Um es vorweg zu nehmen: Ich fand beide vorigen Alben ("Autobiography" & "I Am Me") sehr gut, besitze sogar zusätzlich die japanischen Versionen und gehörte nie zu den Personen, die Ashlee Simpson fehlendes Talent unterstellten. Mit meiner Band haben wir sogar ein Song von ihr gecovert und öfter live gespielt. Ich kann mich somit auch als "Fan" bezeichnen.
Aber im Gegensatz zu anderen Rezensenten kann ich "Bittersweet World" überhaupt nicht loben.
Dabei geht es mir nicht darum zu sagen "Bittersweet World" sei ein schlechtes Album. Es mag ein großartiges Funk-Album sein, ein Top-Album der fetten Beats, ein Hit-Album der Dancecharts, aber eines ist es so gar nicht: Vergleichbar mit den Vorgängern.
Simpson vollzog einen totalen Stilwechsel von einem auf's andere Album. Würde ich ihre ersten beiden Alben als "rockig" bezeichnen, so ist "Bittersweet World" ein Ausflug in die Pop/Funk/Dance-Welt.
Wer Kracher wie "Lala" erwartet hatte, oder zumindest eingängige Rock/Pop-Songs wie "Pieces Of Me", der wird gänzlich enttäuscht. Die Gitarren wurden gegen Synthesizer ausgetauscht und das Schlagzeug gegen Beats eines Computers. Einzig annähernd an alte Zeiten kommt "Little Miss Obsessive" heran.
Um mal mein Gefühl auszudrücken und es bildlich zu machen: Es wäre fast so, als würde AC/DC plötzlich hauptsächlich Keyboards benutzen.
Dabei vergleiche ich nicht AC/DC musikalisch mit Simspon, sondern es geht um die Erwartung die ich hatte: Bei AC/DC weiß man was den Hörer erwartet. Bei Simpson erwartete ich ein Album wie ihre ersten beiden, doch der von Ashlee Simpson vollzogene Stilwechsel war so gravierend, als würde man zwischen dem ältesten und neuesten Madonna-Album alle anderen von 1984 bis 2005 so behandeln, als wären sie nie veröffentlicht worden.
Deshalb zwei Sterne.
Es mag 4 oder 5 Sterne als Pop/Funk/Dance-Album verdienen, aber mich als "alten" Ashlee Simpson (Rock-)Fan hat es total enttäuscht.