Aus der Amazon.de-Redaktion
Anfang der 90er Jahre waren sie zu einem weltweiten Phänomen der Musikszene geworden, in letzter Zeit aber traten sie etwas kürzer, zogen sich von der vordersten Front der Tourneen, der Radiosendungen und vom Presserummel zurück. Und da diesem neuen Werk mit seinen sehr verschiedenartigen dreizehn Songs ein Knüller wie "Alive" oder "Better Man" fehlt, wird es ihm auch nicht gelingen, Pearl Jam wieder in den Mittelpunkt des Geschehens zu rücken.
Binaural bringt Jams mit einem solch grandiosen Können, dass man an The Who erinnert wird, wenn Pearl Jam lässig und mit rauher Stimme sich durch das Zwei-Minuten-Eröffnungsstück "Breakerfall" hindurchlärmt, um dann zu einem weiteren kurzen Rave-up, "God's Dice", überzugehen.
Dann aber wechseln die lauten Gitarrenpassagen im Stil von MC5, mit denen PJ ihr siebtes Album beginnen (und hier zum ersten Mal den früheren Soundgarden-Schlagzeuger Matt Cameron präsentieren) und wandeln sich in das nervös angespannte "Evacuation" und "Light Years" im gemäßigten Tempo. In dem kargen, traurigen "Nothing as It Seems" (mit Text und Musik des Bassisten Jeff Ament), bei "Thin Air" und bei dem gut aufgelegten "Parting Ways" spürt man die romantische Rückbesinnung auf sich selbst. Eddie Vedders prägnantes, von Ukulelemusik begleitetes "Soon Forget" klingt wie eine rührende Nebenbemerkung, "Insignificance" kommt herumtollend daher und "Of the Girl" hat einen Touch von Nahem Osten - sie sind alle bemerkenswert.
Es ist tatsächlich eine starke Besetzung, aber Binaural schafft es letztlich doch nicht mehr, bis in die Höhen empor zu steigen, die diese Gruppe mit so vielen Talenten einst erklimmen konnte. --Katherine Turman
INTRO
Schon einmal durften wir einen Blick in den Raum werfen, in dem Pearl Jam ihre Songs einspielen. Ein Foto dieses Raumes findet sich im "No Code"-Album, der vielleicht besten Platte der Grunge-Überlebenden. Die extreme Weitwinkelaufnahme zeigt die Band (ohne Eddie Vedder und somit aus dem überhöhten Blick des Sängers resp. Fotografen) im Kreis sitzend, wie sie gerade probt. Im Zentrum steht ein Tisch mit brennenden Altarkerzen. Im Hintergrund ein riesiges Regal voller Gitarren, in welchem ein Kind sitzt. Oberhalb des Proberaumbildes sieht man zwei weitere Fotos: das eine zeigte ein Gesangsmikrophon, das andere eine analoge Bandmaschine. Soweit war klargestellt: hier ist alles familiär und authentisch. Zwei Studioalben später gibt es wieder so ein Weitwinkel-Proberaum-wir sitzen-im-Kreis-Foto im Booklet. Ohne Altarkerzen und Monitorboxen, statt dessen haben jedoch alle Kopfhörer auf. Verschuldet wurde dies durch jene Technik, die der neuen Pearl Jam-Platte ihren Namen gab. "Binaural", ein Kunstkopf-Aufnahmeverfahren, durch das ein ebenso räumlicher wie natürlicher Klang erzeugt wird. Aufnahmetechnik? Das klingt irgendwie nach den frühen Pink Floyd. Und nach eben denen klingt das beste Lied des neuen Albums: "Nothing As It Seems". Auch die anderen Songs sind etwas für Kopfhörer, für jene Menschen, die gern (wieder-) entdecken: Anleihen an The Who, The Doors, Jane's Addiction, The Kinks oder einfach nur eine weitere Pearl Jam-Platte.
Klaus Schneider / Intro - Musik & so
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