Als seine Soldaten geschmuggelten Whiskey in den mit der wenig verheißungsvollen Aufschrift "Bibeln" versehenen Kisten des verschlagenen Händlers Meacham finden, beweist Lieutenant Colonel Thursday (Henry Fonda) zwar ein wenig Humor, indem er obigen Ausruf tätigt, doch insgesamt haben die Männer in Fort Apache mit ihrem neuen Kommandanten kein großes Los gezogen.
Anders als in
Faustrecht der Prärie (1947) spielt Fonda hier nicht den idealistischen, dabei fast ein wenig schüchternen Helden, sondern einen von Ehrgeiz getriebenen, überheblichen und engherzigen Offizier, der die Versetzung ins Fort Apache als Karriereknick betrachtet, den er mit einem möglichst gewagten Erfolg wieder ausbügeln will. Sein Gegenpart ist Captain Yorke (John Wayne), ein kriegserfahrener Pragmatiker, der trotz seiner Rauhbeinigkeit das Herz am rechten Fleck hat. Der Idealist in diesem Film ist ein junger, unerfahrener West-Point-Absolvent, Lieutenant Michael O'Rourke (John Agar), der aus einfachen Verhältnissen kommt und sich prompt in die kokette Tochter seines Kommandanten, Philadelphia (Shirley Temple), verliebt. Diese spannungsreiche Figurenkonstellation verspricht bereits einen handfesten Konflikt für "Fort Apache" (1948), den Beginn von John Fords Kavallerie-Trilogie, die freilich nicht als eine solche gedacht war und in der der Regisseur ein ziemlich differenziertes, wenngleich am Ende doch idealisiertes Bild der U.S. Army der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt.
Ford zeichnet die Armee hier als eine große Familie - zu Beginn seines Kommandos wundert sich Thursday beispielsweise darüber, daß scheinbar fast jeder zweite Mann im Fort den Familiennamen O'Rourke trägt -, und die meist irischen Unteroffiziere, allen voran der schelmisch-charmante Sergeant Festus Mulcahey (Victor McLaglen, wirklich unnachahmlich in der Rolle) sowie Michaels Vater (Ward Bond), sorgen mit ihren gutmütigen Eskapaden - meist alkoholbezogener Natur - für auch für den heutigen Zuschauer noch witzigen Comic Relief. So werden Neuankömmlinge einem harten, aber doch nicht unmenschlichen Drill unterzogen, wobei die unterschiedliche Herkunft der Sergeants, auf der einen Seite irische Nordstaatler, auf der anderen Seite ein hispanischer Südstaatler zwar thematisiert wird, doch auf so ausgelassene Weise, daß klar wird, daß man hier eigentlich keine Unterschiede in der Herkunft macht und die Zwistigkeiten des Bürgerkrieges in der neuen Armee keine Rolle mehr spielen. Die identitätsstiftende Kraft der Armee wird auch deutlich, wenn Michaels Vater ihm auf die Aussage, die Armee sei nicht die Welt, entgegnet, das stimme zwar, aber sie sei die einzige Welt, die die O'Rourkes kennen und in der sie zu leben gewohnt sind.
Doch Ford zeigt auch Konflikte und Schattenseiten innerhalb dieser "Familie". So wartet der von Thursday als Kommandant abgelöste Captain Collingwood (George O'Brien) schon lange vergeblich auf eine Beförderung und Versetzung, auf die er sich beworben hat, und kontert die ermutigenden Reden seiner Freunde mit dem resignierten Hinweis darauf, daß sie ja wohl alle die Armee zur Genüge kennten. Dennoch: Er murrt nicht und akzeptiert sein Schicksal, das ihn schließlich in den Untergang an der Seite seines ungeliebten Vorgesetzten führt. Dieser ist ein Paragraphenreiter, der keinerlei Erfahrung für die Führung des Grenzpostens mit sich bringt und schon bei seiner Ankunft brüskiert wird, wenn er sich über einen Tanzball mokiert und dann erkennen muß, daß er zu Ehren George Washingtons, dessen Geburtstag gefeiert wird, stattfindet. Diese Demütigung ist jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was ihm in Auseinandersetzungen mit dem ungleich erfahreneren Captain Yorke bevorsteht.
Fords Zeichnung der dunklen Seiten der Armee geht aber noch weiter, wenn er den Kampf des Häuptlings Cochise (Miguel Inclan) gegen die Ungerechtigkeit der U.S.-Regierung, hier repräsentiert durch den schmierigen Händler Silas Meacham (Grant Withers), der die Indianer nach Strich und Faden betrügt und ihre Familien zugrunde richtet, schildert. Dies dürfte "Fort Apache" sicher zu einem der frühesten Western machen, in denen ein von Sympathie und Verständnis geprägtes Indianerbild gezeichnet wird. Wenngleich Thursday auch voller Abscheu gegen Meacham ist, so deckt er ihn dennoch vor Cochises Beschuldigungen, weil es seiner Meinung nach einem "Wilden" nicht anstehe, einen weißen Mann anzuklagen. Außerdem wittert er in einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Cochise eine Möglichkeit, seine eigene Karriere zu fördern. So schickt er denn Yorke als Unterhändler zu den Apachen, um Cochise und seine Männer in eine Falle zu locken; Yorke erkennt zu spät, daß er von Thursday mißbraucht wurde, und geht schließlich so weit, seinen Vorgesetzten zu einem Duell herauszufordern, was dieser jedoch ablehnt.
Da "Fort Apache" in Anlehnung an Custers Schlacht am Little Bighorn gedreht wurde, muß ich über das verheerende Blutbad am Ende sicher nichts sagen. Der übergeordneten Botschaft des Filmes entspricht es aber doch, daß der von Thursday so ins Unrecht gesetzte Yorke trotz allem so pflichtbewußt ist, seinem unbelehrbaren Befehlshaber in der Not beizuspringen. Auch am Ende - nachdem fast alle Soldaten dem unermeßlichen Ehrgeiz und der Unfähigkeit Thursdays zum Opfer gefallen sind - wird das Bild Thursdays in der Öffentlichkeit nicht in Frage gestellt, sondern weiter am Heldenmythos gebaut. Ein wenig zu pathetisch und menschenverachtend dürfte Yorkes Monolog gegenüber den Reportern für unsere Ohren heute klingen, in dem er sagt, daß die gefallenen Soldaten nicht wirklich tot seien, sondern in den neuen Rekruten weiterlebten.
"And they'll keep on living as long as the regiment lives. The pay is thirteen dollars a month; their diet: beans and hay. [...] Fight over cards or rot-gut whiskey, but share the last drop in their canteens. The faces may change... the names... but they're there: they're the regiment... the regular army... now and fifty years from now. They're better men than they used to be. Thursday did that. He made it a command to be proud of."
Und so erreicht Fords Film hier vielleicht etwas, was sich der Regisseur damals nicht hätte träumen lassen, indem er uns durch diesen starken Tobak zum Nachdenken über Sinn, aber auch Unsinn des Militärs bringt.
Noch ein Wort zur DVD: Sie enthält sowohl die ungeschnittene U.S.-Originalfassung (mit deutschen Untertiteln, ausblendbar) als auch die um eine halbe Stunde kürzere deutsche Fassung. Mein Rat: Vergessen Sie die deutsche Version, denn das Original nimmt sich so viel Zeit, die Charaktere zur Entwicklung zu bringen, daß uns ihr Schicksal auch wirklich interessiert.