...seit einigen Monaten habe ich dieses Stativ in Gebrauch und kann mich daher meinen Vorrednern anschließen: Das Stativ erfüllt seinen Zweck tadellos.
Die Flügelschraube zum Ausziehen der Mittelsäule ist sehr massiv und dank reichlich Fett auch schön schwergängig (ohne Spiel). Alle tragenden Teile sind natürlich aus Metall und damit ausreichend stabil. Die Mechaniken zum festlegen der Beinwinkel sind ebenfalls gut geschmiert und zusätzlich mit einer Schraube mit Sechskant-Kopf montiert. Gleiches gilt für die drei Beine, die jeweils mit zwei dieser Schrauben fixiert sind. Das obere Ende der Mittelsäule besteht aus einer Platte die mittels einer Wechselschaube und einer Mutter in dem eingelassenen Gewinde der Säule befestigt wird. Die Wechselschraube weist zwei Gewinde unterschiedlicher Größe auf um einerseits das Aufschrauben eines handelsüblichen Kameragewindes und andererseits das Aufschrauben eines handelsüblichen Stativkopfes (natürlich nicht im Lieferumfang enthalten) zu ermöglichen. Zum Wenden dieser Schraube kann das mitgelieferte handliche Werkzeug verwendet werden. In der Praxis ist bei mir ein (Kugel-)Kopf fest montiert und ich würde niemals eine Kamera direkt aufschrauben, weil dann die Konstrunktion viel zu starr wäre aber diese Bauweise ermöglich das einfache austauschen einzelner Elemente. Am unteren Ende der Mittelsäule ist ein Haken mit Auszug-/Rückschnellmechanismus angebracht der dafür sorgt, dass der Haken so nah wie möglich an die Mittelsäule herangezogen wird. Das erweist sich als praktisch, denn wer will schon einen großen Haken immer weit von der Mittelsäule abstehen haben der sich dann bei der Handhabe des Statives überall verfängt. Generell ist ein Haken extrem nützlich, weil durch Anhängen z.B. des Fotorucksack das Stativ sicher auf dem Boden gehalten wird (vor allem im Freien bei aufkommendem Wind, wenn sich der Fotograf langsam Sorgen um seine teure Technik zwei meter über dem Boden macht). Es ist ausserdem ein kleiner Rundhaken auf Höhe der Flügelschraube angebracht (wahlweise auch einfach zu entfernen) woran der Tragegurt eingehakt wird. Wer wirklich riesen Bodenkontakt wünscht kann den Tragegurt dort anbringen und sich beim fotografieren mit einem Fuß draufstellen um eine vertikale Zugkraft richtung Boden zu gewährleisten, aber in der Praxis erledigt das die Schwerkraft schon selbst. Alle Haken sind aus Metall.
Nun zu den ausziehbaren Füßen die mit Drehmechanismen an zwei Stellen (zwei ausziehbare Elemente) festgezogen werden. Meiner Meinung nach ein Vorteil gegenüber Hebelmechanismen weil man von jedem Griffwinkel aus zupacken kann und nicht erst die Position den Hebels suchen muss. In der Praxis funktioniert das schnell einfach und ist sehr Stoß- und Spannungsresistent (Man muss keine Angst haben die Dinger zu fest zu drehen, auf dass sie in Folge dessen reißen) Die Füße bestehten aus einem Metallgewinde an dessen Ende eine Metallspitze liegt. Über dieses Gewinde ist ein Gummiblock befestigt, sodass je nach Position des Gummiblockes die Metallspitze heraussticht oder eben ganz in dem Gummiblock verschwindet. Durch Drehen des Gummiblockes verändert man dessen Position auf dem Gewinde.
Neben diesen vielen trickreichen Konstruktionen gibt es zwei kleinere konstruktionsbedingte Nachteile des Statives. Nach meiner bisherigen Nutzungszeit stellte ich eine zunehmende Leichtgängigkeit der Beinwinkel und damit einhergehende Instabilität des Statives fest. Ein nachziehen der Befestigungsschrauben löste dieses Problem aber zur vollsten Zufriedenheit.
die Metallgewinde bzw Metallspitzen an den Füßen sind ihrerseits wieder in Gewinde reingedreht. Wenn man nun die Gummiblöcke hervordreht und festzieht (um den Boden vor den Metallspitzen zu schützen) kommt es vor, dass man mit dem Drehimpuls das ganze Gewinde (also die Metallspitze selbst) aus der Verankerung löst. Das Zurückdrehen des Gummiblockes hat natürlich zur Folge, dass sich dieser wieder löst und empordreht. Das Problem lässt sich beheben indem man eine zusätzliche Mutter in Größe des Gewindes aufdreht um damit den Gummiblock zu fixieren, oder man klebt das Gewinde der Metallspitze mit Sekundenkleber fest.
Die Aluminiumausführung hat ein brauchbares Gewicht (Ich will kein Stativ das mit dem nächsten lauen Lüftchen mit wegfliegt, ich bin auch keineswegs viel auf langen Reisen) und ich scheue es nicht, dass mein Stativ nach zehn Jahren intensiver Nutzung (Outdooreinsatz) vorraussichtlich auch dementsprechend aussieht (die Lackierung ist eben auch nur eine Lackierung). Die Carbon- Legierung ist da etwas farbresistenter und ich schätze die Filzgriffflächen. Das Stativ reicht samt Kopf und Kamera bis auf Augenhöhe, wer über Kopf stabilisieren will muss zwangsläufig auf ein schwereres Stativ zurückgreifen.
Ein paar Takte noch zum Zubehör: Mitgeliefert wird eine sehr kurze Mittelsäule. Sie dient ersatzweise einer besseren Greifbarkeit des Statives im zusammengeklappten Zustand und natürlich dem geringfügig niedrigeren Gewicht. Die Ausfahrbarkeit der Mittelsäule ist damit jedoch nicht mehr gegeben. Prinzipiell lässt sich aber die längere Mittelsäule auch umgekehrt montieren, sodass daher bodennahe Perspektiven möglich sind.
Die Tasche besteht aus unglaublich reisfestem Material und fasst auch ein Stativ samt Kopf und Werkzeug und alternativer Mittelsäule. Leider halten die nähte der Gurtbefestigungslaschen garnicht viel aus. Schon nach dem ersten Einsatz rissen die Ecknähte der aufgenähten Befestigungslaschen auf. Mit Nadel und Faden und einem Nachmittag voller Fürsorge ließ sich aber auch das Problem beheben.
Fazit: Hochflexibeles, qualitativ hochwertiges Stativ, das allerdings unter Umständen etwas Zeitaufwand zur vollständigen Instandsetzung bedarf. Wer sich die Zeit nimmt die beschriebenen Mängel zu korrigieren erhält ein Stativ, dass einem Profi- Equipment in nichts nachsteht. Wären die vielen Schraubelemente nicht gegeben bestünde weiterhin das Problem der Abnutzung aller beweglichen Teile mit dem Nachteil, dass diese nicht durch einfaches Festziehen der Schrauben wieder in den Neuzustand zurückzusetzen wären. Daher 4,5 Sterne, (aufgerundet)
Liebe Grüße, Philipp