Aus der Amazon.de-Redaktion
Namen mit einer durchgehenden Nummerierung zu versehen und als Bezeichnung für jeweils aktuelle Projekte zu verwenden, erinnert an Raumfahrtprogramme der NASA und die Alben 1-4 von Scott Walker. Und nun also auch die kanadische Band Billy Talent, die mittlerweile bei der
III angekommen ist und damit vor der anspruchsvollen Aufgabe steht, an Platin- und Goldauszeichnungen in Kanada und Deutschland, samt zwei Echos für ihre beiden Vorgängeralben anzuknüpfen. Mit der prominenten Schützenhilfe von Produzent Brendan O’Brien (Bruce Springsteen, AC/DC) haben die vier Kandier zumindest die erste Hürde gekonnt gemeistert, nämlich ein hörenswertes Album einzuspielen. Ob es wieder Edelmetall hageln wird wie zuvor, muss sich erst noch zeigen. Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass die Band ihr musikalisches Spektrum beträchtlich erweitert hat. Billy Talent ist erwachsen geworden, und so klingen sie auch, nach mittlerweile 15 Jahren gemeinsamer musikalischer Erfahrung und Rückbesinnung auf ihre Wurzeln in der Musik von Bands wie Pearl Jam, Nirvana, Jane’s Addiction und natürlich The Clash. Fast hat es den Anschein, als wollten Billy Talent mit ihrem aktuellen Album den Sound der rockigen 70er heraufbeschwören und mit dem Grunge der Frühneunziger kombinieren, besonders eindrucksvoll zu hören auf dem Opener “Devil On My Shoulder“. Für souverän-spielerischen Umgang mit den Achtzigern steht der Song “Diamond Of A Landmine“ mit seinen Police-Anklängen. Für Nostalgiker kommen in altbewährter Billy Talent-Manier noch am ehesten Songs härterer Gangart wie “Turn Your Back“ und “Tears Into Wine“ daher. Ansonsten zeigen die Zeichen eindeutig in Richtung Rock und Midtempo, wie nicht nur die bemerkenswerte Beinahe-Ballade “White Sparrows“ zeigt. Doch keine Sorge, die Helden sind noch nicht müde, denn in punkto kernigen Gitarren-Riffs und knackigen Drums bleibt auch auf diesem Album alles beim Alten. -
Andreas Schultz
Weiterentwicklung ja, Stilbruch nein. Billy Talent versuchen mit ihrem dritten Album den schwierigen Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft, der alle glücklich machen soll - aber nicht immer gelingt.
Nicht mehr lange, und die Bandmitglieder von Billy Talent sind allesamt Mitte 30 - da dachten sich die Kanadier wohl, dass es auch für sie langsam an der Zeit ist"erwachsen" zu werden. Ihr drittes Album versucht den schwierigen Spagat, die alten Fans nicht zu verprellen, gleichzeitig aber in punkto Songwriting neue Reife zu zeigen. Als Produzenten holten sie sich folgerichtig auch die nicht mehr ganz taufrische Regler-Ikone Brendan O'Brien ins Studio. Zudem besann sich das Quartett auf die Lieblingsbands der eigenen Jugend - und die spielten nun mal allesamt Grunge und hießen Alice In Chains, Soundgarden oder Nirvana. Schon der Opener "Devil On My Shoulder" wartet folgerichtig mit dickem Rock-Riff auf. Im folgenden wird dann stilistisch auch immer mal wieder in den Siebzigern gewildert - mehr Midtempo, mehr Gepose und eine dickere Produktion sind angesagt.
"III" ist die bis dato vielseitigste Billy-Talent-Scheibe - nach Muse wie in "Saint Veronika" klangen die Kanadier schließlich in der Vergangenheit noch nie. Und so pathetisch wie in "Pocket Full Of Dreams" ebenfalls nicht. Den ganz großen Stilbruch wollte man offensichtlich trotzdem nicht vornehmen: Es gibt Stücke wie das ultra-eingängige "Turn Your Back" , die so auch auf "II" Platz gefunden hätten - auch wenn Frontmann Ben Kowalewicz sich mit seinen schrillen Screams eher zurück hält und meist gemäßigter singt.
Generell zeigt dieses Album eine Band im Übergang: Beeinflusst vom Wahnsinnserfolg der ersten beiden Platten, gleichzeitig aber vom Gefühl getrieben, sich weiterentwickeln zu müssen. Das Endergebnis klingt gefällig, aber oft noch etwas unschlüssig. Den Erfolg der Vorgänger-Platten wird "III" wohl nicht wiederholen können - vielen alten Fans wird vor allem über weite Strecken überbordende Energie und Eingängigkeit fehlen. Eine gute Platte ist "III" allemal; ob der von der Band eingeschlagene Weg auf lange Sicht neue Höhenflüge möglich macht, wird sich aber wohl erst auf dem vierten Album klären.