Würzburg: Tommy (Jacob Matschenz) ist der uneheliche Sohn einer deutschen Mutter (Simone Thomalla) und eines amerikanischen Soldaten, den der Junge nie kennengelernt hat.
Seit früher Jugend verbindet ihn mit mit dem Türken Sule (Burak Yigit) eine brüderliche Freundschaft. Dieser hat damals dem etwa gleichaltrigen Deutschen bei einem Kampf mit ein paar älteren Jungs geholfen, die Angreifer k.o. geschlagen - als Gegenleistung wollte er, dass Tommy ihm die Matheaufgaben macht.
Ein paar Jahre später ist hre berufliche Perspektivlosigkeit offensichtlich, sie verdrängen ihre beginnenden existeziellen Sorgen durch Drogenkonsum und Kleinkriminalität.
Gemeinsam mit ihrem Kumpels, dem dunkelhäutigen Ami Clay (Manuelssen) und Keiler (Balder Beyer), der eine Karriere als Rapper machen will, hängen die beiden ab. Immer mit Drogen vollgestopft gehen sie bei den Dealern ein und aus, dealen gelegentlich selbst mit dem Stoff.
Tommys Freundin Sina (Aylin Tezel) ist etwas labil und sieht es auch nicht gerne, dass ihr Freund und Lover langsam aber sicher zum Gangsta mutiert.
Es kommt wie es kommen muss: Tommy wird erwischt und landet für ein halbes Jahr im Jugendknast, wo er Misshandlungen ausgesetzt ist und zum Opfer seiner aggressiven Zellengenossen wird.
Bei seiner Entlassung schwört er sich, mit dem Drogendealen aufzuhören und seinen Schulabschluss zu machen, er fängt fleissig mit "Physik" Büffeln an. Doch Sule, der einzige, der ihn in seiner Knastzeit besucht hat, hält weiterhin an seiner großen Illusion fest mit Tommy eine gemeinsame Tuningwerkstatt zu eröffnen. Die Kontakte sind vorhanden, das nötige Startkapital...tja, das ist eben das Problem, denn die Banken nehmen die Ambtionen zur Selbständigkeit überhaupt nicht ernst. Was also liegt näher das Kapital durchs Dealen zu beschaffen ?
Mit seiner Mutter Sylvia (Simone Thomalla) gibts immer mehr Stress für Tommy und auch Sina hat sich inzwischen von ihm abgewandt.
Es geht für Tommy wieder in die einschlägigen Kreise, die Bewährung läuft und eine Abgrenzung an sein altes Leben rückt immer mehr in weite Ferne...
"Bis aufs Blut - Brüder auf Bewährung" ist ein beachtlicher deutscher Independent Spielfilm von Oliver Kienle. In dem Jugenddrama über Freundschaft und Hip-Hop als Lebensgefühl spielen Jacob Matschenz und Burak Yiðit die Hauptrollen glaubwürdig und mit viel Authentizität.
Oliver Kienles Buch wurde mit dem Baden-Württembergischen Drehbuchpreis ausgezeichnet.
Kienle hat das autobiografisch geprägte Jugenddrama in seiner Heimatstadt Würzburg angesiedelt. 17 000 US-Soldaten waren bis vor wenigen Jahren dort stationiert. Sie haben nicht nur viele vaterlose Kinder hinterlassen, sondern auch die Jugendkultur mit Rap, Gangsta-Attitüden und Drogenkriminalität geprägt.
Trotzdem ist die Stadt gegen jede andere ähnliche Kleinstadt in Deutschland austauschbar. Das Augenmerk liegt hier auf der visuellen Umsetzung der fast ausweglosen Situation der jungen Figuren, die im trostlosen Kleinstadtmief und in einer Welt, in der der Konsum und das Geld regiert, kaum eine Perspektive haben.