Wie verläuft sie? Raus aus der Depression - rein in die Manie? Zwischen zwei gegensätzlichen Polen, rauf und runter - von leicht bis extrem? Umfassende Aufklärung und Information bietet das Buch »Bipolar. Leben mit extremen Emotionen. Depression und Manie« von Eberhard J. Wormer. Eine hervorragende Schreibe, der gezielte Einsatz von Illustrationen, kurze Kapitel, hervorgehobene Hinweise, ein Selbstbeurteilungsinventar, Kontaktadressen im Serviceteil u.v.a.m. machen das 224 Seiten starke Manual zu einem lesenswerten und letztendlich hilfreichen Ratgeber.
Autor Wormer stellt Kraepelins (1899) Konzept des manisch-depressiven Irreseins in das Licht der heutigen Psychiatrie. Dabei stützt er sich auf die jüngste Forschung, die inzwischen diese Regulierungsstörung der Stimmung als "bipolare Erkrankung" bezeichnet. Laut Wormers "Steckbrief" (S.16) erleiden bis zu fünf Prozent aller Erwachsenen einmal in ihrem Leben bipolare Stimmungsstörungen. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen sind suizidgefährdet, etwa 15 Prozent töten sich selbst. Der Verlust an Lebensqualität bei einer manisch-depressiven Erkrankung ist hoch - und leider wird diese häufig vorkommende Erkrankung oft nicht als solche erkannt. "Es dauert häufig Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird", beschreibt Wormer das Dilemma.
In dem Buch verweist er auf verbesserte Diagnosekriterien, die eine genauere Bewertung der vielfältigen Symptome erlauben. Zudem ist ein übersichtliches Verzeichnis wirksamer Behandlungsmethoden enthalten. Vorgestellt werden Stimmungsstabilisierer (engl. mood stabilizer), Lithium, Antidepressiva, Neuroleptika, EKT, Psychotherapie und Psychoedukation.
Das Buch richtet den Blick auch auf "das bipolare Genie". So beschäftigt sich ein Kapitel mit den Biografien berühmter bipolarer Persönlichkeiten. Beispielsweise litten Vincent van Gogh, Wolfgang Amadeus Mozart und Sylvia Plath unter bipolaren Stimmungsstörungen, "und sie mussten wohl oder übel, ohne Hoffnung auf Hilfe, mit der Raserei ihrer Gefühle leben," konstatiert Eberhard J. Wormer.
Fazit: Dieses Buch, ausgezeichnet mit dem "Medienpreis Bipolar" (2003), ist eine Fundgrube zur Hilfe und Selbsthilfe, das kaum Fragen offen lässt. Ganz sicher wird es den Dialog zwischen Betroffenen, Angehörigen und Ärzten bereichern. Im Grunde ein Wegweiser für alle, die wissen wollen, wie die "Sprengkraft" bipolarer Stimmungszustände nach heutigem Stand der Medizin behandelt werden kann.