In diesem beeindruckenden Buch erzählt eine der Sekräterinnen Hitlers aus ihrem Leben und ihrer Arbeit für den Führer. Und sie tut es so gekonnt, daß der Leser förmlich in das Geschehen eintaucht und am Untergang des Nationalsozialismus dabei ist...eben bis zur letzten Stunde!
Junge schrieb ihre Erinnerungen schon 1947 auf, bevor sie verblassen konnten, das macht das Geschriebene so authentisch.
Dabei ist das Buch auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung, denn nach der Zeit des NS-Regimes erkennt sie, daß es falsch war, diesem Massenmörder, wie sie selbst schreibt, gedient zu haben. Selbstvorwürfe und daraus resultierende Depressionen quälen sie ihr Leben lang und sie hofft, mit der Veröffentlichung dieses Buches dem Leser zu vermitteln, wie leicht es damals war, Hitlers Faszination zu erliegen, auch wenn sie sich selbst ihr Handeln nicht vergeben konnte.
Melissa Müller ergänzt das Werk im Anschluss und erzählt aus Junges weiterem Leben.
Mein Fazit: Eine der wenigen Autobiographien, die nicht durchtränkt sind von Selbstdarstellung und Eigenlob, sondern ein selbstkritischer Bericht in dem die Autorin ehrlich zugibt, die Arbeit bei Hitler genossen zu haben, aber eben später auch bereut hat. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite.