Vorwort
Ich habe schon die Bioshock-Reihe gespielt und die beiden Spiele gehören mit zu meinem absoluten Lieblingsspielen, deswegen waren meine Erwartungen an das Buch entsprechend hoch. Ich möchte im übrigen darauf hinweisen, dass die folgende Rezension Spoiler enthält (also jetzt nicht wie das Buch ausgeht, aber wie die Geschichte um Rapture sich auf Grundlage der Spiele weiterentwickelt).
Allgemeines
Das Buch hat einen sehr schönen Schreibstill, der mich ein paar Mal zum Schmunzeln brachte, und bedient sich des öfteren der Tagebücher, die aus den Spielen bekannt sind, um so wörtliche spielbekannte Zitate in die Geschichte einzubinden, wodurch ein engerer Bezug dazu geschaffen werden soll. Wie dies praktisch aussieht, werde ich gleich noch näher beschreiben.
Inhalt
Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf dem Charakter Bill McDonagh und dessen Verbindung zu Ryan und sein Leben in Rapture. Allerdings ist er nicht der einzige Charakter aus dessen Sicht die Ereignisse beschrieben werden. Das Buch besteht insgesamt aus mehr oder weniger kleinen Abschnitten, in denen insgesamt die Geschichten von etwa einem halben Dutzend Charakteren behandelt werden, ähnlich der Struktur von "Tauben im Gras", wobei natürlich nicht in diesem Schreibstill und besser zu lesen ;) .
Die Gesamtgeschichte spielt in einem Zeitraum zwischen 1945 und 1959, d.h. sie behandelt die Errichtung Raptures und den Bürgerkrieg bis zum Handlungszeitpunkt von dem Spiel Bioshock 1.
Charaktere
Einige Charaktere werden natürlich mehr beleuchtet als andere, aber insgesamt wird das nicht schlecht gemacht (jetzt unter dem Gesichtpunkt ob oberflächlich oder nicht), allerdings bleibt der Charakter-Punkt nicht ganz kritiklos, denn eines der Dinge, die mir am meisten an dem Buch aufgestoßen sind, ist die Charakterbeschreibung Tenenbaums.
Im Spiel wird Tenenbaum zwar ein "Knall" nachgesagt, allerdings kann man das durchaus interpretieren, da es dieses Urteil von eher zweifelhaften Charakteren kommt (die sie ohnehin nicht zu mögen scheinen) und es sich auch auf ihre rein chirurgische Sicht der Dinge beziehen könnte, die sie oft hat (im Buch redet sie beispielsweise in der Gegenwart einer Schwangeren darüber Föten zu sezieren).
Im Buch wird sie hingegen als labile Person dargestellt, was zumindest im Bereich des Möglichen liegt, allerdings wird das ganze noch weiter geführt: Im Buch ist sie traumatisiert, scheu und zum Abschluss wird ihr eine Angst vor Berührungen angedichtet, die sie nur überwinden kann, wenn sie das Gefühl hat, dass sie dazu gezwungen wird. Im Klartext: Wenn sie nicht das Gefühl hat vergewaltigt zu werden, kann sie keine sexuelle Beziehung eingehen.
Also nichts für ungut, aber das geht mir wirklich zu weit. Tenenbaum mag psychisch belastet sein, aber ab einen bestimmten Zeitpunkt wirkt es einfach nur lächerlich, vorallem wenn man sie in Bioshock 1 gesehen hat, wie sie rumbrüllt und ein Kind mit einem Revolver verteidigt, was, zumindest meiner Meinung nach, dem Bild einer verschüchterten, traumatisierten Frau in keiner Weise ähnlich sieht.
Bei Tenenbaum fiel mir des Weiteren etwas auf, was zwar nicht ausschließlich bei ihr zutrifft, aber bei ihr am häufigsten: Die Tagebuchzitate, die man aus den Spielen kennt, werden teilweise an völlig unpassenden Stellen eingestreut und das Gesagt ist manchmal derart persönlich und wird gleichzeitig sogar gegenüber vermeintlich verhassten Personen geäußert, dass es so wirkt, als habe der Autor einfach nur die Tagebuchzitate aus dem Bioshockwiki in sein Buch kopiert um die nächsten 10 Zeilen nicht selbst schreiben zu müssen.
Fehler - Inhaltlich
Wie ich bereits zu beginn sagte, gehören die Bioshock-Spiele zu meinen Lieblingsspielen und deswegen ist mir die Story und ihre Stichhaltigkeit sehr wichtig. Als Buch zur Vorgeschichte sollte der Roman sich daher an die Geschichte der Spiele angleichen, doch tut er das bei weitem nicht so gut wie ich es mir wünschen würde. Ich habe bestimmt mehr als ein halbes Dutzend inhaltlicher Fehler gefunden, wovon ich hier mal zwei als Beispiel nennen werde:
1. Beispiel:
(Über die Little Sisters)"[...]Davon abgesehen schienen sie nicht mehr zu wachsen oder zu altern. Ihre Entwicklung war einfach eingeforen." (Seite 324).
Dieser Satz würde eine Hauptvorraussetzung für Bioshock 2, nämlich die Big Sisters, total umwerfen.
2. Beispiel:
Wie man in Bioshock 1 erfährt wird Suchong bei der Arbeit an der Paarbindung der Big Daddys zu ihren Little Sisters getötet, was 1958 geschehen sein muss (siehe auch Bioshockwiki), allerdings lebt er im Buch noch lange nachdem die Big Daddys und die Little Sisters unterwegs sind, weshalb er auch noch einen Auftritt im Jahr 1959 hat (Seite 399).
Fehler - Schriftlich
Es gibt: Sätze in denen Wörter fehlen, Absätze die einfach mitten im Satz plaziert wurden und ja sogar richtig gravierende inhaltliche Fehler, die das Leseverständnis stark behindern. Der gravierenste Fall war folgender:
Drei Leute werden von Splicern entführt (ein Bewusstloser der ständig nickt, eine Blondine die ständig zwinkert und ein Mann mit einer Schwellung im Gesicht) diesen drei werden von den Splicern die Namen "Nicken", "Zwinkern" und "Winken" zugeteilt. In der nun folgenden Textpassage, die sich über etwas mehr als 4 Seiten erstreckt, wird der Name "Zwinkern" sowohl für die Frau als auch einen der Männer gleichzeitig verwendet und der Name "Winken" tauch überhaupt nicht mehr auf. Beide Personen haben also die selbe Bezeichnung und es wird nicht sofort klar, wer jetzt eigentlich gemeint ist (Seite 284).
Bei sowas hat man das Gefühl, dass die Lektoren einfach geschlampt haben bzw. das vllt. nur ein einziger genommen wurde, um die Kosten niedrig zu halten.
Fazit
Das Buch wirkt einfach nur lieblos. Der Autor hat sich einer Hintergrundgeschichte bedient, die er nicht entwickelt hat und mit der er sich nicht beschäftigt hat. Wie sollte er auch? Er hat die Spiele mit Sicherheit nie gespielt und alles nur durch Hören-Sagen und Zusammenfassungen erfahren und geglaubt, dass das lange reichen würde. Es wirkt auf die schnelle zusammengeschustert ohne Liebe zum Detail oder auch nur richtiges Korrekturlesen.
Versteht mich nicht falsch: Das Buch ist nicht das schlechteste, was ich je gelesen habe, aber es wird der Geschichte von Rapture bei weitem nicht gerecht und der Schreibstill alleine macht keinen Roman aus. Dem Leser wird das Gefühl vermittelt, als hätte da jemand ein Buch auf den Markt geworfen, nur um im Windschatten eines erfolgreichen Namens noch ein bisschen Geld zu verdienen.