Monika Wegscheider, geboren 1955, legt mit "Bittersüße Fühlgedichte" ihren Debütband vor. Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt:
Liebe/Heiter/Haiku/Gedanken/Mundart.
Im ersten Teil wird die Erfahrung der Liebe in zarten Bildern sinnlich beschrieben. Eros und Erotik, das "Du" in den Räumen und Zwischenräumen wird mit der Hand, dem Mund, allen Sinnen erfahren, beschrieben in zarten Wortnetzen:
"So leicht und weich / wie eine Feder / beschreibt Wegscheider
das Verlangen, die Sehnsucht: "wie damals / als wir die Zärtlichkeit erfanden / Wir legten uns in sie / als wären wir / aus einem Guss."
Die Sprache ist es weitgehend, aus einem Guss, einer Form, lässt einen eigenen Stil erkennen, der Zeilenbruch nicht willkürlich, die Sprache klar, nicht hermetisch, Inhalt und Struktur, eingängig, leicht, gekonnt wird der lyrische Faden gesponnen, das Netz um den Leser gelegt.
Das Reich des Empfindens: "es hebt sich und senkt sich / im Rhythmus der Lust / wie Brüste / und Leiber"
Jedoch auch hier wird bereits über den erotischen Augenblick gefühlt und gedacht:
"Dein Lächeln / ich wollte es fangen / spannte Netze / ins Nichts"
Bereits im ersten Teil wird deutlich, dass es nicht bei der "Liebe" bleiben wird. Schon kommt die "Angst" ins Spiel,
nennt sich "Schwarzer Vogel", der an Ludwig Hirsch erinnert, der hier zum "Vögelchen" wird. "Und wieder floh die Nacht / mir viel zu früh."
Es ist Lyrik, die in sanften Worten zu den bekannten Ergebnissen kommt, die nicht nur in Wien die Runde machen.Wegscheider führt uns sensibel und vorsichtig in diese Zone, beschreibt ihre eigene Unsicherheit, wenn sie spürt, dass die Lust enden, die Nacht kommen wird, die nicht mehr gefühlt werden kann. Sie weiß, dass die Erotik nicht die Lösung, nicht die Erklärung der menschenlichen Frage sein wird, dass uns dennoch keine bessere Anwort bleibt.
Die alten Themen der Lyrik von Liebe und Vergänglichkeit werden hier gekonnt verarbeitet, nicht nur verwendet, wirklich gefühlt und glaubhaft erneuert. Dass sich die Themen nicht ändern, können wir der Autorin nicht vorwerfen. Dass sie die Themen frisch, stilsicher und glaubhaft lebendig beschreibt, dafür müssen wir sie loben.
Fazit: Monika Wegscheider hat einen beachtlichen, sprachlich ausgefeilten Erstling, eine "reife Leistung" geliefert. Hier spricht die Erfahrung und das Gefühl vieler Gefühle und Erfahrungen. Hier spricht eine Frau von ihrem Sein, ein Mensch von seinen Sehnsüchten und Ängsten. Hier wird gefühlt, bitter und süß, werden wir eingesponnen in Erlebtes zwischen Lust und Sehnsucht, Sein und Vergänglichkeit. Hier wird nicht mit Gefühlen gemogelt, wird ehrlich "mit Worten gemalt". Hier schreibt eine Frau leichte, sprachlich gekonnte Gedichte, eine Frau, die von den Härten des Daseins weiß, schreibt spinnennetztfeine Gebilde, entfacht einen "Reigen der Poesie", reif, sprachlich stilsicher. Hier wollen wir hoffen, dass es nicht bei diesem Erstling bleibt. Hier hoffen wir, dass der "Sensenmann" noch etwas wartet und es weiter geht, weiter
mit den sprachlichen Spinnennetzen, vielleicht mit Ängsten und Sehnsüchten, jedenfalls weiter. Das wollen wir uns und der Autorin wünschen.