Wenn Sie zu den Menschen gehören, die dem ganzen Ökokult eher skeptisch gegenüberstehen, dann ist diese Lektüre ein wahrer Leckerbissen für Sie, denn Michael Miersch klärt in sehr eindrucksvoller Weise auf, warum Bio nicht immer besser ist. Man findet in dem Buch eine Liste, einen sehr interessanten Ratgeber für den Umgang mit den Medien, wenn es um die Berichterstattung über diese Themen geht. Der Autor hat eine umgekehrte Entwicklung durchgemacht, wie beispielsweise der stellvertretende Chefredakteur der TAZ, Peter Unfried, der in seinem Buch "Öko" von seiner Entwicklung zum "Neuen Öko" berichtet. M. Miersch ist ein Alt Öko, der immer mehr vom Glauben abgefallen ist und heute dafür plädiert mehr Ratio in dieses weit gefächerte Umweltthema hineinzubringen, eben nicht nur nach Gefühlen zu handeln.
Der Autor hat sehr gründlich recherchiert, Betriebe besucht, mit Experten und Wissenschaftlern gesprochen, Studien über Bioinstitute und Biolandbauern kritisch hinterragt, Megastudien die über 80 Jahre viele tausend Studien zusammengefasst haben beleuchtet. Er kommt schließlich zu dem überraschenden Resümee, dass Bioprodukte nicht gesünder sind als herkömmliche Produkte, dass Biolandschaft auch nicht besser ist für die Umwelt. Was allerdings die artgerechte Tierhaltung angeht, da schneidet der Biolandbau eindeutig besser ab. Wenn man sich an die Tatsachen hält, dann kann man zweifelsfrei feststellen, dass es einen Wandel im Konsumverhalten der Menschen gegeben hat, beispielsweise in der Zusammensetzung der Produkte, wobei Produktion und Anlieferung der Waren weniger umweltschädlich sein sollten als die konventionelle, herkömmliche Art. Nachweislich ist der Umsatz auf dem Markt für ökologischen Anbau seit 1997 um 300 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro gewachsen, obwohl in Deutschland die Anbauflächen nicht dem wachsenden Bedarf entsprechend gestiegen sind.
Miersch interessiert sich nicht für "Lifestyle", ihn interessieren ausschließlich die Fakten im Wechselspiel zu den Behauptungen der milliardenschweren Bioindustrie. Ist Biokost wirklich ökologischer und ist Biokost wirklich gesünder? Fakt ist, Essen dient zunächst dazu den Menschen satt zu machen. Dabei ist Essen, da es seit Jahrzehnten in Europa keinen Hunger mehr gibt auch zu einem Ausdruck der Persönlichkeit geworden. Und so kommt der Autor zu der Feststellung, wer sich bei Biokost wohler fühlt, der soll durchaus dabei bleiben.
Michael Miersch weist auf die Gefahr hin, dass bei den Ökobilanzen fälschlicherweise häufig Klimaschutz (Kohlendioxydausstoß) und Umweltschutz in einen Topf geworfen werden. Diskussionen über "Food Miles" erregten die Gemüter in England, also die Frage, sind Lebensmittel wie Orangensaft, Lammfleisch, Rindfleisch die aus Afrika, Südamerika oder Neuseeland kommen, schlechter als heimische Erzeugnisse? Da die Güter mit dem Schiff Energie extensiv transportiert werden, entsteht tatsächlich der größte Energieverbrauch erst in der Verteilung und im Haushalt. In diesem Zusammenhang wird von M. Miersch ein interessantes Beispiel angeführt, nämlich, der Vergleich zwischen herkömmlichen Kartoffeln von dem Bauern aus der Nachbarschaft und Tütenkartoffeln (vor gegarte Produkte wie Püree oder Fertigbratkartoffeln). So lange beide Produkte unbehandelt in der heimischen Küche liegen sind Tütenkartoffeln der absolute ökologische Verlierer. Kocht man die Kartoffeln, dann drehen sich durch den hohen Energieaufwand die Fakten. Plötzlich ist die Tütenkartoffel, in Riesenmengen vorgegart, eindeutig das Ökoprodukt.
Der Autor wirft in seinem Buch auch die Frage auf, ob man bei einer weltweit zunehmenden Lebensmittelknappheit, mit den Versprechungen über Biolandbau die Welt ernähren kann? Die Antwort ist ganz eindeutig, Nein, denn man müsste dazu die landwirtschaftliche Fläche weltweit um ein Drittel erhöhen, man benötigt letztlich diese Fläche um dieselben Erträge wie im konventionellen Anbau zu erwirtschaften. Das wäre allerdings ein Desaster für die Natur. Eine in diesem Zusammenhang auch häufig verschwiegene Frage ist die, wo der notwenige Dünger herkommen soll, wo sollen die Milliarden notwendiger Nutztiere gehalten werden, wie sollen sie ernährt werden? Kunstdünger ist bekanntlich im Biolandbau verboten.
Das Konzept geht weder im nationalen schon gar nicht im internationalen Rahmen auf. Dennoch ist das Buch kein fanatisches Buch das die Biokost und Ökokultur radikal verwirft, denn beispielsweise räumt der Autor ein, dass es für das Tier und auch für den Menschen durchaus gut und sinnvoll ist Bio Fleisch zu essen und Bio Milch zu trinken. Wenn auch die Bereitschaft im Bio-Laden einzukaufen nach wie vor auch von den realen oder gefühlten Vermögensverhältnissen abhängt, ist damit aber auf jeden Fall die Sicherheit verbunden dort nichts "Vergiftetes" gekauft zu haben.
Das Buch ist flüssig und atmosphärisch dicht geschrieben mit den unterschiedlichsten bekannten und weniger bekannten Erkenntnissen und Reflexionsebenen.