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Produktinformation
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Ganz unbeschwert fließt da ein pikanter Krimi aus begabter und schon ausgezeichneter Feder. Sujata Massey, Deutsch-Inderin, hat selbst mehrere Jahre in Japan gelebt; und so wundert es nicht, dass ihr Roman so anschaulich, detailreich und überzeugend atmosphärisch ist. Wer auch nur ein wenig Interesse an asiatischem Flair und fernöstlichem Leben hat, der kommt hier voll auf seine Kosten. "In Japan gibt man kein Trinkgeld", "In Japan hört man auf die ältere Generation" oder "In Japan ist ein Autounfall die wahrscheinlichste Art vorzeitigen Ablebens": japanische Landeskunde im Krimimäntelchen.
"Vermutlich ist der Täter ein Ikebana-Künstler", denkt die attraktive Rei, die mit sicherem Instinkt und sympathisch beharrlichem Dickkopf natürlich selbst auf kriminalistische Recherche geht. Spurensuche nach einem Mörder, der sich Mühe mit Details macht: Ikebana beruht "auf der Kunst des Details". Und genauso kunstvoll wie japanische Blumengestecke ist der spannende, flotte, vor Gefühlen prickelnde Krimi angelegt. Clevere Story, pfiffig geschrieben, raffiniert komponiert. Und so ist es sicher kein Zufall, dass der Titel sich bitterer Mandelblüten statt lieblicher Kirschblüten bedient. --Barbara Wegmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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So ganz kann sie ihre mütterlich amerikanischen Wurzeln jedoch nicht abstreiten und ihre Tante Norie versucht alles, aus ihr mehr und mehr eine Japanerin zu machen. Aus diesem Grund hat sie ihr in der berühmtesten Ikebana-Schule, der Kayama-Schule, einen sündteuren Blumensteckkurs spendiert.
Die Zeit der Kirschblüte ist gekommen. Doch das Arrangieren der Zweige wird unwichtig, als die alles beherrschende Lehrerin Frau Sakura mit einer Blumenschere im Hals erstochen aufgefunden wird. Jeder im Haus Anwesende, Lehrer, wie Schüler, kann für diese Tat verantwortlich sein.
Bei einer Ikebanaausstellung wird Rei plötzlich übel. Sie erbricht, klappt zusammen und landet im Krankenhaus. Ihr Tee war mit Arsen vergiftet. War es jemand vom Lehrpersonal? Etwa Takeo Kayama, der Erbe der Schule, der ein auffälliges Interesse an Rei zeigt und auf sie durchaus anziehend wirkt? Oder war es einer der militanten Schulgegner, denen die Pflanzenzucht unter Pestizideinsatz ein Dorn im Auge ist? Könnte es auch eine Frau aus der Verwandtschaft sein, die verhindern will, dass die Schatten der Vergangenheit sie einholen? Vielleicht sogar die eigene Tante, die sich so sorgsam um die angeschlagene Rei Shimura kümmert?
Irgendwer, der Böses im Schilde führt, schiebt Kuverts mit Haikus unter der Wohnungstür durch. Gedichte, bestehend aus drei Zeilen mit fünf, sieben und noch Mal fünf Silben, enthalten unmissverständliche Drohungen. Wer ist der Täter unter bitteren Mandelblüten?
Sujata Massay, die bezaubernde Schriftstellerin mit deutschen und indischen Wurzeln, die, genau wie ihre Protagonistin, Jahre in den USA und Japan gelebt hat, zeichnet in faszinierend exotischem Ambiente das Leben einer jungen Frau, die ihr Leben nach verschiedenen Traditionen gestalten muss. Die Probleme, die sich daraus ergeben, mischen sich mit der fernöstlichen Gespaltenheit eines Landes, dass nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch aus dem Mittelalter in die High-Tech-Gegenwart gerissen wurde.
Anfänglich fühlt sich der Leser, des von Sonja Hauser aus dem Amerikanischen übersetzten Krimis, ein wenig durch die ungewohnten japanischen Namen überfordert, lernt aber bald durch die skurrile Zeichnung der persönlichen Eigenheiten die Identifikation mit den handelnden Personen aus zwei Kulturkreisen. Besonders bei der Beobachtung des japanischen Alltags lässt Frau Massey eine gehörige Portion Witz aufblitzen. Fast könnte man meinen, in diesem Krimi kämen nur schräge Vögel vor, aber je länger die Handlung dauert, um so besser erkennt der Leser, das dies in der Eigenart japanischen Denkens liegt und sich die Spannung auf Grund der landesspezifischen Lebensumstände völlig anders entwickelt.
"Bittere Mandelblüten" war für mich seit Langem wieder ein Buch, das ich in einem Zug lesen musste. Die Spannungselemente halten sich zwar in Grenzen, aber die Neugier, hervorgerufen durch den Umstand, dass Alles und Jeder verdächtig ist, lässt den Leser mit der sympathischen Miss Marple Junior asiatischer Prägung mitfiebern.
Daher eine klare Leseempfehlung für all jene Krimifans, die Freude an Tatorten finden, die gekennzeichnet sind von fremden Ländern und fremden Sitten. Zu dieser Krimireise nach Japan kann man nur sagen: "dõzo ki wo tsukéte!" (Viel Vergnügen).
Wolfgang Weninger
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