Sieben Kurzgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein können und nach deren Lektüre ich dachte: Bin ich schon durch?! Schade!
Bestimmt gibt es Leser, die diese vor Emotionen strotzenden Geschichten über Liebe, Hass, Sehnsucht, Trauer, Verzweiflung (und mehr!) kitschig finden. Ich gehöre nicht dazu. Es handelt sich hier um tolle Erzählungen, mit Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl zu Papier gebracht, wie ich meine. Hier mal zwei herausgegriffen:
Ein einseitiger Kinderwunsch kann eine Partnerschaft stark belasten. Das ist auch bei dem lesbischen Paar in dieser Geschichte nicht anders. An dem Punkt jedoch, an dem sie an einem Wendepunkt gelangen, werden die Frauen, völlig unerwartet, vom Schicksal auf schlimmste Weise geprüft.
Einer beinahe ebenso schweren, wenn auch gänzlich anderen Prüfung, muss sich ein Mann unterziehen, der nach dem Tod seiner Freunde der "Ersatzvater" für den kleinen Sohn sein soll, den sie hinterlassen. Das Schlimme: Noch ahnt das schlafende Kind nicht, dass es Vater und Mutter verloren hat und sein Leben in Scherben liegt - und es ist ausgerechnet an dem Mann der sein Vater soll, diese vermeintlich heile Welt zu zerstören.
Sämtliche Figuren in dem Buch wirkten auf mich durchgehend authentisch. Ich habe hier Charaktere gefunden, die ich allesamt glaubwürdig fand. Ich hatte nicht das Gefühl eine Geschichte zu lesen, sondern ein wahre Begebenheit. Und doch waren die Wendungen überraschend. Den Erzählstil finde ich lebendig und spannend.
Einziger "Kritikpunkt": Die Geschichten haben ein offenes Ende. Wer lieber einen klaren Schlusspunkt mag - und das ist bei vielen Lesern der Fall - wird sich mit den fehlenden Enden" möglicherweise schwertun. Mir ging es bei der ein oder anderen Geschichtet jedenfalls so.
Aber es bleibt dabei: Ich finde "Bis an das Ende der Nacht" empfehlenswert und habe es mit großem Vergnügen verschlungen. Das Erstlingswerk des Autors kann ich somit nur als gelungen bezeichnen. Es zeigt außerdem, dass Kurzgeschichtenbände wirklich zu Unrecht so wenig Aufmerksamkeit finden, denn einige sind m. E. absolut lesenswert! Wie z. B. auch "Zwischen Nacht und Dunkel", von Stephen King (alter Hase!), "Der Ausbruch" von Petra Hammesfahr (schon älter), "Die Totmacher" von Sabine Ludwigs (ebenfalls ein Erstling) oder die kurzen, unheimlichen Geschichten von Chris Priestley (einfach gut!) - um hier spontan ein paar zu nennen, die mir gut gefallen haben!