Åsa Larsson schreibt außergewöhnlich spannende, bewegende und stimmig konstruierte Kriminalromane. Der vorliegende Band ist der vierte Teil der Krimiserie (bisher sind vier von geplanten sechs geschrieben) um die beiden Hauptfiguren, die Inspektorin und spätere Kommissarin Anna-Maria Mella und die Juristin Rebecka Martinsson. Beide sind sehr unterschiedlich. Anna-Maria Mella ist die mütterliche, pragmatische, dem Leben zugewandte, Rebecka Martinsson die grüblerische, deren fast schon destruktive Ader sie immer wieder in ausgesprochen gefährliche Situationen lenkt. Angesiedelt sind die Fälle im hohen Norden Schwedens in Kiruna. Kiruna liegt noch nördlich des Polarkreises und ist eine kalte Bergbaustadt, die ihre Existenz einer der reichsten Eisenerzminen der Welt verdankt.
Åsa Larssons Geschichten basieren auf ihrem eigenen biografischen Hintergrund. Sie lebte fast 20 Jahre (1970 - 1989) in Kiruna. Auch ist sie in dem Milieu der schwedischen Freikirchen groß geworden, das einige ihrer Geschichten geprägt. Dies weil ihr Großvater Erik Larsson nicht nur ein mit einer olympischen Goldmedaille geehrter Langläufer (1936 in Garmisch-Partenkirchen), sondern auch ein stark gläubiger Mensch war, der eine strenge Lebensführung lebte. Die Autorin fand in ihren Jugendjahren selbst einen Weg zu diesem Glauben, von dessen Enge sie sich jedoch später (während des Jura- und Wirtschaftsstudiums und später als Finanzfachanwältin) löste.
Der Stil von Larsson ist besonders. Für den Leser entfaltete sich der Plot nicht wie an einer Perlenkette aufgereiht von außen erzählt, sondern als ein sich nach und nach zusammensetzendes Mosaik, das sich aus den unterschiedlichen Innenansichten, Gedanken und individuellen Handlungsempfindungen der Hauptakteure zusammensetzt. Geschickt schreibt Asa Larsson aus sehr vielen unterschiedlichen Perspektiven, wobei sie nicht nur in der Zeit hin- und her springt. Zum Beispiel denkt eine gerade beschriebene Person an eine Episode in ihrer Vergangenheit und schon wird für ein paar Absätze diese Episode in Gegenwartsform beschrieben. Auch integriert Larsson Besonderes in ihre Geschichte. So ist in Weiße Nacht (2006) die Geschichte einer Wölfin eingewoben. Im neuesten Roman (Bis der Zorn sich legt) tritt eine ermordete Taucherin als Ich-Erzählerin auf und ermöglicht so immer wieder eine Darstellung der aktuellen Ereignisse aus der Metaebene eines Beobachters.
In diesem vierten Roman Bis der Zorn sich legt (2010) wird Rebecka Martinsson, die mittlerweise Staatsanwältin im nordschwedischen Kiruna ist, in einen besonders grausamen Mordfall verwickelt: Ein junges Paar hat ein Eisloch in einen See geschlagen, um zu einem auf dem Grund liegenden Flugzeugwrack zu tauchen. Eine über das Eisloch gelegte Holztür versperrt beiden den Weg zurück an die Oberfläche und damit zurück ins Leben. Die Ermittlungen gehen diesmal weit in die Vergangenheit zurück. Lange verheimlichte Ereignissen aus dem zweiten Weltkrieg spannen immer noch ein gefährliches Netz aus Schuld, Angst und Verrat, in das viele Bewohner bis heute verstrickt sind. Erneut geht es Asa Larsson vorwiegend um die Personen, ihre Gefühlswelt und ihre Beziehungen zueinander. Besonderes stilistische Mittel ist diesmal die ermordete Taucherin, die als Ich-Erzählerin auftritt und so immer wieder eine Darstellung der aktuellen Ereignisse aus der Metaebene eines Beobachters ermöglicht.
Jedes der Bücher dieser Krimireihe ist ausgesprochen lesenswertes. 5 Sterne!