Mina Harker hat sich auf ihrem zweiten Album im Vergleich zum bereits sehr starken Debüt nocheinmal ordentlich gesteigert. Die komplett auf Deutsch gesungenen Titel haben Druck und gehen unter die Haut, der elektronische Anteil ist etwas höher, was die Gitarreneinsätze dann umso prägnanter hervorstechen lässt. Eigentlich hat jeder Song Hit- und Ohrwurmqualitäten und Titel, wie das süchtig machende Titelstück, das lasziv-rockige "Rache ist süß" oder das zerbrechliche "Nackt" fesseln einen von Anfang an. Mina selbst präsentiert sich auch stimmlich noch einmal deutlich gereift und spielt geschickt mit einer ganzen Palette an Emotionen... von Lolitahaft-sexy, über erfahren-lasziv, bis hin zu jugendlich-ungestüm. Es ist echt schwierig, sich davon nicht mitreißen zu lassen. Mina zeigt, dass moderne, deutschsprachige Popmusik mit Tiefgang und Ecken und Kanten funktioniert, ohne in irgendeins der üblichen Klischee-Bilder (Schlager, Teenie-Rebellen-Rock oder Neue Deutsche Härte) zu verfallen. Ach ja, eine ziemlich nette Bonus CD gibt es auch noch dazu. Der Titelsong ist u.a. darauf auch noch einmal auf polnisch vorhanden... und klingt auch in dieser fremden Sprache extrem verführerisch. Auch die Remixe und Bonustitel überzeugen vollends. Bittersüß platziert sich perfekt irgendwo zwischen Unheilig (mit einer verführerischen, weiblichen Note), Silbermond (nur längst nicht so kindisch) und Depeche Mode (tolle elektronische Arrangements kann Mina nämlich auch). Ein echter Geheimtipp, der jetzt, nach den Konzerten mit Unheilig wohl nicht mehr lange einer bleiben wird. So muss deutscher Alternative Pop klingen!