Hinter "Der Zyklus" steckt kein geringerer als Gerald Donald, der durch Projekte wie "Dopplereffekt" und "Drexciya" in den 90er Jahren bekannt geworden ist. In den letzten 5-6 Jahren hat sich Gerald Donald musikalisch sehr gewandelt und kreiert zunehmend abstrakte Klanglandschaften, oft ohne Beatgerüst, dafür aber mit filigran ausgearbeiteten Synthesizerklängen. Für mich ist Gerald Donald DIE Referenz im Erschaffen düsterer, kalter Klangmonstren, die einen in fremde Welten und dystopische Zeitalter versetzen.
"Biometry" spielt die Zukunftsvision der kompletten biometrischen Vermessung und Erfassung des menschlichen Individuums durch. Entsprechend technoid und entmenschlicht ist die Grundatmosphäre des Albums. In einigen Stücken erzählt eine monotone Frauenstimme von der Prozedur der biometrischen Erfassung ihrer Daten. Ansonsten überwiegen anorganische Sounds und düstere Klangteppiche. Trotzdem ist "Biometry" äußerst eingängig und angenehm anzuhören. Gerald Donald versteht es wie kein zweiter, in seiner abstrakten Musik auch wunderschöne Melodien zu verstecken, die den Hörer angesichts des hier präsentierten Kulturpessimismus doch noch versöhnlich stimmen.
Wem Gerald Donalds jüngste Werke unter dem Namen "Dopplereffekt" und "Arpanet" gefallen haben, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Aber auch sonst sollte sich jeder experimentierfreudige Elektronikfreund "Biometry" einmal genauer anschauen.
Diese CD ist nämlich etwas ganz besonderer, ferner, faszinierender Planet im großen Universum der elektronischen Musik. Für mich ein Meisterwerk!