Hoppla - noch einer der aus dem Rentnerheim für alternde Rockstars ausgebüchst ist. Mit jugendlichen 67 und gefühlte 200 Jahre nach seiner letzten Studio-Platte meldet sich Stevie Guitar Miller mit einem bunten Strauss voller Blues Cover Versionen zurück. Neues eigenes Material wird es lt. Miller auch nicht mehr geben, denn er würde ja doch immer nur an seiner ,Fly Like An Eagle'-Benchmark gemessen, was ihm dann offensichtlich zu nervig ist.
Nun ist der Blues ja gemeinsam mit dem Hardrock die wohl wertkonservativste Musikrichtung der populären Musik was Innovationen anbelangt und so darf man sich auf diesem Album keine Überraschungen oder gar Revolutionäres erwarten. Dafür ist es aber eine fetzig und dynamisch gespielte Platte, die Delta-Blues, Chicago Blues und was es da sonst noch an Derivaten gibt, bietet, alles im typisch rockigen Steve Miller Band Sound. Er geht hier weit zurück in seiner eigenen musikalischen Entwicklung, zu den Anfängen mit ,Children Of The Future' und ,Sailor' eigentlich, nur dass hier keine psychedelischen Farbtupfer mehr draufgesetzt werden (wäre ja auch ein wenig unpassend, heute).
Seine charakteristische Stimme ist immer noch erstaunlich kräftig und sein trademark Gitarrensound in jeder Nummer unüberhörbar. Miller war ja nie der Gitarrenvirtuose par excellence (wozu auch - wieso sich die Finger verrenken, oder eine Sehnenscheidenentzündung riskieren, wenn man mit ein paar gut eingeübten und lässig hingefetzten licks genauso beeindrucken kann), aber er hatte immer einen ganz eigenen Ton und beim seinem Spiel ging und geht es vor allem um variantenreiche Klangfarben und das beherrscht(e) keiner so gut wie er (man denke nur an das Gitarren'solo' in Abracadabra'!).
Wenn er bei ,All Your Love' dann (gewollt oder nicht) Peter Green's Fleetwood Mac ganz gekonnt Tribut zollt (,Looking For Somebody'), dann merkt man erst wie ähnlich auch seine Stimme die Green's eigentlich ist. Und dass er es schafft einem der abgelutschtesten Blues Standards schlechthin (,Rock Me') mit dem Bumms eines 20-ig jährigen eine neue peppige Variante abzuringen, zeigt, dass der Mann immer noch was drauf hat.
Bei den besten Stücken hier ,Come On (Let The Good Times Roll)' und ,Ooh Poo Pah Doo' denkt man dann dennoch ein wenig wehmütig an seine großen eigenen poppigen Bluesrocknummern die halt immer das gewisse Etwas hatten und die man irgendwie vermisst, aber wer weiss, vielleicht ist das ja nur ein Aufwärm-Album und er traut sich doch noch mal eigene songs zu schreiben.
Kein wichtiges Album, aber eins das sehr viel Spass macht, und das man beim nächsten CD-Einkauf einfach mal so als Drüberstreuer mitnehmen sollte, weil's einfach auch verdammt gut gemacht ist - und im Übrigen sein Bestes seit ,Living In The 20th Century'.