Lespress-Rezension
Jane war früher ein Mann verhängnisvolles Vorzeichen einer von Unzulänglichkeiten, Uneingestandem und Verdrängtem gekennzeichneten Liebesbeziehung, die vordergründig nicht bestehen kann/darf/soll die Begegnungen im Lauf der zehn Jahre, von denen keine länger als wenige Tage währt, enden abrupt und lassen Uma so verletzt wie beherzt zurück. An Grenzen stoßen die Protagonistinnen, zwischenmenschliche und sprachliche.
Bequem hat sich Frauenschwarm Uma eingerichtet, nur für den Bruder, der später Samenspender ihrer Co-Kinder werden wird, bleibt die selbsternannte Schuhmacherin immer Miri die eines Tages, Jahre nach der Entdeckung ihres Traums Jane feststellt, dass nur Bruder, Geliebte, ein schwuler Bekannter und zwei Kinder übrig geblieben sind zu wenig, um Fortbestand zu haben. In mehrjährigen Überbrückungen spielt sich das Leben Umas ab, der Roman gewährt nur Momentaufnahmen in den Alltag seiner Hauptfigur, für die sich das Innerste um Jane dreht, das Leben aber woanders spielt. Auf einen Schlag verstreichen acht Jahre, aus der Liebestollen wurde die zweifache Mutter. In einer Schlüsselszene um Sein und Schein wähnt Umas kleine Tochter auf einem Plakat einen Chinesen, und noch während Uma ihr bemüht vermittelt, es handele sich um einen Japaner, biegt just Jane um die Ecke: Wer weiß schon, was sich hinter der Unnahbaren verbirgt? Zwischen den seltenen Begegnungen bleibt Jane im Dunkeln, nur wenig dringt aus ihrem Leben durch, wie eine heilvolle Erwartung bricht sie in seltenen Momenten durch, verharrt ansonsten in Umas Gedankenwelt, die sich zusehends schwer tut, ihrem Umfeld ihre anhaltenden Gefühle zu vermitteln. Freundschaften gehen in die Brüche, Figuren verlieren ihr Leben zwischen den Zeilen. Im Verzicht auf Vollständigkeit ruht der Reiz, in die Charaktere Uma und Jane zu tauchen und ihre Geschichte weiterzuspinnen.
Mit ihrem Roman, der drei Kinder- und Jugendbüchern und einer populärliterarischen Geschichte folgt, gelingt Fessel ein stilles Bravourstück, das unter die Haut geht, auch wenn zu oft schief gelächelt wird und warmer Atem Ohren streift. Ein mutiges Buch, das dem Thema Transgender eine neue Seite abgewinnt, zu Kontroversen einlädt und absurde Diskussionen (Gehören biologische Männer nach der Geschlechtsumwandlung zu 'uns'?) unterminiert. Der selbst beim (vermeindlichen?) Happy End verletzlichen Protagonistin lässt sich ihre harte Konsequenz nicht übel nehmen. Sie hat sie gefunden.
Leonie Wild -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
»Ein großer Liebesroman fein, behutsam und stimmig.« XTRA