Neulich wollte ein Freund von mir wissen, wie viele Nervenzellen denn wohl in seinem Kopf wären. Nun, ich habe zwar nicht einmal meine eigenen Zellen gezählt, aber um eine Antwort war ich nicht verlegen - vierzehn Milliarden. Geholfen hat mir ein kleiner Trick: Ein schneller Griff zu Rainer Flindt's "Biologie in Zahlen". Und genau darum ging es dem Autor dieses Buches. Er ist selbst Biologie-Dozent an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.
Das Buch soll Lehrenden in Schulen und Hochschulen typische Fragen schnell beantworten helfen. Und Antworten auf zehntausend Einzelfragen nach Größe, Länge, Schwere und so weiter gibt das Buch allemal her. Das Kompendium ist ein nützliches und übersichtlich gestaltetes Nachschlagewerk für Schule und Universität, für Journalisten und alle, die Biologie anschaulich machen wollen. Biologie-Interessierte finden Zahlen zum Staunen. Eltern finden Antworten auf die Fragen wie "Papa, wie groß ist der kleinste Frosch?" (Antwort: Ein Zentimeter. Das ist der kubanische Zwergfrosch. Wenn Du mal groß bist, machen wir in Kuba Urlaub). Das Buch ist 2006 auch in englischer Übersetzung erschienen.
Schnörkellos.
Biologie in Zahlen ist ein Tabellenwerk ohne größere Erläuterungen. Messbares aus dem Reich der Biologie (für den Biologen gehört Homo sapiens natürlich dazu) wurde durch den Autor zusammengetragen. Die Gegenüberstellungen erleichtern nicht nur den schnellen Zugriff auf biologische Daten, sondern fördern auch durchaus Erstaunliches zutage.
Die Teilgebiete Zoologie, Botanik, Mikrobiologie und Humanbiologie sind in Themen gegliedert wie Fortbewegung, Stoffwechsel, zelluläre Werte, Inhaltsstoffe und viele mehr. Dabei sind jedem Kapitel "Zahlen die erstaunen" vorangestellt. Diese sind zum Schmökern und Wundern.
Nützliches.
Wer wegen häufigen Umzugs leichte Möbel kaufen will, könnte einen Blick auf das spezifische Gewicht von Hölzern werfen (Zirbelkiefer beispielsweise ist nur halb so schwer wie Eibe). Oder für den gesundheitsbewussten Zeitgenossen: lieber Rad fahren oder tanzen gehen? Auflösung: Mit Tanzen verbraucht man vergleichsweise mehr Energie (Anmerkung: ist auch lustiger).
Die Antworten auf viele Fragen von Schülern oder Interessierten liegen hier leicht auffindbar vor. Auch können manche Irrtümer widerlegt werden. So erweist sich die oft gehörte Aufforderung "Überlass das Denken den Pferden, sie haben den größeren Kopf" als nicht sinnvoll (Gehirngewicht Pferd: 590 g, Mensch: 1.200-1.500 g; auch, wenn's nicht nur die Masse macht :-) .
Schade:
Zu den Zahlen gibt es allerdings auch Kritisches zu anzumerken. Manche Zahlen scheinen nicht so ganz den aktuellen Stand zu repräsentieren. So wird das Wachstum von Kindern aus Quellen von 1975 und 1984 angegeben. Es gibt Statistiken, die auf eine deutliche Wachstumszunahme innerhalb der letzten 20 / 30 Jahre hinweisen. Die Inkubationszeit bei AIDS wird aus einer Quelle von 1985 mit bis zu 6 Jahren angegeben. Tatsächlich dürfte Sie derzeit eher bei 15 Jahren liegen.
Unverständlich ist bei der sonstigen Übersichtlichkeit des Zahlenwerkes die Darstellung großer Zahlen. So ist die Zahl der Querverbindungen im Großhirn des Menschen, ohne Punkt und Komma, mit 1000000000000 angegeben (Lösung: 1 Billion).
Fazit
Insgesamt gesehen ist diese Zusammenstellung von Messdaten aus dem Bereich der Biologie eine große Arbeitserleichterung bei der Suche nach vergleichenden Zahlen. Dem Interessierten gibt das Buch einen Einblick in die faszinierende Welt der Biologie, in nm und km, in mg und kg, in pH und Prozent.