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Bereits im Prolog wird kurz und knapp die dunkle Historie des schlossähnlichen Anwesens in New England an der amerikanischen Ostküste beleuchtet (die Aufnahmen entstanden übrigens im alten England), das in der Folge vier unerschrockenen Gästen Heimstatt bieten wird. Ihr Ziel: der Ursache des Furcht einflößenden, über Generationen entstandenen morbiden Rufs des Gebäudes nachzugehen und den Mythos, so Gott will, zu entzaubern. Auf der einen Seite von Schuldgefühlen und tiefer Trauer über den kürzlichen Tod ihrer Mutter erfüllt, auf der anderen Seite von ihrem Glauben an das Übernatürliche und von ihrer Abenteuerlust getrieben, ist Eleanor Vance (Julie Harris) der labilste und damit auch der anfälligste Gast des Anwesens. Sie wurde wie die anderen vom Anthropologen Dr. Markway (Richard Johnson) in das Haus eingeladen. Neben Eleanor gibt es da die freigeistige, über ausgeprägte übersinnliche Fähigkeiten verfügende Lesbe Theodora (Claire Bloom) sowie den oberflächlichen Playboy Luke Sanderson (Russ Tamblyn: West Side Story), der gerne das Haus in Besitz nehmen würde, sollte es sich als bewohnbar erweisen. Natürlich wirkt das dunkle Gebäude auf seine Gäste von Anfang an alles andere als einladend. Merkwürdige Geräusche, von ersticktem Geheul bis zu markerschütterndem Stampfen, sind nur der Auftakt für noch Beängstigenderes. Bald schon scheinen Türen zu atmen, füllen sich Wände mit unerklärlichen Schriftzeichen und entwickeln Wendeltreppen ein Eigenleben.
Das Geniale an Bis das Blut gefriert ist der zurückgenommene Stil von Wise und seinem Drehbuchautor Nelson Gidding (stellvertretend für die gelungene Inszenierung sei die sich einstellende, kaum zu ertragende Spannung erwähnt, wenn sich langsam ein Türknauf zu drehen beginnt), der den sich stetig steigernden Terror des Films fast ausschließlich aus der ausgefeilten Psychologisierung seiner Figuren bezieht -- vor allem aus Eleanor, deren mentale Gesundheit zunehmend zerbricht. Das Gefühl der permanenten, potenziellen Anwesenheit einer geisterhaften Erscheinung beruht ausschließlich auf Einbildungskraft (etwa die sorgsame Behandlung von Eleanors Anziehungskraft auf Theodora) und dem Umgang mit der Tonspur, dessen Furcht erregende Wirkung Robert Wise niemals mit der Kamera hätte erreichen können.
Wie schon in Jack Claytons Schocker Schloss des Schreckens aus dem Jahr 1961 wird auch in Bis das Blut gefriert der Fokus auf die Wirkungsweise einer subtilen, schleichenden Infiltration des Zuschauers Wert gelegt und weniger auf visuell sichtbaren Horror gesetzt. Was man nicht sieht, das ist bekanntermaßen erheblich beängstigender. Und so kommt es, dass Bis das Blut gefriert ohne einen abgetrennten Kopf oder einen bluttriefenden Körper auskommt und dennoch garantiert für Gänsehaut sorgt. --Jeff Shannon
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Vergessen Sie alles, was Sie bisher über Spukhäuser gesehen oder gelesen haben. Dieser Film wird Sie das Fürchten lehren, und das auf hohem Niveau. Wer Special-Effects-Orgien, sinnloses Gemetzel, brutale Action und literweise Filmblut erwartet, dem sei vom Kauf dieses Films abgeraten. Vielmehr greift dieser Horror mit kalten Händen nach unseren Urängsten und lässt nicht mehr los.
Die Story scheint schnell erzählt: unter dem Vorwand, ihren Schlafstörungen auf den Grund zu gehen, lädt ein Wissenschaftler zwei medial veranlagte Frauen in ein abgelegenes Landhaus ein. Außerdem sind der Erbe des Anwesens und die Frau des Wissenschaftlers mit von der Partie. Doch da ist weitaus mehr, denn das Haus birgt eine Reihe von Geheimnissen in sich...
Mit „The Haunting" (so der englische Originaltitel) ist Robert Wise („Das Dorf der Verdammten", „West Side Story", „Star Trek - The Movie") ein wahres Meisterwerk des subtilen Horrors gelungen. Im Gegensatz zu Jan de Bonts animationslastiger Neuverfilmung „Das Geisterschloss" (die nahezu ausschließlich von ihren Special Effects und der attraktiven Catherine Zeta-Jones profitierte) geht dieser Film unter die Haut. Dabei wich schon damals das Drehbuch von Shirley Jacksons Romanvorlage ab - und zwar genau an den Stellen, die ich als Leser im Roman als langweilig empfunden habe.
Dank hervorragender Schwarz-Weiß-Aufnahmen, dem dezenten Einsatz von Musik und gezielten Geräuschen schafft Wise Atmosphäre: die Furcht schleicht sich unaufhaltsam an. Auch die Sets lassen jeden Fan des Genres schwärmen: „Hill House" ist herrlich düster und die Studioaufnahmen haben einen unweigerlich klaustrophobischen Charakter. Hinzu kommen das hervorragende Casting und die skurrilen Dialoge voller Zweideutigkeiten und verstecktem Humor. Spätestens wenn die Haushälterin mit unnachahmlicher Mimik darüber aufklärt, niemand werde die Besucher nachts schreien hören, stellen sich dem Zuschauer die Härchen auf. Und wenn dann auch noch eine Tür zu atmen beginnt, stockt nicht nur den exzellenten Darstellern der Atem.
Man muss diesen Film gesehen haben, bis zum überraschenden Ende - bis das Blut gefriert!
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