mit einigen Freundinnen den Leutnant Zuniga. Von ihm erfährt Carmen, dass José wegen ihrer Flucht mit Gefängnis bestraft wurde. Mit großem Trara lässt sich Torero Escamillo feiern, der ebenfalls ein Auge auf Carmen geworfen hat. Wegen des erwarteten Besuchs einiger Schmuggler-Führer komplimentiert Lillas Pastia die Gäste hinaus. Die Schmuggler erscheinen und besprechen mit den Frauen ihre Pläne. Carmen jedoch will nicht mitmachen, weil sie auf ihren José wartet, in den sie sich verliebt hat. Die Schmuggler verstehen das nicht. Doch als José kommt, lassen sie ihn und Carmen allein. Carmen tanzt für ihn, doch ihn ruft seine militärische Pflicht. Carmen ist zutiefst gekränkt. Da José anscheinend der Dienst wichtiger ist als ihr Versprechen von Liebe und Freiheit, will sie auf ihn verzichten. Da tritt Zuniga auf und beleidigt José, der ihn aus verletztem Stolz zum Kampf herausfordert. Die Schmuggler überwältigen Zuniga. Aber für José ist die Rückkehr in sein geordnetes Leben nun verbaut.
3. Akt
José schließt sich der Schmuggler-Bande an und plagt Carmen fortan mit seiner Eifersucht. Mehr und mehr wendet sie sich von ihm ab, zumal sie in den Karten ihren Tod voraussieht. Die Schmuggler rufen die Frauen, die die Zöllner ablenken sollen, zum Aufbruch. José bleibt zurück, um die Waren zu bewachen. Micaela findet José. Sie muss sich verstecken, als Escamillo erscheint, der nach Carmen sucht. Zwischen José und Escamillo kommt es aus Eifersucht zum Zweikampf . Carmen greift ein und rettet Escamillos Leben, der protzig alle zu seinem nächsten Stierkampf einläd. Micaela wird in ihrem Versteck entdeckt. Vergeblich versucht sie, José zur Rückkehr zu bewegen. Erst als José erfährt, dass seine Mutter im Sterben liegt, ist er bereit, Micaela zu folgen, begleitet vom Spott Carmens.
4. Akt
Volksfest-Stimmung! - Mit Pomp und umjubelt erscheint Escamillo mit Carmen, die längst seine Geliebte geworden ist, zum Stierkampf. Carmen wird von ihren Freundinnen gewarnt, dass José in der Stadt ist, der immer noch hofft, mit ihr ein neues Leben beginnen zu können. Carmen ist dazu schon lange nicht mehr bereit, als sie unvermittelt auf Josè trifft. Fern in der Arena tobt der Stierkampf, während der Streit Streit zwischen Carmen und José dramatisch eskaliert. Im selben Augenblick, als Escamillo den Stier bezwingt, tötet der verzweifelte José die stolze, von Todesahnung erfüllte Carmen.
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Ich kenne keine Oper, deren zahllose Inszenierungen sich geradezu traditionell fast ausschließlich auf die Charakterisierung der Hauptfigur konzentrieren wie bei Carmen. Die anderen Figuren müssen nur anwesend sein und möglichst gut ihren Part singen, dürfen mal traurig, flehend oder sonstwie dreinschauen, - aber damit hat es sich. - Diese Aufführung von 1991 macht da keine Ausnahme. - Der äußere Rahmen ist konservativ, angemessen, glaubhaft. Zubin Metha führt das Orchester von Covent Garden straff, übertönt kaum mal die Sänger, ist aber auch nicht immer gerade eine große Stütze der Stimmen. Dafür zeichnet er schöne durchgehend weite Melodiebögen, die selbst Zweiflern vielleicht suggerieren, dass der Georges Bizet doch wunderschöne Musik zu schreiben verstand. Alles in allem möge dies als Lob verstanden werden.
Die spanische Regisseurin Nuria Espert legt Wert auf ein detailgetreues Umfeld. So bleiben uns unnatürlich protzige, an Karneval erinnernde Garderoben diesmal zum Glück erspart. Und für die Flamenco-Choreographie wurde mit Christina Hoyos eine echte Kennerin engagiert.
Der Tenor Luis Lima als Don José tut sein Bestes, was stimmlich leider nicht immer ausreichend ist. Darstellerisch beschränkt er sich auf die übliche sparsame Opern-Gestik und -Mimik. Von einer Rollen-Charakterisierung zu sprechen, verbietet sich somit.
Die Sopranistin Leontina Vaduva als Micaela bietet stimmlich eine sehr erfreuliche Leistung, zeigt gestalterisch aber zu wenig. Ähnliches gilt für den stolzen Torero Escamillo des bekannten Baritons Gino Quilico, der lediglich routiniert seinen Part erledigt. - Ausgesprochen positiv sind nahezu alle kleinen und kleinsten Rollen hervorzuheben. Da blitzen immer wieder wunderschöne Augenblicke gelebten Musiktheaters auf. Man fragt sich, ob sich die Akteure dieser kleinen Rollen von der Regisseurin williger zu ausgeprägter Rollendarstellung leiten ließen als die drei erwähnten „Stars".
Ach ja, da gibt es noch die Rolle der Carmen, gespielt, gesungen, gelebt von Maria Ewing. Dieser Bericht wäre ohne Maria Ewing nie geschrieben worden, und wahrscheinlich wäre ohne sie die ganze DVD nie im Handel erschienen. Ein intensives Rollenstudium, gepaart mit extrem empathischem Rollenverständnis und der Fähigkeit, dieses innere Erleben dosiert expressiv auf der Bühne zu demonstrieren, erzeugt geradezu Krimi-Spannung durch das bloße Agieren dieser Carmen. -
Die Ewing fesselt derart, dass sich die Pupillen und Ohren nur auf sie konzentrieren; würde das Bühnenbild heimlich weggeblendet, vielleicht würden es viele Zuschauer gar nicht bemerken...
Ein starkes Spannungs-Element liegt darin, dass diese Carmen wie ein menschlicher Vulkan jeden Augenblick auszubrechen droht, - aber genau das geschieht nicht. Die flatterhafte Zigeunerin nimmt stattdessen immer mehr tragische Züge an bis hin zu ihrem Tod. Der ist nicht allein das Werk des verzweifelten Don José, sondern auch ein Hauch von Suizid einer innerlich orientierungslosen, ebenfalls verzweifelten, aber ungebrochen stolzen Carmen. Bravo, bravissimo, Maria Ewing für diese großartige darstellerische Leistung. Ihre Stimme beherrscht natürlich mühelos die Anforderungen der Partitur, dennoch legt sie es nicht auf Schöngesang an, sondern ordnet auch den stimmlichen Ausdruck ganz der Rollendarstellung unter.
Muss der Opernfreund diese DVD besitzen? - Nicht unbedingt, aber diese Carmen der Maria Ewing sollte er erlebt haben...
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