Auch im Krieg wird gezwitschert
Verstörend? Verständlich? Auf jeden Fall skurril. 'Birding Babylon' - Das etwas andere Tagebuch eines Soldaten.
Gewollt oder ungewollt, Jonathan Trouern-Trend gelang mit der Veröffentlichung seines Internettagebuchs 'Birding Babylon' ein Werk, das den Leser fasziniert und zudem enorm viel Diskussionspotential besitzt.
Der US-Amerikaner Jonathan Trouern-Trend ist studierter Biologe und passionierter Vogelbeobachter. Während seiner Stationierung als Soldat im Irak begann er über seine Begegnungen mit Tauben, Sperlingen, Bienenfressern, mit allem, was ein Federkleid trägt, genau Tagebuch zu führen. Was zuerst als Internetblog gedacht war, findet sich jetzt, aufgrund der großen Resonanz, in gebundener Form in den Buchhandlungen und sorgt auch hier für Aufsehen.
Das Tagebuch eines Soldaten erfüllt nämlich nicht annähernd die Erwartungen, die man eigentlich an 'Kriegsliteratur' hat. Viel mehr präsentiert es sich als Tagebuch eines Ornithologen, der sich zufällig im Kriegseinsatz befindet. Trouern-Trend verliert kaum ein Wort über das konkrete Kriegsgeschehen. Ausführungen zum Kriegselend, Lagerkoller, Angst und dergleichen, Dinge, die der Leser eigentlich mit derartiger Literatur assoziiert, finden in diesem Buch keine Beachtung. Das Militärische bleibt stets eine Randerscheinung und dennoch ist während der Lektüre das Kriegsgeschehen auf obskure Art und Weise präsent.
So liefert dieses Buch auf eine spezielle Art und Weise auch einen Einblick in die menschliche Psyche. Was bewegt einen Soldaten unter diesen Umständen zu so einem Projekt? Ist es ein Weg sich selbst zu helfen? Ist es vielleicht sogar eine Möglichkeit anderen zu helfen?
'Birding Babylon' ist sicherlich kein großes literarisches Meisterwerk, aber ein Buch, das den Leser auch dann nicht loslässt, wenn er es schon lange aus den Händen gelegt hat. Ein kleines Stück Literatur mit großer Wirkung, das auch Nicht-Ornithologen zu fesseln weiß.