Eine sehr poetische Liebesbeziehung voller Mystik und Magie, in der die beiden Hauptdarsteller in 88 Minuten ohne einen einzigen Dialog auskommen, bebildert der südkoreanische Regisseur Kim Ki-Duk in Bin Jip. Mit einem sehr virtuosen Arrangement wird die Geschichte von Tae-Suk (Lee Yeung-Yun) erzählt, der auf seinem einsamen Streifzug durch unbewohnte Häuser, in die er einbricht, um sie als vorübergehende Behausung zu nutzen, auf das Model Sun-Hwa (Jae-Hee) trifft, die in unglücklicher Ehe mit einem reichen Geschäftsmann verheiratet ist. Er beendet sein Eremiten-Dasein und nimmt sie mit auf seinen anarchischen Nomadentrip. Bis die Polizei dem ungewöhnlichen Paar in einem der selbst gewählten Refugien schließlich auf die Schliche kommt. Die beiden Eskapisten entwickeln eine Beziehung von intimer Zweisamkeit zueinander, in der im ganzen Film kein Wort fällt, aber doch alles in Form von zarten Gesten, ausdruckvollen Blicken und bewußten Bewegungen gesagt wird. Kim Ki-Duk, dessen Filme normalerweise eine Note von grausamer Kaltblütigkeit haben, offenbart hier, wie zwei sich eigentlich völlig fremde Menschen dennoch gütig und innig miteinander umgehen. Mit einer hohen meditativen Intensität erfahren sie füreinander die Wärme, die ihnen vor der Begegnung abhanden gekommen ist. Sie füllen die Leere in ihrem Leben mit sanften Emotionen. Dabei wird die Beziehung mit zunehmender Dauer des Films immer mystischer inszeniert. Wie ein transzendenter Engel wirkt Tae-Suk gegen Ende, der durch kein auch noch so lautes Gebrüll und auch nicht durch brutalste Repressalien von Sun-Hwa getrennt werden kann und wie ein unsichtbarer Schatten über sie wacht. Die Bilder werden im sehr ästhetischen und bizarren Arthouse-Stil komponiert. Sie wirken wie geträumte, unreale Sequenzen und kunstvolle expressionistische Stillleben, die für sich sprechen und deshalb auch fast ohne akustische Untermalung auskommen. Die wenigen hypnotischen Klassikmotive, die dann doch in die Stille einfallen, werden mit einem unglaublich sicheren Instinkt für die Situation eingesetzt. Beide Hauptdarsteller sind sehr fotogen und verleihen ihren Figuren jeweils mit einer ausdrucksstarken Physiognomie eine tiefgründige Melancholie. Kim Ki-Duk knüpft mit dem Film nahtlos an "Frühling, Sommer, Herbst, Winter...und Frühling" an. Auf den Filmfestspielen in Venedig wurde der Streifen 2004 mit vier Auszeichnungen überhäuft.