Der als Paartherapeut landesbekannte Autor war in zweiter Ehe 18 Jahre lang mit einer Frau verheiratet, die 16 Jahre davon mit der Diagnose einer langsamen Form des Non-Hodkgin-Lymphoms lebte. Bis heute sind in der Regel diese langsamen Formen noch nicht voll ausheilbar. Über Jahre hinweg kann oder muß das Fortschreiten der Krankheit durch Chemotherapie aufgehalten werden. Etappenweise verschlechtert sich dabei der Gesamtzustand, wobei durchaus auch relativ gute Zeiten möglich sind. Dieser Krankheits- und Therapieverlauf ist ein grundlegender Unterschied zu den schnellen und hochaggressiven Formen des Lymphoms, die innerhalb weniger Monate entweder voll ausgeheilt werden oder zum Tode führen. Doch wer weiß das und den Unterschied, wenn er mit der Diagnose konfrontiert wird? In der ersten völlig schlaflosen Nacht bei der Umwertung aller Werte, nachdem der Arzt die sichere Diagnose mitgeteilt hat?
Beim gegenwärtigen Stand der Medizin haben über 90% der Patienten im jüngeren und mittleren Lebensalter die Chance, bei einer Ersterkrankung von einer schnellen Form geheilt zu wird. Die Erlebnisberichte von Überlebenden, die durch das Fegefeuer der Chemotherapie gegangen sind, häufen sich deshalb, z. B.
Leben, die Zweite. Krebs - eine Krankheit führt Regie!?,
Ein Jahr Hölle: So besiegte ich den Krebs und Leben ist, wenn man trotzdem lacht .
Ein Problem haben aber alle: Die Störungen und Belastungen der Partnerbeziehungen. Die Ärzte lassen die Patienten in der Regel mit diesen Folgen allein und geben oft nicht die einfachsten Ratschläge, stellt Jellouschek zutreffend fest. Wie das Buch belegt, sah sich auch ein Therapeutenpaar für Partnerbeziehungen vor Fragen gestellt, für die sie nicht sofort eine Antwort hatten. Es gibt nur ein einziges staubtrockenes Buch für das Thema
Krebs und Sexualität: Ein Ratgeber für Krebspatienten und ihre Partner. Das Buch von Jellouschek ist deshalb für alle sexuell aktiven Paare von Interesse, von denen ein Partner einen oder mehrere Chemotherapie-Zyklen erleiden muß. Im deutschen Sprachraum sind das in jedem Jahr Zehntausende.
Für ansonsten stabile Männer gibt es heute Cialis oder Levitra, seltsamerweise für Chemotherapiepatienten jedoch nicht auf ein sonst übliches Rezept, sondern nur für teures Geld. Für Frauen ist es schwieriger, mit den Folgen fertig zu werden, und dann eben auch für ihren Partner.
Das Buch ist aber auch darüber hinaus bemerkenswert und lehrreich. Wann soll man bei einem langsamen Krankheitsverlauf mit einer Chemotherapie einsetzen oder sie wiederholen? Wie kommt man zu einer eigenen Meinung in dieser Sache? Auch abweichend von der des Arztes? Oder bei abweichenden Meinungen verschiedener Ärzte?
Als professionelle Psychoklempner haben Jellouschek und seine Frau natürlich auch alternative Quacksalbereien in vielen Varianten ausprobiert, ohne sich allein darauf zu verlassen. Mit dem Mißerfolg, wie er dabei fast stets eintritt. Auch in diesem Punkte ist das Buch ehrlich.