Diese Carmenaufführung ist unglaublich großartig. Ich habe sie schon im Cineplexx-Kino bei der Direktübertrag der MET gesehen und war hingerissen.
Die Garanca ist eine der besten, wenn nicht die beste Carmen, die ich je gesehen habe, sowohl, was die gesangliche Leistung, als auch was ihr Spiel betrifft. Sie hat nicht nur eine fantastische Stimme, sondern ist auch eine grandiose Schauspielerin. Wenn man bedenkt, dass sie aus Lettland stammt, also aus einem Land kommt, in dem, wie ich vermute, die Leidenschaft nicht zu den Hauptmerkmalen der Bevölkerung zählt, ist das für mich wie ein Wunder.
Und den Alagna mag ich sowieso, auch wegen seines enormen Einsatzes, mit dem er seine Rollen gestaltet. Er scheint mir am Anfang nicht so bei Stimme zu sein, steigert sich aber im Laufe der Vorstellung und ist vor allem auch im Spiel ein grandioser Don José.
Teddy Tahu Rhodes ist als Escamillio eingesprungen, er hat erst drei Stunden vor der Aufführung von seinem Glück erfahren. Es war sein MET-Debut und er war sehr sehr gut. Sang wunderbar und passte ausgezeichnet in die Rolle.
Und die Michaela der Frittoli ist sehr innig, sie singt sehr schön und stellt die Figur auch sehr glaubhaft dar.
Alle anderen Protagonisten sind ebenfalls sehr gut, es tut sich was auf der Bühne und das Auge kann sich wieder einmal erfreuen. Die Inszenierung ist endlich wieder einmal nicht nur 'normal', sondern auch optisch sehr sehr schön und fanatsievoll. Viele Menschen auf der Bühne in einem sehr dynamischen quirligen Spiel.
Was mir auch sehr gefällt, sind zwei Pas de deux am Anfang nach der Ouvertüre und vor dem dritten Akt mit einem wunderbar harmonisches Tänzerpaar.
Das Schlussduett, das ich ja zu den besten und dramatischsten Opernszenen zähle, die je komponiert wurden, war so dramatisch und berührend gesungen und gespielt, dass mir die Tränen kamen, was mir bei Carmen selten geschieht.
Resümee: Ein grandioser Opernabend, der alle Sinne anspricht und die Seele bereichert. Eine DVD, die in keiner Sammlung des wahrens Opernfreundes fehlen sollte.