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Die beiden Autoren - Claudia Borchard-Tuch als Spezialistin auf dem Schnittgebiet von Medizin und Informatik und Michael Groß als Biochemiker und erfolgreicher Autor - beginnen ihr Buch mit einem locker geschriebenen Überblick über die Geschichte der Computer. Wussten Sie z.B., dass Raimundus Lullus 1275 der erste Mensch war, der daran dachte, geistige Tätigkeiten wie logische Schlüsse und Gedanken einer Maschine zu überlassen? Damit wollte er die Richtigkeit der christlichen Religionslehre zeigen. In diesem Kapitel wird Ihnen noch manch anderes begegnen, was in üblichen Geschichtsabrissen nicht zu finden ist. Es folgt eine prägnante Abhandlung der neuen Computer, die in den letzten Jahren von Forschern erdacht wurden. Die Funktionsweise von Quantencomputern, mechanischen und chemischen Nanocomputern sowie DNA-Computern wird insbesondere durch die detaillierten Informationskästen gut erklärt - so können die verschiedenen Themen ohne allzu abrupte Sprünge abgehandelt werden.
Die Erweiterung der "Fähigkeiten" verschiedenster Computer und die Frage, inwiefern sie eines Tages zum Denken in der Lage sein werden, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die Antwort auf diese Frage enttäuscht aber - anstatt einen persönlichen Standpunkt zu vertreten, wird von den vielen unterschiedlichen Meinungen einiger Philosophen und Wissenschaftlern ein Stückchen abgeschnitten und präsentiert.
Im Herzstück des Buches, dem zweiten Kapitel, dreht sich alles um die genutzten und ungenutzten Schnittstellen zwischen Mensch und Computer. Für Autohersteller ist es z.B. ganz normal, die Methode der "Augmented Reality" - der "erweiterten Realität"" - einzusetzen. Hierbei wird einem Ingenieur oder Designer z.B. ein Prototyp eines Autos auf eine Datenbrille projiziert, und mit einem Datenhandschuh kann er dann virtuell Teile des Autos untersuchen. "Wearables" - das sind intelligente Kleidungsstücke, in die kleine Recheneinheiten bis zu ganzen Computern eingebaut sind - befinden sich hingegen noch in der Erprobungsphase. Zwar versprechen sie viele Annehmlichkeiten, doch zuerst müssen Hindernisse wie die zu geringe Belastbarkeit beim Waschen ausgeräumt werden.
Gemeinhin würde man meinen, dass es mit der tatsächlichen Verbindung zwischen Computer und Mensch bzw. menschlichem Gehirn noch viel schlechter aussieht. Doch die Autoren führen vielfältige Fortschritte, wie das "Cochleaimplantat" zum Wiedererlangen des Hörsinns, das Überwinden von Inkontinenz durch Mikroelektronik, das Sehen trotz eigener blinder Augen durch den Einsatz eines sogenannten "Dobelle Eye", und vieles mehr an. Dies sind durchweg zu befürwortende Fortschritte, die weit von der Herstellung eines "Cyborg", also eines "Menschroboters", entfernt sind. Trotzdem gibt es viele Forscher, die meinen, dass die Entwicklung schon in diese Richtung gehen wird. Mit einem Zitat des Neurologen Fetz vom MIT, wonach um das Jahr 2015 die ersten menschlichen Gehirne verdrahtet sein werden, schließt das Kapitel. Auch hier vermisst man eine tiefgründigere Auseinandersetzung mit derartigen Vorhersagen.
Molekulares Rechnen ist das Thema des dritten Kapitels. Hier werden Themen des erste Kapitels ausführlicher fortgesetzt, und es geht auch um die Details des Rechnens mit DNA und RNA. Supramolekulare Systeme und Nanoröhren werden als immer interessanter scheinende Alternativen vorgestellt.
Zum Schluss folgt ein Ausblick auf die weitere Entwicklung. Ob die Autoren damit Recht behalten mögen, wird erst die Zukunft zeigen können und möge heute von jedem Leser für sich selber beantwortet werden, denn das Buch regt an vielen Stellen zum eigenen Denken an.
Insgesamt überzeugt das Buch durchaus. Leider gewinnt man ab und an den Eindruck, dass der Text etwas übereilt zusammengeschustert wurde (viele Rechtschreibfehler wurden einfach übersehen). Dafür ist den Autoren aber die Tour de Force durch die moderne Computerwelt mit ihren Möglichkeiten und ihrer Zukunft sehr gut gelungen - weltanschauliche Schlüsse sollte sowieso jeder für sich ziehen. Ein Glossar sowie eine Literaturliste, bei der vor allem die vielen nützlichen Internetadressen positiv auffallen, runden das Buch ab. Neben interessierten Laien spricht das Buch ebenfalls Fachleute an, die über den Horizont ihres eigenen Wissensgebietes herausschauen wollen.
Rezensent: Markus Mathys
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