James Shapiro hat mit seinem hier vorliegenden Werk den Versuch unternommen, die Geschichte der Passionsspiele darzustellen. Den Schwerpunkt setzt der dabei auf die letzten 70 Jahre, wobei ihm viel daran gelegen ist, die Problemtatik Antisemitismus und Passionsspiele in Oberammergau zu untersuchen. Dieser Versuch von Shapiro ist nur teilweise geglückt, da er offenbar nicht ausreichend recherchiert hat. Gerade in der Darstellung der Geschichte des Passionsspiels im Dritten Reich und in den Nachkriegsjahren unterliefen ihm etliche schwerwiegende Fehler. Er unternimmt den Versuch, die Geschichte des Dritten Reichs in Oberammergau zu schildern, doch gerade hier hat er Quellen falsch zitiert bzw. sich auf unsichere mündliche Aussagen verlassen. So setzt er zum Beispiel die Zahl der NSDAP-Mitglieder in Oberammergau mit der Zahl der Mitwirkenden bei den Passionsspielen in Relation, wodurch ein hoher Prozentsatz an Parteigenossen in Oberammergau zu erkennen wäre. Es bleibt schleierhaft, wieso er diese Mitgliederzahl nicht mit der Zahl der Einwohner verglichen hat, was naheliegender und sinnvoller gewesen wäre. Immerhin standen damals 2500 Einwohnern nur knapp 800 Mitwirkende gegenüber. Aus diesen Zahlen zu konstruieren, die Bevölkerung Oberammergaus wäre besonders nationalsozialistisch eingestellt gewesen, ist nicht stimmig. Völlig unzureichend ist auch die Untersuchung der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Oberammergau. Er konzentriert sich hier nur auf einen Fall, den des Juden Max Peter Meyer, und präsentiert hier noch dazu falsche Tatsachen. Das Anliegen, das James Shapiro mit diesem Buch verwirklichen wollte, nämlich auf die Problematik des Antisemitismus im Oberammergauer Passionsspiel hinzuweisen, leidet unter den zum Teil falschen Ergebnissen, zu denen er aufgrund mangelnder Recherche kommt. An dieser Stelle sei hingewiesen, daß es mittlerweile eine wissenschaftliche Veröffentlichung zur Geschichte Oberammergaus im Dritten Reich gibt, die diese Phase der Geschichte des Passionsspiels umfangreich schildert: Ludwig Utschneider: Oberammergau im Dritten Reich. Oberammergau 2000. (ISBN 3-9807212-0-5)