gibt es hier alle naselang zu sehen, allerdings schön züchtig verpackt:-)
Als der erste Trailer von "Bitch Slap" Ende 2008 durchs Internet geisterte, glaubte man an eine moderne Wiederauferstehung des gepflegten Russ-Meyer-Filmes, dessen eindimensionalen, aber starken Teufelsweiber dem ungekonnt dargestellten kümmerlichen männlichen Geschlecht mit viel brachialem Hau-Drauf die Krone der menschlichen Schöpfung abspenstig machten - natürlich mit viel Körpereinsatz und nackten Tatsachen. Damals galt: Wer die grösste Körbchengrösse sein Eigen nannte, kam, sah, und brachte nicht nur im Zweifelsfall alle (Männer) um - und aus die Maus.
Bitch Slap folgt tatasächlich einigen Gesetzmässigkeiten des Russ-Meyer-Films, wirft Regisseur Rick Jacobson doch drei ungleiche Protagonistinnen mit den richtigen körperlichen Vorzügen in ein zunächst simpel erscheinendes Wüstensetting. Da wäre zum einen die toughe, atlethische Camero, stets eingeölt und immer kurz davor jemand anderen totzuschlagen, dann noch die naiv-dümmliche Stripperin Trixie, engelsgleich und sehr dürftig bekleidet, und last, but not least, das hübsche Köpfchen der Truppe genannt Hel - eine elegante, im zugegebenermaßen recht knappen Businessdress, dominante Erscheinung: Und die hat den Plan, dem die beiden anderen zu folgen haben, denn es geht um Diamanten im Wert von 200 Millionen Dollar...was natürlich nicht so ganz klappt, wie der Verlauf des Films zeigen wird. Es kommt zu Schlägereien, Schiessereien, Explosionen, Showdowns, Catfights, Intrigen, Agenten-Kappes, und, und, und.
Und damit fangen auch einige inszenatorische Probleme an. Zum einen bewegt sich die Haupthandlung von Anfang an keinen Meter weg vom Ausgangsetting (Wüstenhütte), Langeweile droht - und die Nebenhandlungsstränge, die nach und nach die Situation des Hauptstranges aufschlüsseln sollen, sind derart mit Storyelementen überladen, dass der Film nicht selten droht, unter dieser Last zusammenzubrechen. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Style over Substance hätte es in diesem Fall sein sollen, aber obwohl sehr stylisch, in seiner Umsetzung teilweise an eine preiswerte Variante von bildtechnisch veränderten Versatzstücken von "Sin City" und "The Spirit" erinnerden Flashbacks, werden eben diese mit Tonnen von Information vollgepackt, die manchmal schon den Blick aufs wesentliche verschleiern - nämlich den Brüsten.
Da werden unzählige, zugegebenermassen durchgeknallte Charaktere eingeführt, teilweise gespielt von einigen bekannten Gesichtern: Kevin Sorbo, Michael Hurst, Renee O`Connor und Lucy Lawless. Richtig: Bekannt aus Herkules und Xena. Und warum tummeln die sich da herum? Weil unser Regisseur aus der TV-Branche kommt, und damals bei einigen Folgen der genannten Serien Regie führte. Man kennt sich halt:-) Aber ich schweife etwas ab...die Masse an Charakteren nimmt Überhand. Die Hälfte weniger hätte es auch getan. Als Zuseher muss man während dieser Sequenzen aufmerksam zusehen, und eben nicht auf die entsprechend präsentierten Auslagen der holden Weiblichkeit achten. Doof nur, dass der geneigte Zuschauer nicht mit "unnützem Storyballast" gedängelt werden will, also zieht Jacobson zwischendurch den hormonellen Afterburner durch, und zeigt in feinster Slo-Mo-Videoclipästhetik ohne Sinn und Zweck wie sich beispielsweise unsere drei Protagonistinnen in der Wüste mit einem nicht enden wollenden Wasservorrat aus einem Eimer die Klamotten nassmachen, ohne das jemals nur ein Nippel ansatzweise durch den triefenden Stoff zu sehen ist. Und damit heisst es "Rohr krepiert". Im ganzen Film gibt es keine einzige nackte Brust. Bamm! Das war's. Es wird geteast, was das Zeug hält - teilweise mit vielen Fetischen gespielt (High Heels, Latex...) aber somit verfehlt "Bitch Slap" natürlich sein Hauptziel, nämlich einen moderne Russ-Meyer-Verfilmung zu sein, die klappt nur mit blankem Busen. Schade!
Na, wenigstens gibt es Action, die teilweise recht effektiv in Szene gesetzt wird. Für das Budget vollkommen in Ordnung.Die schauspielerische Lesitung reicht von unterirdisch bis grundsolide. Zum Glück befinden sich die drei Schauspielerinnen der Hauptfiguren in letztgenannter Kategorie und kommen vor allem sympathisch rüber. Da gibt es Bonuspunkte.
UPDATE: Die deutsche Blu-ray
Ein knackscharfes Bild, schöne Farben, gute Kontrastwerte. Da gibt es nichts zu meckern. Lediglich die budgetbedingt nichts so tollen CGI-Backgroundplates und -Effekte fallen etwas aus dem Rahmen, und sind gerade in Full-HD stetes als solche erkennbar. Das gehört aber zum Film, und man gewöhnt sich schnell an den rehct eigenen Look. Die deutsche Synchronisation (und das dazugehörige Drehbuch) ist erstaunlich gut geworden, und kann sich durchaus neben der Originalfassung hören lassen. Hier wurden mal nicht Die Hausmeistersöhne - und Töchter für ein paar Euro angeheuert, sondern Profis. Die Abmischung ist sehr solide und differnziert, Stimmen lassen sich gut verstehen, Explosionen und Ballereien: Gutes Ka-Wumm!
Besondere Erwähnung findet die Extra-Ausstattung. Bitch Slap kommt zusammen mit einer spielfilmlangen Doku über die Produktion, die sehr interessant daherkommt. Unbedingt anschauen. Hinzu kommen noch einige andere Features, wie Trailer und Deleted Scenes. Lobenswert von Splendid.
Die deutsche Version beinhaltet den "R-rated" Cut und ist demnach ungeschnitten (bis auf zwei kleine Tonzensuren auf der deutschen Spur, in denen es um Genickbrüche und den einhergehenden Knacken geht - aber das lässt sich wirklich verschmerzen).
Es gibt eine "Unrated" Version in den USA (nur auf DVD erhältlich), die allerdings ebenso vernachlässigbar ist. Auch hier keine "Nudity" oder mehr Gewalt, sondern ein paar storytechnische Beilagen.
Fazit: Trotz der teils verwirrenden, überladenen Story und keinerlei nackten Tatsachen ein solider Film, der von den optischen Vorzügen der drei Furien lebt und einige visuelle Spielereien und recht ansehnliche Action zu bieten hat. Kein Kultfilm, aber in dieser Form ziemlich einzigartig. Mit mehr nackter Haut und weniger Komplexität hätte man "die Latte durchaus höherlegen können" :-)
Vielleicht beim nächsten Mal. Soll ja angeblich eine Trilogie werden...
Bitch Slap ist aufjedenfall weit entfernt von dem üblichen Direct-to-Video-Mist, dafür ist er schon einmal viel zu edel in Szene gesetzt.