Kate Furnivalls zweiter Roman ist im Stalinistischen Russland der Jahre 1933/34 angesiedelt: Anna und Sofia lernen sich in einem Gulag in Sibirien kennen. Gemeinsam versuchen sie, zu überleben. Damit sie bei Verstand bleiben, erzählt Anna Geschichten aus einer anderen Zeit: aus ihrer wohl behüteten Kindheit als Tochter eines Arztes in Petrograd und von Vasily - ihrer Liebe aus Kindertagen. Der Gedanke an Vasily ist es dann auch, der Anna letztendlich am Leben hält. Sie möchte ihn unbedingt wiedersehen.
Anna und Sofia haben sich schon lange mit dem Gedanken an eine Flucht getragen. Als die Lebensbedingungen und die ständige Mangelernährung von Anna ihren Zoll verlangen und sie schwer erkrankt, setzt Sofia den Plan in die Tat um und flieht. Sie will Vasily finden, um ihn zu Anna zusammen zu bringen, damit Anna überlebt. Anna, die einst Sofia im Gulag das Leben gerettet hatte. Wären Annas Erzählungen über Vasily nur nicht so bezaubernd und so lebhaft gewesen, denn Sofia hat mittlerweile das Gefühl, auch sie kenne und liebe ihn bereits ein ganzes Leben lang.....
Auf den ersten Blick mag "Bis ans Ende des Himmels" zwar als Liebesgeschichte erscheinen, aber die Liebesgeschichte dient nur als Kulisse für diesen Roman, der eine grossartige Geschichte über Freundschaft, Loyalität, Hoffnung, Vertrauen und erst dann über die Liebe ist. Furnivall erzählt die Geschichte sowohl aus Annas als auch aus Sofias Perspektive und genau das macht "Bis ans Ende des Himmels" so unglaublich packend. Sie zeichnet ein realistisches, trostloses Bild vom stalinistischen Russland mit seinen Gulags und bevölkert dieses mit überzeugenden Charakteren: zum einen Anna und Sofia - beide so zerbrechlich und doch so stark; linientreue Parteimitglieder, Zigeuner mit geheimnisvollen Kräften und Abtrünnige, die dazu gebracht werden, als linientreu zu erscheinen. Leser erhalten einen Einblick in das alltägliche Leben unter Stalins Regime: Ein Individuum bedeutet nichts, der Staat hingegen alles. Unablässige Propaganda. Die kleinen Leute leiden, während man bei den hohen Tieren so manches durchgehen lässt. Das Leben ist ein ständiger Verdachtsmoment, es ist die Norm ausspioniert und verraten zu werden und ein einziger Hoffnungsmoment kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Furnivall legt hier eine umwerfende Erzählweise an den Tag, die Schlagzahl ist für den Spannungsbogen genau richtig und Sofias und Annas Geschichte(n) ist/sind einfach fesselnd. Meiner Meinung nach ist "Bis ans Ende des Himmels" das Must-Read dieses Spätsommers - genauso wie ihr Debut
Die russische Konkubine für mich das Frühjahres-Highlight 2007 war. Freue mich schon jetzt riesig auf ein drittes Buch aus Furnivalls Feder!