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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Liebes(ge)schwüre im Wald, 22. November 2009
Wieder der gleiche Aufbau: Im Prolog befindet sich Bella wieder mal in Lebensgefahr und stirbt sicher gleich ja sie ist sich absolut sicher, total, unbedingt. Gleich machts rumms und Bella ist tot. Das soll einen kleinen Spannungsrahmen setzen, der bis zur Schlusssequenz des Buches tragen soll. Das hat ja schon in Twighlight Bis(s) zum Morgengrauen nicht funktioniert, aber wie heißt es so schön: never change a winning team.
Aber was für einen Schock muss sich der Leser gegenübersehen, wenn er die ersten 150 Seiten selbstmitleidiges Gefasel überstanden hat: Bella kann nicht glauben, dass Edward sie liebt. Dann sorgt sie sich, sie könne sich wirklich sorgen, er könne mit ihr Schluss machen und schließlich sorgt sie sich wirklich, dass er Schluss macht. Ja, Bella zieht sogar Beweisstücke hinzu: Fotos nämlich, auf denen Edward total unbegeistert aussieht.
Ich weiß ja nicht, wie oft ihr findet, dass ihr auf Fotos scheiße ausseht der Gesichtsausdruck nicht passt oder euch dabei ein Rotzpopel aus der Nase hängt. Jedenfalls macht man sich keine Sorgen darüber, wenn ein Schnappschuss mal nicht sitzt. Man glaubt weder sofort an die Notwendigkeit einer Schönheitsoperation, noch, dass man wohl eine ansteckende tödliche Krankheit mit sich herumträgt. Warum auch ist ja nur ein Foto.
Aber nein! Bella hat ja recht: Ihr engelhafter, geduldiger und alles aushaltender Edward, dem sie ewige, unendliche, absolut unbedingte, stetig andauernde und überaus echte und tiefstgründige Liebe geschworen hat (und der diese Liebeschwüre ja auch erwidert hat ), eben dieser Edward macht tatsächlich Schluss. Unfassbar, da hätte man sich das ganze erste Buch sparen können. Aber halt: Vielleicht gab es ja einen gewichtigen Grund dafür, richtig, die ungeschickte Bella schneidet sich an einem Fitzelchen Geschenkpapier.
Die Konsequenzen aus dieser Trampeligkeit sind klar: Edwards Familie wird vom lecker-süßen Blutgeruch und ihrem eigenen festen Codex, niemals auch nur ein Schlückelchen zu süffeln, zermalmt und durch Schuldgefühle erdrückt. Nicht jeder hat sich so gut unter Kontrolle wie das Schätzchen Edward. Am nächsten Morgen ist Bella allein. Edward hat tatsächlich Schluss gemacht endlich, darauf wartet der Leser ja schließlich schon über 100 Seiten. Wenn dieser Weichspülvampir aus dem Weg ist, vielleicht gehts ja jetzt mal endlich zur Sache (biss)chen Blut, (biss)chen Gewalt, (biss)*chen Sex?**
Nein, Enttäuschung auf der ganzen Linie! Bella kann es erst mal fast fünfzig Seiten nicht fassen, dass Edward tatsächlich Schluss gemacht hat. Ein wenig obsessiv die Gute, denkt man sich und wünscht sich, sie nähme den Ratschlag ihres Vaters an, endlich mal `nen Psychiater zu besuchen. Stattdessen vegetiert sie dahin.
Dann aber freundet sie sich mit Jacob Black an. Er ist jünger als sie und läuft ihr nach wie ein Hündchen klar, dass aus dem ein Werwolf werden muss. Sie macht stattdessen lieber Extremsport Motorrad fahren auf nassen Pisten ohne Helm, Klippenspringen und Orientierungswanderungen abseits der Wege.
Wieder erinnert man sich an den ersten Teil: Wieso passiert Bella hier nichts? Die kann sich doch noch nicht `mal die Schnürsenkel binden, ohne sich selbst zu strangulieren? Egal, das Motiv der Ungeschicktheit wird einfach im Laufe des Buchs immer mehr fallen gelassen außer dann, wenn man es halt braucht.
Bellas Extremsport -Anfälle haben auch einen Grund. Sie bildet sich ein, immer dann Edwards Stimme zu hören, wenn sie gerade dabei ist, sich mal wieder den Hals zu brechen. Eine wirklich selbst zerstörerische Art und Weise, jemandem nahe zu sein, und damit ein Identifikationsangebot an alle traurigen Emogirls in den Buchläden, sich doch in die Ballaballa-bella hineinzuversetzen, die so tatkräftig alles tut, um ihr Leben möglichst gewaltsam zu beenden.
Als ob dieses ewige Rumgeseiere nicht schon reichen würde, vergleicht sich Bella und ihren flüchtenden Geliebten mit Romeo und Julia. In sich immer wieder wiederholenden Absätzen überbieten sich die angeblichen Parallelen der Geschichte in Plattheiten und Klischees. Immer wieder möchte man Bella mit der Shakespearegesamtausgabe auf den Hinterkopf schlagen*** und dabei schreien: Nein! Nein! Nein! Du verstehst weder den Konflikt Romeos noch den Julias ! Du verstehst den Spannungsbogen nicht, und du verstehst die Tragik des Dramas nicht. Schweig still und höre auf, die Worte des Meisters der Dramenschreiber zu verdrehen!
Aber egal, Bella würde eh nicht zuhören. In endlosen und ermüdenden Monologen sinniert sie darüber, ob sie Jacob jetzt küssen soll oder nicht.
Zumindest zu diesem Zeitpunkt war mein Aggressionspotential so hoch, dass ich mich selbst beinahe in eine unkontrollierbare Bestie verwandelt hätte. Also hoffte ich, Jacob würde mir das Ganze abnehmen und endlich mal seine Werwolfpubertät durchlaufen. Das tat er dann auch aber nicht so, wie man das erwartet hätte Bella im Zentrum der Gefahr, Jacob vor ihr zähnefletschend und voller Gier, ihr Fleisch zu kosten, erst auf die eine, dann auf die andere Art.
Stattdessen wird das Wölfchen brav ins Körbchen Bettchen gelegt und wie nach den Masern kommt er dann räudig äh reuig daher getappst, um Bella um Entschuldigung zu bitten, dass er zwei Wochen nicht ans Telefon gegangen ist. Konflikt aufs Harmlosesete umschifft und das archaische Werwolfbild auch shampooniert und geglättet.****
Der Rest des Buches hängt mit der Handlung nicht mehr zusammen. Edward glaubt, Bella wäre bei ihren suizidalen Sportunternehmungen tatsächlich verunglückt und will sich daher auch in den Hades werfen lassen. Er plant eine Runde unter Italiens Sonne in der Öffentlichkeit "abzuglitzern", um damit die bösartigen, alten Vampire zu provozieren, die ihn dann natürlich umbringen müssen. Kann ja nicht angehen, dass so einer das Geheimnis der Discokugelvampire verrät. (Würd ja niemand mehr ernst nehmen). Bella kommt und rettet ihn, indem sie über eine italienische Plaza stolpert. Da kann man wieder ungeschickt sein. Es dient ja der Spannungserhöhung in dem Moment.
Edward und Bella sind wieder zusammen und lieben sich ewiglich weiter. Ja, klar! Wissen wir schon: bis(s) es wieder weihnachtet und das Geschenkpapier wieder mal blutrünstiger ist als Stephenie Meyers Glitzervampire.
Ach und weil ein Cliffhanger super ist, um auch das dritte Buch zu verkaufen, bastelt die Autorin noch hier einen am Ende rein. Bella ist nun zum Zankapfel zwischen Werwölfen und Vampiren geworden und beide drohen sich mit der Auflösung des uralten Friedenspaktes .
Uhuhuhu wer hätte das wohl vorher geahnt?
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*Wie ich dieses Stilmittel verabscheue. Gibt es denn keine subtilere Art auszudrücken, dass sich eine Vampirfigur auf den Seiten zwischen den Buchdeckeln befindet?
** Also im Grunde alles, was einen Vampir ausmacht
*** Das zählt dann aber nicht als Extremsport!
**** Der Werwolfmythos entstammt aus der Märchenwelt. Der Böse Wolf steht hierbei für den Psychopathen, den Vergewaltiger für die Bestie im Mann, die sich bei der passenden Gelegenheit gegen das Rotkäppchen wendet. Der Werwolf ist auch ein Meister der Täuschung er steckt in der Fassade des Altbekannten und Familiären das ist der Grund, weshalb man ihm erst vertraut. Eigentlich hätte man die Entwicklung Jacob Blacks wirklich als klassisch bezeichnen können, aber die Konfrontation mit Rotkäppchen Bella blieb leider aus. Wäre ja zu schrecklich gewesen. Da stellt sich natürlich die Frage weshalb man so eine Geschichte in Figuren aus Horrorgeschichten überhaupt hineinschreibt?
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