Die dem Untergang geweihte Kultur der Maya diente Mel Gibson als Kulisse für seinen Actionstreifen "Apocalypto", und auch "Birdwatchers" befasst sich mit den Problemen der indigenen Bevölkerung Amerikas. Die Frage danach, wo die Sympathien des italienisch-argentinischen Regisseurs Marco Bechis liegen, dürfte spätestens dann beantwortet sein, wenn im Abspann zu Spenden für die gebeutelten Guarani-Kaiowa-Indianer aufgerufen wird. Trotzdem vermeidet "Birdwatchers" einfache Schuldzuweisungen und bemüht sich darum, beide Seite der Medaille zu zeigen.
Da sind die in Reservate verfrachteten, verarmten Ureinwohner, die sich aus der eingenommenen Opferrolle nicht mehr befreien können und vielleicht auch gar nicht wollen. Die Anführer sind versoffen, die spirituellen Führer ratlos, die Jungen treibt es reihenweise in den Selbstmord. Es ist mehr als zweifelhaft, ob sie den Sprung in die Moderne jemals schaffen werden. Auf der anderen Seite stehen satte brasilianische Großgrundbesitzer, die von ihrem Reichtum nichts abgegeben wollen, den Indianern mit einer Mischung aus Skepsis und Verachtung begegnen und mit der Situation ebenfalls ziemlich überfordert sind. Man beschränkt sich darauf, die Heimatlosen als Dienstmädchen und Tagelöhner auszunehmen, für touristische Vorführungen in traditioneller Stammestracht dürfen es auch gerne einmal ein paar Reais mehr sein.
Vom Zusammenprall dieser beiden Lebenswelten erzählt dieser Film in ruhigen, realistischen Bildern, die dann am stärksten sind, wenn die Guarani-Kaiowa sich in die urbanen High-Tech-Landschaften des Boomlandes Brasilien verirren. Der größtenteils mit Laiendarstellern bestückte "Birdwatchers" ist kein Unterhaltungsfilm, sondern eine Bestandsaufnahme und ein politisches Statement.