Sinn der Sache
Für all jene, die sich - wie ich vor kurzem - eine mobiles Fotosystem zusammenstellen wollen, beschreibe hier das Stativ "Slik Sprint Pro" und den Kugelkopf "Bilora Perfect Pro 2205" und stelle diese Rezension bei beiden Artikeln ein.
Meine Arbeitsweise
Mobil. Ich bin hauptsächlich "Fahrrad-Rucksack-Fotograf". So komme ich an die unwegsamsten Gegenden. Bei mir muss alles leicht und klein sein und IN den Rucksack passen (nicht draußen dranbammeln).
Meine Kameras
1. DSLR: EOS 30D + EF-S 18-55mm IS als Immerdrauf. Insgesamt 970g. Also leichtes Equipment.
2. Kompakt:
FujiFilm FinePix F31fd Digitalkamera (6 Megapixel, 3-fach Zoom, 6,4 cm (2,5 Zoll) Display) - die beste Kompakte der Welt! ;)
Meine Kompakte ist die Zweitkamera für den schnellen Schuss. Sie ist schnell aus der Jackentasche gezerrt wenn auf dem Weg zur Location unvermittelt ein Buntspecht über den Weg hüpft oder ne Eidechse herumhuscht. Ohne Aufbau kann ich mi ihr in Sekunden ein Foto schießen, dass qualitativ meiner 30D nicht nachsteht. Glaubt mir immer keiner, bis er die Fotos gesehen hat. (Technisch ist die F31fd der 30D natürlich deutlich unterlegen.) Sehr schön ist es auch, die F31fd auf einem Tischstativ auf den Boden zu stellen und das Shooting im Videomodus mitzufilmen. Ist immer interessant wie sich das entwickelt und man kann dem Modell nachher mit Zeitraffertricks u.ä. was schönes aus dem Shooting zusammenschneiden.
Mein Stativ
Slik Sprint PRO EZ Tripod. Seit einem halben Jahr arbeite ich jetzt mit dem Slik-Stativ und das ist einfach Spitze!
Fakten:
- leicht (inkl. dem "Bilora Perfect Pro 2205": 1,1kg)
- geringes Packmaß (mit montiertem und nicht abgewinkelten "Bilora 2205": 50cm)
- volle Arbeitshöhe (bis zum Kopfgewinde: 1,54m) Mit ausgefahrener Mittelsäule und montiertem "Bilora 2205" steht der Sucher meiner 30D auf 1,70m. Da muss ich (1,78m groß) mich schon auf die Zehenspitzen stellen.
- minimale Bodendistanz (bei voll abgewinkelten Beinen [und notwendigerweise geteilter Mittelsäule] steht Sucher 26cm über dem Boden)
- exzellentes Handling (Klemmverschlüsse, 4 Auszüge, teilbare und natürlich auch umkehrbare Mittelsäule, Beinwinkel 3-stufig verstellbar)
- Neorpenbeinchen (Habe ich im Januar bei Winteraiufnahmen bei -8°C sehr zu schätzen gelernt!)
Häufig zu lesende Kritik:
"Das Stativ wäre nicht stabil genug." Ja, wenn man die montierte Kamera bei voll ausgefahrener Mittelsäule antippt, schwingt es ... für ca. 1s. Danach steht es wieder wie eine Eins (auch mit ausgefahrener Mittelsäule). Bei Windstärke "blas mich um" mit rumfliegendem Laub und Staub und Dreck und womöglich Regengefahr gehe ich mit DSLR-Technik doch so wie so nicht in die Pampa. Und wenn man nicht gerade Belichtungsreihen mit 300mm schießt ist es ziemlich wurscht, ob die Säule während der Fotosession bei Einstellarbeiten an der Kamera einen zehntel Millimeter schwingt. Nach 2 Sekunden hat sich jede Schwingung so wie so wieder beruhigt. Und das Stativ wiegt wie gesagt inkl. Kopf 1,1kg und macht sich für den Rucksack 50cm klein!
ACHTUNG! Das Slik-Stativ hat ein 1/4''-Kopfgewinde! Will man den originalen gegen einen besseren Kopf austauschen (höherwertige Köpfe haben ein 3/8''-Gewinde) braucht man also einen Adapter.
Meine Ausgangssituation
So weit ist alles schön. Nur der "Einhebel-Stativkopf" (
Slik SH-707E Kopf) des "Slik Sprint Pro" ist sehr kritisch! Er ist einerseits absolut sauber verarbeitet. Aber es fehlt ihm eine Kippneigung um die Z-Achse (Links-Rechtsneigung) und das macht das Fotografieren sehr lästig.
Problem:
Fotografiert man im Freien, auf einer buckligen Straße oder der bloßen Erde, einer Wiese oder einem Feld-/Waldweg, steht das Stativ naturgemäß nie richtig horizontal. Dann geht das Gefummel des Ausnivelierens los. Entweder über den Anstellwinkel der Beine oder über das Verschieben der beiden Schwenk-Ebenen ("Nicken" und Horizontalschwenkplatte). Mit dem original mitgelieferten Kopf (SH707E) kann man wegen der fehlenden Seitenneigbarkeit einfach nicht glücklich werden. Und das dauernde Verdrehen der beiden schwenkbaren Ebenen zur Kompensation der fehlenden Seitenneigbarkeit ist äußerst lästig. Man kann dann zwar ganz normal Panorama-Schwenks machen, aber nach vorn abneigen kann man den Kopf nicht mehr, weil diese Neigungs-Ebene ja "quergelegt" ist. Schwierig zu erklären, man muss es sehen. Es ist jedenfalls äußerst umständlich und ein flüssiges Einrichten der Kamera, wenn das Stativ auf unebenem Boden steht, ist jedenfalls nicht möglich. Ich hoffe, es ist verständlich, was ich hier schreibe. Das alles nervte mich jedenfalls mit der Zeit so sehr, dass ich jetzt für 35,- einen Kugelkopf draufgesetzt habe ... den "Bilora Perfect Pro 2205".
Meine Lösung dieses Problems
Der Kugelkopf "Bilora Perfect Pro 2205". "Kugelkopf" deshalb, weil intuitiv mit einer Hand bedienbar. Ich habe lange recherchiert (beim mir artet sowas immer in mehrtätiges Grundlagenstudium aus) und wollte keine 60,- ausgeben. Ich hab den "Bilora 2205" neu für 35,- inkl. Versand und Gewinde-Adapter erwischt.
Vorteile des "Bilora 2205"
+ leicht (dreihundertnochwas Gramm)
+ zwei Aussparungen für die Hochformat-Kippung
+ sauber vearbeitet
+ Wechselplattensystem mit sauber und kräftig zuschnappendem Spannhebel - es ist nicht mal nötig mit der Hand nachzudrücken (sicherheitshalber aber dennoch machen!)
+ Spannhebel des Schnellwechselsystems bleibt nach Entnahme der Kamera offen (für mich sehr wichtig, da "workflow-förderlich"). Kann zum Transport aber auch geschlossen werden.
+ Drehplatte an der Basis für bequeme horizontalschwenks im Hochformat.
ACHTUNG! Diese "Drehplatte" ist KEINE Panoramaplatte! Mehr dazu selektiv weiter unten.
Nachteile bzw. Fragwürdigkeiten des "Bilora 2205"
- Friktion. Irgendwo laß ich mal, dass "28mm-Kugel und Friktion" ein blöder Witz wären, oder so ähnlich. Recht hatte derjenige! Der "Bilora 2205" hat eine 30mm-Kugel und die Friktionsschraube hätte man ohne nennenswerte Einschränkung des Handlings getrost weglassen können. Ein paar Grad Drehung an der Friktions-Schraube entscheiden darüber, ob Grundreibung da ist oder nicht. Kurzum, die Friktion lässt sich nur äußerst grob einstellen.
- Die Kugel ist nicht absolut rund. Das kann man oft im Netz lesen und es stimmt. Der "Bilora 2205" läuft sauber, keine Frage, aber nicht absolut gleichmäßig und auf nicht sonderlich "satt". Bei angezogener Friktion hat er zudem ein spürbares Losbrechmoment. D.h., er setzt sich etwas ruckartig in Bewegung. Das stört aber nicht sonderlich (und ich bin ziemlich pingelig!), denn wenn man die Friktionsschraube nur sehr leicht andreht, läuft die Kugel gleichmäßig los. Und die Friktion ganz oder "fast ganz" offenzulassen ist aus den genannten Gründen so wie so das Beste. Kugel und Gelenkpfanne sind übrigens aus Aluminium. Daher auch das geringe Gewicht. Möglicherweise würde Edelstahl bessere Gleiteigenschaften aufweisen.
- Basis-Schwenkplatte. Das Ding ist wirklich ein "geradeso-Kompromiss". Aber als solcher funktioniert er technisch tadellos. Mehr dazu gleich selektiv.
Der durchdachte Feststellmechanismus
Der Feststellhebel (auf dem Artikelbild linksseitig) lässt sich teilentkoppeln und in anderem Winkel wieder einkoppeln. Zur Verdeutlichung: Wenn der Helbel festgezogen z.B. "auf 12 Uhr" steht und er dort in einer bestimmten Kameraposition mit der Schnellwechselplatte kollidiert, kann er (gegen eine Zugfeder) axial etwas herausgezogen, auf "6 Uhr" gedreht und wieder axial eingekoppelt werden. Nun kann man den Feststellhebel "unten feststellen", statt wie vorher oben. Sehr nützlich!
Die komische "Panoramaplatte"
Wie gesagt, der "Bilora 2205" hat keine richtige Panoramaplatte. Er hat an der Basis eine Schwenkplatte, die Horizontalschwenks ermöglicht, aber keine eigene Feststellung hat. Sie wird über Friktion und Klemmhebel gleichzeitig mit der Kugel geklemmt. Das heißt, sie ist nur dann schwenkbar, wenn auch die Kugel beweglich ist und da kann von "Panoramaschwenks" bzw. "Panoramaplatte" keine Rede sein! Die Sache hat aber dennoch einen sehr praktischen Nutzen, und zwar kann man durch diese Drehplatte die Kamera im Hochformat um die Horizontalachse schwenken. OHNE diese Schwenkplatte müsste man dazu die Mittelsäule verdrehen. Also, diese "Basis-Schwenkplatte" ist ein grenzwertiger Kompromiss, ermöglicht aber die bequeme Durchfürhung von Horizontalschwenks im Hochformat.
Meine Verbesserungen
Kugel und Pfanne habe ich rundum mit zähem Wälzlagerfett versehen (dünn einschmieren und ne Weile kugeln lassen). Das hat die Laufeigenschaften etwas verbessert. Sollte man evtl, periodisch wiederholen.
Für die Gegenwart
Der "Bilora 2205" und ich sind schon jetzt Freunde geworden. Obwohl ich ein ziemlicher Pedant bin stören mich seine Macken nicht sonderlich. Der Schnellwechselverschluss ist exzellent (!!
Lesen Sie weiter... ›